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Energie

Gaspipeline Krim-Krise löst erneut Diskussion um Nord Stream 2 aus

Ende 2019 soll Gas durch die neue Ostsee-Pipeline strömen. Aber die Vorfälle zwischen Kiew und Moskau führen erneut dazu, dass das Milliardenprojekt infrage gestellt wird.
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An Bord des Verlegeschiffes „Audacia“ des Offshore-Dienstleisters Allseas werden im Fließbandverfahren Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2 verschweißt und auf dem Grund der Ostsee verlegt. Quelle: dpa
Gas-Pipeline Nord Stream 2

An Bord des Verlegeschiffes „Audacia“ des Offshore-Dienstleisters Allseas werden im Fließbandverfahren Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2 verschweißt und auf dem Grund der Ostsee verlegt.

(Foto: dpa)

Nowy UrengoiVor wenigen Tagen ist der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine erneut eskaliert. Deshalb erwägt die Europäische Union (EU) neue Sanktionen gegen Moskau. Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) sieht durch die Krim-Krise bereits die Sicherheit Europas in Gefahr.

„Es ist keine gute Entwicklung“, sagt auch Thilo Wieland, Russlandvorstand des deutschen Öl- und Gasunternehmens Wintershall im Gespräch mit dem Handelsblatt. Man schaue mit Sorge auf die Situation zwischen Kiew und Moskau.

Der Manager weiß, dass das erneute Aufflammen des Konflikts auch die schwelende Frage nach der russischen Übermacht auf dem deutschen Gasmarkt wieder in den Mittelpunkt rückt. Schon heute ist Deutschland größter Abnehmer russischen Gases. Allein im vergangenen Jahr stieg die importierte Menge mit rund 53,4 Milliarden Kubikmeter um mehr als sieben Prozent – und unterm Strich so viel wie noch nie.

Eigentlich hatte sich die EU zum Ziel gesetzt, die Rohstoffabhängigkeit von Russland zu verringern. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Das weltweit größte Erdgasförderunternehmen Gazprom, an dem der russische Staat die Hälfte der Anteile hält, lieferte im vergangenen Jahr 40 Prozent seines Gases nach Europa.

Und das soll nach der Strategie des größten Energiekonzerns der Welt noch mehr werden, wenn die Ostseepipeline Nord Stream 2 fertig gebaut ist. Die gut 1200 Kilometer lange Pipeline soll russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland leiten, laut Wieland sind insgesamt bereits 250 Kilometer Rohre verlegt.

Kritiker warnen vor einer gefährlichen Abhängigkeit vom Gaslieferanten unter Kreml-Kontrolle. Nord Stream 2 sei ein rein politisches Projekt. Es gebe keine ökonomische Begründung für das milliardenschwere Unternehmen, an dem neben Gazprom, der österreichischen OMV, dem britischen Ölkonzern Shell und der französischen Engie auch die deutschen Konzerne Uniper und Wintershall beteiligt sind.

Erst am vergangenen Freitag sicherte US-Außenminister Mike Pompeo der Ukraine zu, sich der Gaspipeline entgegenzustellen. „Wir werden weiter zusammen daran arbeiten, das Projekt Nord Stream 2 zu stoppen“, sagte Pompeo bei einem Treffen mit dem ukrainischen Außenminister Pawlo Klimkin in Washington.

Zudem forderte das US-Außenministerium die europäischen Staaten auf, mehr zu tun, um der Ukraine zu helfen. So müsse auch die Unterstützung für die Gaspipeline Nord Stream 2 überdacht werden, erklärte das Außenministerium am Dienstag in Washington.

„Wir brauchen aber diese zusätzlichen Mengen Gas“, betonte Wintershall-Russlandchef Wieland. Der Bedarf werde gerade mit Sicht auf die Energiewende weiter steigen. Eine Prognose, die viele Experten teilen. Gewerbe und Industrie nutzen Erdgas zur Strom- und Wärmeproduktion oder als Grundstoff für Düngemittel und Chemikalien.

Die Energiewirtschaft erzeugt damit Strom und Wärme. Haushalte verwenden es zum Heizen oder Kochen, als Kraftstoff treibt es Autos und Lastwagen an. Nach Schätzungen des Energieverbandes BDEW verbrauchten die Deutschen 2017 rund 985 Milliarden Kilowattstunden Erdgas, deutlich mehr als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre – Tendenz steigend.

