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Energie

Exxon Mobil Investoren wollen grüne Wende der Ölkonzerne erzwingen

Ein Hedgefonds will bei Exxon Mobil mehr Erneuerbare und eine Umbesetzung im Verwaltungsrat durchsetzen. Auch andere Ölriesen erfahren zunehmend Gegenwind.
26.05.2021 - 04:12 Uhr 1 Kommentar
Exxon Mobil ist einer der größten Ölkonzerne der Welt.  Quelle: REUTERS
Ölfeld

Exxon Mobil ist einer der größten Ölkonzerne der Welt. 

(Foto: REUTERS)

Düsseldorf, New York In der Zentrale von Exxon Mobil im texanischen Irving liegen die Nerven blank. Investoren werden genau beobachtet, alle Berichte danach ausgewertet, was sie für die Aktionärsversammlung des US-Ölriesen an diesem Mittwoch bedeuten könnten. Auf Konferenzen mit Anlegern drehen sich die Fragen an Chairman und Vorstandschef Darren Woods immer wieder um den neuen Störenfried: Engine No 1. Der könnte eine neue Ära für den US-Ölkonzern einleiten.

Der erst vor einem halben Jahr gegründete Hedgefonds macht dem Management von Exxon Mobil seit Monaten das Leben schwer. Engine No. 1 hat sich nachhaltiges Investieren zum Ziel gesetzt und fordert, dass Exxon stärker auf erneuerbare Energien setzt, um langfristig profitabel zu sein. Der Fonds zählt zwar mit einem Investment von nur 50 Millionen Dollar nicht zu den großen Aktionären bei Exxon, hat aber schon mächtige Verbündete gewonnen.

Außerdem wollen die Investoren auf der Hauptversammlung vier von zwölf Verwaltungsratsposten mit eigenen Kandidaten besetzen, allesamt mit großer Erfahrung im Bereich der Erneuerbaren. Kommen diese durch, würde es für Konzernchef Woods deutlich schwerer, seine bisherige Strategie umzusetzen, die weiter stark auf das Wachstum fossiler Energieträger baut.

Tatsächlich fällt das Aktionärstreffen in eine kritische Zeit für die Öl- und Gasbranche. Erst vergangene Woche sorgte ein Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) für Wirbel. Darin forderten die Experten einen Investitionsstopp für neue Öl- und Gasprojekte, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens, den Anstieg der globalen Erwärmung um maximal 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter, noch zu erreichen.

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    Branchenkenner sprachen von einem „Dolch im Rücken der Ölindustrie“. Die Agentur mit Sitz in Paris war in den 1970er-Jahren als Antwort auf die globale Ölkrise gegründet worden. Sie sollte Prognosen und Analysen mit Blick auf den internationalen Markt erstellen, um künftig Krisen vorzubeugen. Jahrelang hatte die Organisation den Aufschwung der Erneuerbaren unterschätzt und war dafür heftig kritisiert worden. Nun also die Kehrtwende.

    Während europäische Größen wie Shell, BP, Total und Eni bereits einen mehr oder weniger radikalen Wandel hin zu klimafreundlicheren Energien eingeleitet haben, sind US-Unternehmen wie Exxon, Chevron und Conoco Phillips kaum auf die Zeit nach dem Öl vorbereitet. Dazu hatten sie, anders als die europäischen Konkurrenten, bisher auch keinen wirklichen Grund.

    Wende der IEA liefert Investoren Munition

    Die vier Jahre unter Ex-US-Präsident Donald Trump waren für „Big Oil“ eine Blütezeit. Mit Deregulierung und Bohrgenehmigungen unterstützte der Republikaner die fossilen Giganten. Die konnten ihr altes Geschäftsmodell weiterführen, ohne Angst vor strengeren Vorgaben.

    Anders als die europäischen Wettbewerber hat Exxon vor allem an Öl und Gas festgehalten, wobei in Nordamerika auch die umstrittene Fracking-Technologie zum Einsatz kommt. Nach eigenen Angaben arbeitet der Konzern nun an Lösungen im Bereich von „Kohlenstoffspeicherung, Biokraftstoffen, Wasserstoff und energieeffizienter Prozesstechnologie“. Solar und Windenergie sind nicht vorgesehen. Mit dieser Strategie, rechnet Engine No 1 vor, kann Exxon Mobil die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht erreichen. 

