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Energie

Flüssiges Erdgas Gazprom verdrängt US-LNG aus Europa

Die niedrigen Preise helfen Gazprom bei der Eroberung von Marktanteilen in Europa. Das Flüssigerdgas aus den USA kann da nicht mithalten.
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So verdrängt Gazprom US-LNG aus Europa Quelle: Reuters
Gazprom

Konzernchef Alexej Miller bejubelte 2018 als „finanzielles Rekordjahr“ und verspricht für das kommende sogar noch mehr Gewinn.

(Foto: Reuters)

Moskau Auf der Jahreshauptversammlung des russischen Energieriesen Gazprom gab es diese Woche jede Menge zufriedene Gesichter. Grund dafür ist die beispiellose Großzügigkeit der Konzernführung bei der Höhe der Dividende. Umgerechnet 0,24 Euro pro Aktie zahlt Gazprom seinen mehr als eine halbe Million Anlegern aus. Das sind immerhin 27 Prozent des Gewinns. Und künftig könnten es sogar noch mehr werden. Bis zu 50 Prozent Gewinnausschüttung hat die Konzernführung als Zielsetzung versprochen.

Konzernchef Alexej Miller bejubelte 2018 als „finanzielles Rekordjahr“ und verspricht für das kommende sogar noch mehr Gewinn. Damit das gelingt, hoffen die Aktionäre, dass Gazprom sich nicht noch weitere kostspielige Pipelineprojekte ans Bein bindet und die bereits realisierten – wie die „Kraft Sibiriens“ – oder die noch laufenden – wie Nordstream 2 – bald Resultate erbringen.

Obwohl das Halbjahresergebnis beim Export noch schwächer ausfällt als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, konnte der Energieriese zuletzt aufholen. Die Förderung liegt inzwischen sogar 2,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Und auch der Rückgang beim Export um derzeit noch 5,9 Prozent auf 95,3 Milliarden Kubikmeter ist weniger dramatisch als gedacht. Der Winter war warm, der Energieverbrauch in Europa daher gering. Doch nun pumpen die europäischen Energieversorger eifrig Gas in die leeren Speicher, das dürfte sich dann auch bei der nächsten Bilanz bemerkbar machen.

Die Tendenz freilich stimmt die Gazprom-Führung optimistisch: Daher hob Miller in der vergangenen Woche die Exportprognose für das laufende Jahr auf 198,6 bis 201 Milliarde Kubikmeter an. Das ist bereits die zweite Prognoseanhebung, und die neue Bandbreite liegt nun fast auf dem überaus erfolgreichen Vorjahresniveau.

Kurios ist dabei, dass ausgerechnet der niedrige Gaspreis zur Erfolgsformel werden könnte. An der niederländischen virtuellen Gasbörse TTF (Title Transfer Facility) wird der Rohstoff auf dem Zehnjahrestief gehandelt. Futures auf 1 000 Kubikmeter Gas kosten dort aktuell weniger als 110 Euro. Marktanalysten erwarten im Juli sogar noch eine weitere Abschwächung. Umgerechnet auf die Stromproduktion soll dann der Preis pro Megawattstunde von 10,51 Euro auf 9,50 Euro fallen, ergab eine Umfrage des norwegischen Energiemarkt-Portals Montel.

Zu dem Preisverfall haben massive LNG-Lieferungen aus den USA maßgeblich beigetragen. Der Feldzug von US-Präsident Donald Trump gegen Nordstream 2 zeigt Wirkung. Der Widerstand gegen die Erweiterung der Ostseepipeline sei eng mit wirtschaftlichen Interessen verbunden, betonte OMV-Chef Rainer Seele – gleichzeitig Präsident der deutschen Auslandshandelskammer in Moskau – bei der Vorstellung des Geschäftsklimaindexes in der vergangenen Woche. Die LNG-Branche in den USA hat in den vergangenen Jahren die Produktion stark erweitert und sucht neue Absatzmärkte. Europa rückt daher mehr und mehr in den Fokus.

Pipelinegas gegen LNG

Gerade im Frühjahr dockten jede Menge LNG-Tanker an den europäischen Terminals an. Im März waren es 77, im April sogar 79. Der europäische Markt wurde regelrecht überflutet. Doch inzwischen geraten die LNG-Produzenten durch die niedrigen Preise selbst unter Druck. Die Produktions- und Transportkosten für Flüssigerdgas liegen bereits über den Verkaufserlösen.

In dieser Situation könnten sich die LNG-Produzenten eigentlich auf den asiatischen Markt umorientieren. Allerdings ist auch dort die Marge aufgrund des Überangebots äußerst gering. Viele Anbieter drohen daher rote Zahlen zu schreiben – und sollte die Durststrecke länger anhalten, am Ende gar aus dem Wettbewerb auszuscheiden.

Für Gazprom hingegen ist der Preisverfall ein weit geringeres Problem. Die Pipelines sind ohnehin gebaut. Die Wege aus Russland sind nicht nur kürzer als über den Atlantik, sondern durch das direkt einsetzbare Pipelinegas auch günstiger als der Transport mit dem Schiff. Zudem entfällt die umständliche Prozedur der Verflüssigung und Gasifizierung. Die Russen sehen hier einen klaren Wettbewerbsvorteil für sich.

Zwar dürfte der Preiskampf die Gewinne im laufenden Jahr etwas schmälern, doch zugleich gewinnt Gazprom in Europa weitere Marktanteile hinzu. Bereits 2018 konnte der russische Gasexportmonopolist ein Rekordhoch erzielen. Mit einer Steigerung von 34,7 Prozent auf 36,7 Prozent festigte das Unternehmen trotz der jahrelangen Querelen mit der Ukraine um Lieferungen und Transitgebühren seine Stellung als wichtigster Gaslieferant Europas.

Die Tendenz könnte 2019 weiter nach oben gehen. Und spätestens mit dem Herbst- und Wintereinbruch werden auch die Gaspreise wieder steigen.

Mehr: Deutschland will seine Beziehung zu Russland verbessern. Manche sprechen auch schon über die Aufhebung der Krim-Sanktionen. Das liegt auch an Nord Stream 2.

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