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Energie

Gashändler Optionen für Uniper-Rettung: Auch höhere Staatsbeteiligung ist möglich

Der Bund bereitet ein Rettungspaket für den größten deutschen Gashändler vor. Dabei könnte sich die Regierung mit deutlich mehr als 30 Prozent beteiligen.
07.07.2022 - 16:40 Uhr Kommentieren
Uniper, Gasspeicher Quelle: Reuters
Uniper-Arbeiter in einem Gasspeicher

Das Unternehmen erhält derzeit kaum mehr russisches Gas und muss gleichzeitig Lieferverpflichtungen etwa an Stadtwerke nachkommen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt In den Diskussionen um eine mögliche Rettungsaktion für den angeschlagenen Gashändler Uniper spielt die Bundesregierung Finanzkreisen zufolge auch eine Beteiligung von deutlich mehr als 30 Prozent durch. Hintergrund sei die Bedeutung der Investmentgrade-Bonität für das Geschäft des Energiekonzerns, sagten am Donnerstag mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die Bundesregierung bereitet derzeit eine Gesetzesnovelle zur Rettung von Energiekonzernen vor, die am Freitag im Parlament verabschiedet werden soll. Darin wird es auch um die Frage gehen, inwieweit Energiehändler wie Uniper die höheren Einkaufspreise beim Gas künftig ohne Rücksicht auf bestehende Verträge an die Verbraucher weitergeben dürfen. Auch davon hängt der konkrete Hilfsbedarf von Uniper ab.

Das Unternehmen selbst, sein Mehrheitseigentümer Fortum und die Bundesregierung wollten sich zu Details der Gespräche nicht äußern.

Uniper ist infolge des Ukrainekriegs in finanzielle Schwierigkeiten geraten und bat um Staatshilfe. Das Unternehmen erhält derzeit kaum mehr russisches Gas und muss gleichzeitig Lieferverpflichtungen etwa an Stadtwerke nachkommen. Uniper muss daher auf dem Markt Gas kaufen – zu deutlichen höheren Preisen, als es von seinen Kunden dafür bekommt.

Neben den hohen Einkaufspreisen für Erdgas muss Uniper gleichzeitig für den Verkauf hohe Sicherheitsleistungen hinterlegen, sogenannte Margining-Zahlungen. Das Unternehmen zahlt also vor dem vereinbarten Liefertermin eine Art Kaution, die sicherstellen soll, dass Uniper auch liefert. Die Zahlung entspricht der Differenz zwischen dem vertraglich vereinbarten Preis und den aktuellen Spotmarktpreisen.

Sind die Spotmarktpreise wie aktuell sehr hoch, steigen auch die Sicherheitszahlungen. Uniper bekommt diese zwar nach einer Weile zurück. Doch um sie vorzuhalten, benötigt der Konzern sehr viel Liquidität. Und um diese von Banken zu bekommen, braucht Uniper eine gute Bonitätsnote. Bei einem schlechteren Rating wiederum steigen auch die nötigen Sicherheitsleistungen.

Bei stiller Beteiligung könnten bis zu fünf Milliarden Euro fließen

Um von den Agenturen gut bewertet zu werden, brauchen die Unternehmen starke Eigenkapitalpositionen in der Bilanz. Mit zusätzlichen staatlichen Kreditlinien ist Uniper daher nur wenig geholfen. Eine Stützung des Konzerns durch eine vom Bund gezeichnete Kapitalerhöhung von neuen Aktien von bis zu 25 Prozent der Anteile ist im Gespräch, darüber hinaus eine stille Beteiligung des Bundes. Das ist ein Eigenkapitalinstrument ohne Stimmrecht – drei bis fünf Milliarden Euro davon könnten laut Finanzkreisen fließen.

Ob das ausreicht, damit Uniper sein Investmentgrade-Rating halten kann, ist allerdings unklar. Der Einstieg des Bundes mit deutlich mehr als 30 Prozent der Anteile sei daher auch eine Option, erklärten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Wenn Unternehmen zu einem höheren Anteil in staatlichem Besitz sind, profitieren sie von der impliziten Staatsgarantie. Ratingagenturen verlassen sich also darauf, dass die Regierung das Unternehmen im Notfall stützt und Fremdkapitalgeber an ihr Geld kommen. So sind etwa beim Gasunternehmen VNG, das zu überwiegendem Teil in öffentlicher Hand ist, keine Eigenkapitalspritzen vorgesehen.

>> Lesen Sie auch: Plötzlich zu viel Gas: Was Russland mit dem nicht exportierten Erdgas macht

Da es sich um eine staatliche Rettungsaktion handelt, könnte sich der Bund dabei von der Pflicht befreien lassen, allen Aktionären ein Übernahmeangebot zu machen. Normalerweise ist dieser Schritt fällig, sobald ein Eigentümer mehr als 30 Prozent an einem börsennotierten Unternehmen übernimmt. Eine Verstaatlichung Unipers – auch durch eine große Kapitalerhöhung, die die Anteile der restlichen Aktionäre bis auf Restpositionen verwässert – wäre zwar theoretisch möglich.

Verkauf von Randbereichen ist weitere Option

Allerdings würde das auf eine faktische Enteignung des Mehrheitseigentümers Fortum hinauslaufen, der 78 Prozent an dem Unternehmen hält. Der Versorger ist mehrheitlich in Besitz des finnischen Staates, weshalb solch ein Schritt politische Verwicklungen nach sich ziehen würde. „Finnland ist ein befreundeter Staat, da wird man seitens Deutschlands wohl keinen unfreundlichen Akt vollziehen“, sagte ein Insider. Eine weitere Option zur Stabilisierung Unipers sei auch der Verkauf von Randbereichen des Versorgers, hieß es.

Das Uniper-Rettungspaket solle im Detail verhandelt werden, sobald die Neufassung des Energiesicherungsgesetzes (EnSiG) steht. Auch wenn damit die Möglichkeit geschaffen wird, die gestiegenen Gas-Einkaufskosten weiterzugeben, werde es immer einen Selbstbehalt für die Energieunternehmen geben, hatte eine mit der Angelegenheit vertraute Person gesagt. „Das werden substanzielle Beträge sein. Das führt zum Ausbluten, wenn es nicht gleichzeitig zu einer Stabilisierung der Unternehmen kommt.“

Die Ratingagenturen verpassen Unternehmen in der Regel drei Monate vor einer Herabstufung einen Warnschuss. Diesen hat Standard & Poor’s am Dienstag abgegeben und Uniper auf „Credit Watch Negative“ gesetzt. Es gäbe also noch etwas Zeit. „Es ist nicht so, dass wir schon in wenigen Tagen eine Lösung haben müssen“, sagte ein Insider.

Mehr: Deutsche Industrie bereitet sich auf Herunterfahren der Produktion vor

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