    Erst vor wenigen Wochen präsentierte der Konzern seinen Investoren noch Folien, auf denen frühere Studien der IEA zitiert wurden, die einen Nachfrageanstieg von zehn Millionen Barrel Öl pro Tag ab 2026 prophezeiten. Zahlen, die nun keinen Bestand mehr haben, wenn das 1,5-Grad-Ziel eingehalten werden soll. 2050, rechnet die IEA jetzt vor, könnte nur noch ein Fünftel der weltweiten Energienachfrage von fossilen Quellen gedeckt werden.

    Der Exxon-Chef erfährt starken Gegenwind von den Investoren. Quelle: Reuters
    Darren Woods

    Der Exxon-Chef erfährt starken Gegenwind von den Investoren.

    (Foto: Reuters)

    Brancheninsider vermuten, dass die plötzliche Wende der Agentur vor allem mit der politischen Rückendeckung durch US-Präsident Joe Biden zusammenhängt. Investoren wie Engine No 1, die sich den Kampf gegen die Erderwärmung auf die Fahne geschrieben haben, liefert sie weitere Munition.

    Hinter den Aktivisten stehen Finanzprofis, keine Greenpeace-Kämpfer

    Hinter dem Fonds stehen keine Ökoaktivisten, sondern erfahrene Finanzprofis: der Tech-Investor Chris James und Charles Penner, der Anfang 2018 mit dem Investmentfonds Jana Partners gegen Apple mobil gemacht hatte, weil iPhones zu sehr abhängig machten.

    Nun werfen sie Exxon vor, weiterhin auf eine starke Nachfrage nach Öl und Gas in den kommenden Jahrzehnten zu setzen und sich nicht ausreichend zu diversifizieren. „Exxon Mobil riskiert mit seinen aggressiven Ausgaben langfristig, Werte zu zerstören“, schreibt Engine No 1. Und das „in einer Welt, die dabei ist, Emissionen zu reduzieren, und bei einem Unternehmen, das sogar in Jahren der steigenden Nachfrage nach Öl und Gas die Investoren enttäuscht hat“, argumentieren die Investoren. Die Aktie von Exxon liegt trotz der jüngsten Erholung weit unter ihrem Wert von vor zehn Jahren.

    Für die Ölindustrie erhöht sich damit der Druck nur noch mehr. Zwar haben Exxon Mobil, Chevron, Shell, BP und Total im ersten Quartal zum ersten Mal seit anderthalb Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben. Grund dafür ist der Ölpreis, der nach einem 20-Jahres-Tief im vergangenen Jahr mittlerweile wieder auf mehr als 68 Dollar für ein Barrel der Nordseesorte Brent gestiegen ist. Aber die Rally dürfte nicht von Dauer sein. 

    Experten erwarten, dass die Wirtschaft sich in Zukunft stärker und vor allem schneller auf klimafreundlichere Energiequellen konzentrieren wird als bisher angenommen. Global gesehen rechnen mittlerweile deswegen selbst Branchengrößen wie BP damit, dass die Ölnachfrage nicht mehr über das Niveau der Zeit vor der Pandemie steigen wird.

    Das bekommt nicht nur Marktführer Exxon Mobil zu spüren. Auch beim US-Konkurrenten Chevron steigt der Druck. Der Konzern ist ähnlich einseitig auf fossile Brennstoffe konzentriert wie Exxon, und auch dort regt sich der Widerstand der Aktionäre.

    Chevron hält ebenfalls am Mittwoch seine Hauptversammlung ab. Dort haben engagierte Investoren über die Börsenaufsicht SEC durchgesetzt, dass die Anleger über ihren Vorschlag abstimmen können. Dieser sieht vor, dass Chevron seine Emissionen „substanziell reduzieren“ soll. Auch das zeigt: Es wird ungemütlich für die US-Ölkonzerne.

