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Energie

Gaskonzern Novatek plant Windpark in der sibirischen Arktis

Novatek will einen Windpark auf der Arktis-Halbinsel Jamal bauen lassen. Perspektivisch soll mit dem Strom grüner Wasserstoff produziert werden.
29.06.2021 - 16:31 Uhr Kommentieren
Als Favorit für den Bau des Windparks gilt das dänische Unternehmen Vestas. Quelle: Reuters
Novatek

Als Favorit für den Bau des Windparks gilt das dänische Unternehmen Vestas.

(Foto: Reuters)

Moskau Der russische Energieriese Novatek plant einen Windpark auf der Arktis-Halbinsel Jamal: Medienberichten zufolge will das Unternehmen das Projekt in der Nähe von Anlagen für Flüssigerdgas (LNG) am Hafen Sabetta umsetzen. Der Windpark soll eine Kapazität von 200 Megawatt generieren. Novatek ist das größte private Energieunternehmen, das Erdgas und Erdöl in Russland fördert und verkauft.

Unter der Halbinsel lagern gigantische Gasvorkommen. Novatek erschließt sie zusammen mit der französischen Total und der chinesischen CNPC, um sie verflüssigt auf LNG-Tankern abzutransportieren. Dabei hilft ausgerechnet der menschengemachte Klimawandel. In früheren Jahrzehnten war die Nordostpassage entlang der russischen Nordmeerküste größtenteils vereist. Mittlerweile ist sie monatelang passierbar für die Schiffe.

Ein Gaskraftwerk von Siemens versorgt die LNG-Fabrik und die Arbeitersiedlung in Sabetta mit Strom und Wärme. Vor neun Jahren wurde hier mit dem Bau der Hafensiedlung begonnen. Eigentlich ist das Klima auf der Jamal-Halbinsel im äußersten Norden Sibiriens kaum geeignet, um dort zu leben. Bis in den Mai hinein herrscht oft Frost.

Das Gaskraftwerk hat eine potenzielle Leistung von 376 Megawatt. Die Hälfte davon ist allerdings als Reserve gedacht, da Sabetta keinen Anschluss an das gesamtrussische Energienetz hat. Zur Einordnung: Die nächstgelegene Stadt Salechard liegt über 500 Kilometer Luftlinie entfernt.

Prinzipiell ist Jamal für Windkraftanlagen ein gut geeigneter Ort. In der flachen, unbewachsenen Ebene weht der Wind durchschnittlich mit einer Geschwindigkeit von neun Metern pro Sekunde. Die Ausschreibung für das Projekt könnte Ende 2021, Anfang 2022 beginnen, heißt es.

Vestas ist der Favorit für den Novatek-Windpark

Als Favorit gilt dabei das dänische Unternehmen Vestas, der weltweit größte Hersteller von Windkraftanlagen, der auch in Deutschland produziert und große Erfahrung beim Betrieb von On- und Offshore-Anlagen besitzt. In Russland hat Vestas ebenfalls schon erste Projekte realisiert.

Geringer sind die Chancen von Siemens, obwohl der Konzern ebenfalls als Anwärter für den Auftrag gilt. Der Nachteil für Siemens ist, dass das Unternehmen bislang wenige Aufträge im Rahmen des von 2014 bis 2024 geltenden Programms zur Förderung alternativer Energien in Russland gewonnen hat.

Wladimir Skljar, Analyst von VTB Capital, taxiert gegenüber der Tageszeitung „Kommersant“ die potenziellen Kosten auf umgerechnet 140 bis 160 Millionen Euro. Die vergleichsweise hohen Kosten hängen mit den klimatischen Bedingungen und der Abgeschiedenheit der Region zusammen.

Ein hochrangiger Analyst für Energie und Versorgung, der anonym bleiben will, schätzt das Projekt trotzdem als „prinzipiell nützlich und wirtschaftlich“ ein. „Es ist durchaus sinnvoll, statt des Gases, das Novatek teuer ins Ausland verkaufen kann, den vorhandenen Wind zu nutzen“, sagte er dem Handelsblatt.

In früheren Jahrzehnten war die Nordostpassage entlang der russischen Nordmeerküste größtenteils vereist. Quelle: dpa
Hafen Sabetta

In früheren Jahrzehnten war die Nordostpassage entlang der russischen Nordmeerküste größtenteils vereist.

(Foto: dpa)

Ohnehin werden alternative Energien im öffentlichen Bewusstsein Russlands bedeutender. „In den letzten eineinhalb Jahren hat in der russischen Machtelite ein drastisches Umdenken bezüglich Klimawandel und und Green Deal Politik der EU stattgefunden“, konstatierte erst vor wenigen Tagen Matthias Schepp bei der Präsentation des Geschäftsklimaindexes in Russland. Er ist Vorstandsvorsitzender der Deutsch-​Russischen Auslandshandelskammer.

Novatek will CO2-Emissionen reduzieren

Präsident Wladimir Putin hat auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg Anfang Juni das russische Business dazu aufgerufen, in klimafreundliche Projekte zu investieren. Der Kremlchef schätzte die potenziellen Einnahmen der entstehenden Klimabranche auf über 50 Milliarden Dollar pro Jahr und forderte die Unternehmen auf, die CO2-Ausstöße bis 2050 auf ein Niveau zu senken, „das unter dem Europas liegt“.

Auch Novatek ist im Rahmen dieser Aufrufe bestrebt, seine CO2-Emissionen zu reduzieren. Bis 2030 soll der Ausstoß der Treibhausgase bei der Förderung von Kohlenstoffen um sechs Prozent sinken, bei der Produktion von LNG um fünf Prozent. Der Bau des Windkraftparks in Sabetta soll dabei helfen.

Perspektivisch ist angedacht, den produzierten Strom mittels einer Elektrodialyse in Wasserstoff umzuwandeln. Mit einer Leistung von 200 Megawatt könnte Novatek in Jamal etwa 11.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr erzeugen. Allerdings müssten zunächst neue Technologien die Produktionskosten senken, damit sich der Export für Novatek rechnet.

Prinzipiell hat der Konzern bereits in der Vergangenheit neben Gazprom und Rosatom sein Interesse bekundet, Wasserstoff an die EU zu liefern. Grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien ist dabei in Europa wesentlich gefragter als der zumeist von Russland angebotene türkise Wasserstoff, der aus Methan gewonnen wird. Methan ist noch klimaschädlicher als CO2 und richtet bei einem Zeitraum von über 100 Jahren und der gleichen Menge 28-mal so viel Schaden an.

Mehr: Russland entdeckt den Wasserstoff aus Erdgas für sich

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