Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Energie

Fusion in der Energiebranche EU-Wettbewerbskommissarin Vestager prüft Eon-Innogy-Deal nochmal genauer

Die EU-Kommissarin leitet für den Deal zwischen Eon und Innogy eine vertiefte Prüfung ein. Die neue Markmacht in Deutschland dürfe nicht zu höheren Preisen führen.
Update: 07.03.2019 - 17:12 Uhr Kommentieren
Die EU-Wettbewerbskommissarin leitet eine zweite vertiefte Phase der wettbewerbsrechtlichen Prüfungen ein. Quelle: dpa
Margrethe Vestager

Die EU-Wettbewerbskommissarin leitet eine zweite vertiefte Phase der wettbewerbsrechtlichen Prüfungen ein.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager schaut sie sich den Mega-Deal in der deutschen Energiewirtschaft genauer an. Vestagers Behörde teilte am Donnerstag mit, bei der Übernahme des Versorgers Innogy durch Konkurrent Eon nach einer ersten Prüfung in die zweite, vertiefte Phase der wettbewerbsrechtlichen Prüfung einzusteigen.

„Privat- und Geschäftskunden in Europa müssen Strom und Gas zu wettbewerbsfähigen Preisen beziehen können“, sagte Vestager. Die Untersuchung solle gewährleisten, dass die Übernahme keine Preiserhöhungen nach sich ziehe.

Die Kommission äußerte Bedenken, dass das Vorhaben „in mehreren Mitgliedstaaten den Wettbewerb im Strom- und Gaseinzelhandel“ beeinträchtigen könnte. Das Netzgeschäft, in dem Eon durch den Deal ebenfalls die Marktmacht deutlich ausbaut, erwähnte die Kommission nicht. In Branchenkreisen wird das nach Informationen des Handelsblatts schon als erster Teilerfolg für Eon gewertet.

Eon sieht die Prüfung daher gelassen. „Bei Transaktionen dieser Größe und Komplexität ist die Eröffnung einer zweiten Prüfungsphase völlig üblich“, heißt es in einer Stellungnahme des Versorgers. „Unser Vorhaben umfasst zahlreiche Produktmärkte in verschiedenen Ländern. Wir sind von vorneherein davon ausgegangen, dass die EU-Kommission für die kartellrechtliche Prüfung über die erste Phase hinaus mehr Zeit benötigt.“

Eon-Chef Johannes Teyssen wird nun bis zum Sommer warten müssen, ob sein Coup von den Kartellbehörden genehmigt wird – und wenn ja, unter welchen Auflagen. In Branchenkreisen wird fest damit gerechnet, dass Eon zumindest in speziellen Auslandsmärkten Aktivitäten abgegeben muss, weil die Marktstellung des gemeinsamen Unternehmens zu dominant wäre. Mit Spannung wird aber erwartet, wie die EU-Kommission die Marktmacht der neuen Eon auf dem deutschen Heimatmarkt betrachtet.

Teyssen hatte vor einem Jahr gemeinsam mit RWE-Chef Rolf Martin Schmitz die Öffentlichkeit mit einem Plan überrascht, der die Energiewirtschaft gerade in Deutschland neu ordnen wird. Dabei wollen die beiden alten Rivalen Eon und RWE die bisherige RWE-Tochter Innogy unter sich aufteilen. Eon will das Kerngeschäft von Innogy: Netze und Vertrieb. RWE soll die erneuerbaren Energien von Innogy bekommen, aber auch die von Eon. Zudem will RWE 1,5 Milliarden Euro und eine Beteiligung an Eon von 16,7 Prozent.

RWE hat bereits alle Genehmigungen vorliegen. Deutschlands größter Stromproduzent will nach der Transaktion wieder die komplette Palette der Stromerzeugung abdecken: also neben Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken auch wieder Windräder und Solaranlagen betreiben. Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass sie dagegen keine Bedenken hat. Die Prüfung des Einstiegs bei Eon fiel in die Zuständigkeit des Bundeskartellamts. Die Behörde erhob aber ebenfalls keine „kartellrechtlichen Einwände“.

Eon-Chef Johannes Teyssen dagegen hatte selbst damit gerechnet, dass sein Teil des Deals strenger von der EU-Kommission begutachtet wird. „Bei unserem Verfahren rechnen wir nicht damit, dass es vor dem Sommer durch sein kann“, hatte Teyssen erst in der vergangenen Woche festgehalten. „Das geht so sicher wie das Amen in der Kirche in Phase zwei.“

Nach der ersten Prüfung (Phase eins) entschied die Kommission jetzt auch wie erwartet in eine intensive Kontrolle (Phase zwei) einzusteigen. Schließlich ist Eons Teil der Transaktion komplexer. Der Konzern würde zu einem der größten Versorger Europas aufsteigen, der 50 Millionen Kunden versorgt und mehr als 1,5 Millionen Kilometer an Strom- und Gasnetzen betreibt.

Das Vorprüfverfahren habe gezeigt, dass die Beteiligten „auf mehreren Einzelhandelsmärkten in Deutschland, Tschechien, der Slowakischen Republik und in Ungarn auf nationaler oder regionaler Ebene zusammen eine starke Stellung innehaben“, erklärte die EU-Kommission. Durch die geplante Übernahme würde „in einer Reihe von Mitgliedstaaten ein wichtiger Wettbewerber auf dem Energieeinzelhandelsmarkt wegfallen“.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat die Kommission der Erklärung zufolge „Bedenken, dass der verbleibende Wettbewerbsdruck nicht ausreichen würde, um die Marktmacht des neu entstehenden Unternehmens zu beschränken und Preiserhöhungen für die Verbraucher zu vermeiden“. Nun muss die Kommission innerhalb von 90 Arbeitstagen, das heißt bis zum 23. Juli 2019, einen Beschluss fassen, ob sie den Zusammenschluss frei gibt und ob sie eventuell Auflagen verhängt.

Tatsächlich wird die neue Eon beispielsweise in der Slowakei auf einen Marktanteil von knapp 70 Prozent kommen. Es ist zu erwarten, dass Eon zumindest hier Aktivitäten abgeben muss. Das wäre für Eon zu verschmerzen.

Mit Spannung wird aber erwartet, wie die EU-Kommission die Marktmacht der neuen Eon in Deutschland betrachtet. Der Konzern würde 12,5 Millionen Strom- und 2,1 Millionen Gaskunden versorgen und in großen Teilen des Landes das Verteilnetz betreiben.

Teyssen betont zwar, dass in Deutschland der Wettbewerb nicht gefährdet sei. Das Netzgeschäft sei reguliert - und im Vertrieb kämen Eon und Innogy nur auf einen Marktanteil von 20 Prozent. Zahlreiche Konkurrenten sehen das aber anders und haben sich auch gegen die Fusion positioniert. Darunter sind viele Stadtwerke, aber auch überregionale Anbieter wie Lichtblick oder Lekker Energie.

Die Konkurrenten argumentieren, dass Eon in den betreffenden Regionen, in denen der Konzern aktiv ist, sehr wohl eine marktbeherrschende Rolle habe. Die EU-Kommission hatte einen umfangreichen Fragebogen mit 119 Seiten und 228 Fragen an die Marktteilnehmer geschickt, um deren Bedenken abzuklären.

Handelsblatt Energie Briefing
Startseite

Mehr zu: Fusion in der Energiebranche - EU-Wettbewerbskommissarin Vestager prüft Eon-Innogy-Deal nochmal genauer

0 Kommentare zu "Fusion in der Energiebranche: EU-Wettbewerbskommissarin Vestager prüft Eon-Innogy-Deal nochmal genauer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.