    Das Management von Exxon Mobil hat also allen Grund, nervös zu sein, wenn es um die Abstimmung am Mittwoch geht. Engine No. 1 steht nämlich längst nicht mehr allein da. In den vergangenen Wochen haben immer mehr Investoren ihre Zustimmung zu den Forderungen signalisiert.

    „Werfen Sie Ihre weiße Proxy-Karte weg!“

    Die mächtigen kalifornischen Pensionsfunds Calstrs und Calpers, der New York Common Retirement Fund und die Church of England haben alle bereits angekündigt, dass sie die vier neuen Kandidaten für den Verwaltungsrat unterstützen werden. Auch Legal & General, mit 1,6 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen einer der größten Vermögensverwalter der Welt, will mit ihnen stimmen. 

    Die vier Persönlichkeiten, die Engine No 1 in den Aufsichtsrat bringen will, sind keine Unbekannten. Unter ihnen sind Kaisa Hietala, früher zuständig für erneuerbare Produkte bei dem finnischen Öl- und Biokraftstoff-Unternehmen Neste, Anders Runevad, ehemaliger Vorstandschef des dänischen Windenergie-Spezialisten Vestas, und der US-Technologieunternehmer Alexander Karsner.  

    Eine Anfrage zu einer Stellungnahme zu den Forderungen ließ Exxon Mobil unbeantwortet. Aber was der Vorstand davon hält, hat er bereits mehrfach klargemacht. „Ein Hedgefonds mit dem Namen Engine No.1 – erst vor ein paar Monaten gegründet – versucht, vier unserer Weltklasse-Verwaltungsratsmitglieder mit unqualifizierten Kandidaten zu ersetzen“, heißt es im Aktionärsbrief vom 14. Mai. 

    Weiter unten macht ein Piktogramm klar, was die Aktionäre mit dem Vorschlag machen sollen: „Werfen Sie Ihre weiße Proxy-Karte weg – geben Sie Engine No 1 nicht Ihre Stimme!“ steht neben einem Recycling-Mülleimer, in die eine zerrissene weiße Karte fällt. 

    In der Telefonkonferenz zum ersten Quartal betonte Konzernchef Woods, die Mitglieder des Verwaltungsrats müssten Erfahrung im globalen Management, bei Technologien sowie in der Transition von Unternehmen mitbringen. Das sei bei den Kandidaten von Engine No. 1 zwar der Fall. Ebenso wichtig sei jedoch auch die „Chemie im Verwaltungsrat, die Kultur, die wir haben, der Wille der Mitglieder zusammenzuarbeiten“.

    Diese gute Zusammenarbeit steht nun offensichtlich auf dem Spiel. Je nachdem, wie die Hauptversammlung am Mittwoch ausgeht, muss sich Exxon auf unangenehmere Diskussionen in dem Gremium einstellen.

    Mehr: „Meilenstein“ für den Energiesektor: IEA-Experten fordern Investitionsstopp für Öl- und Gasprojekte

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    1 Kommentar zu "Exxon Mobil: Investoren wollen grüne Wende der Ölkonzerne erzwingen"

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    • Das Wollen und Können liegen manchmal weit voneinander entfernt. Dennoch sollte die neueste Neutrino-Technologie dazu beitragen, dass wir weltweit die Energiewende voranbringen. Unendliche Ressourcen mit der innovativen Energienutzung durch die Neutrinovoltaic: Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlichte dazu kürzlich: "Das ewige Licht - Der Beginn eines neuen Zeitalters"  Er begründet eindringlich, die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos basiert auf neueste Forschungsergebnisse. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Mobile, dezentrale Haushaltsenergie und unendliche Reichweite für die Elektromobilität - genial! Auch die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften hatte bereits im Januar 2021 in einer  von Daimler Benz beauftragten Studie die Effizienz der Technologie und  die im Patent deklarierten Eigenschaften der "Neutrino-Voltaik" bestätigt. https://energiewirtschaft.io/zeit-fuer-den-perfekten-strom-energie-aus-der-umgebung-ernten/


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