Schon heute beherrscht Russland fast 40 Prozent des deutschen Gasmarktes, mit Fertigstellung der neuen Pipeline könnte der Marktanteil auf 60 Prozent steigen. „Nord Stream 2 bietet lediglich eine Alternative“, sagte Wieland. Natürlich habe Gazprom ein Monopol darauf sein Erdgas durch diese Pipeline zu befördern, das habe ihm nun einmal der russische Staat gegeben. Die EU-Kommission fordert allerdings, dass dieses Monopol für die Pipeline aufgehoben wird, sodass auch andere Unternehmen Gas über Nord Stream 2 befördern können.

Auch Polen, das Russland seit der Krim-Annexion als größte Bedrohung betrachtet, steht Nord Stream 2 ebenso wie die baltischen Staaten kritisch gegenüber. Das Land deckt zwei Drittel seiner Nachfrage noch immer durch russisches Gas ab und verdient wie die Ukraine an der Weiterleitung des Brennstoffes Richtung Westeuropa, also auch nach Deutschland. Nord Stream 2 würde Polen und die Ukraine umgehen.

„Natürlich ist das Hauptziel Russlands mit Nord Stream 2 eben nicht mehr abhängig von Transitländern wie der Ukraine und Polen zu sein“, erklärte Ingo Neubert, Vorstand des Joint Ventures Achimgaz, zwischen Wintershall und Gazprom in Sibirien. Er sehe auch die Sorgen und Diskussionen um das Projekt in Deutschland. „In meinen Augen gibt es aber keine besorgniserregende Abhängigkeit von Russland“, sagte Neubert. Schließlich gebe es durch Pipeline-Netze, Riesenspeicher und LNG-Terminals heute mehr Auswahl auf dem Gasmarkt als je zuvor.

Trotzdem setzt Russland Rekordmengen in Europa ab. Das liegt auch an den vergleichsweise niedrigen Preisen zu Flüssigerdgas (LNG). Tatsächlich kauften 2017 gerade die Länder am meisten bei Gazprom ein, die am lautesten gegen die geplante Schwarzmeerpipeline demonstrieren.

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7 Kommentare zu "Gaspipeline: Krim-Krise löst erneut Diskussion um Nord Stream 2 aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Aktie von Gazprom stieg heute um 7 %!

  • Was muß noch alles passieren, bis dass der deutsche "Michel" endlich demonstriert.
    Siehe Frankreich, oder the stupid german ??

  • .... hab ich leider vergessen: Danke an USA, denn Ihr wollt uns ja auch mit Gas beliefern und unsere Versorgungssicherheit erhöhen!

  • Europa muss allen Pipeline Projekten positiv gegenüber stehen. Denn jede zusätzliche Pipeline bedeutet zusätzliche Versorgungssicherheit.
    Insofern befürworte ich klar die Nord Stream 2 Pipeline aber auch ebenso klar die Pipeline aus Israel.
    Danke an Russland, danke an Israel. Euer Gas wird uns helfen die Energiewende voranzubringen.

  • Laut diesem Artikel steigt der Marktanteil russischen Gases in Deutschland durch Nord Stream2 von 40 auf 60 Prozent. Das soll dann aber keine 'besorgniserregende Abhängigkeit' sein? Das hört sich für mich nach reinem Zweckoptimismus an, der im Krisenfall wie ein Kartenhaus zusammenfallen dürfte. Auch wenn ich der Meinung bin, dass es Herrn Trump gerade gar nichts angeht, wie und woher Deutschland seine Energie bezieht, erscheint mir diese Planung kurzsichtig und naiv. Aber wenigstens passt das dann so zur Umsetzung der Energiewende.

  • Aber die Vorfälle zwischen Kiew und Moskau führen erneut dazu, dass das Milliardenprojekt Nord Stream 2 infrage gestellt wird. Die USA und Trump lassen nichts unversucht.
    Nord Stream 2 wird torpediert. Von wem. Dem geistig minderbemittelten US-Präsidenten, der das Projekt seit Amtsantritt torpediert um umweltschädliches US-Schiefergas an Deutschland zu liefern! Ja das war sicher ein Punkt in den Überlegungen der US-Administration, aber weitere Punkte sind das Ablenken von Innenpolitischen Problemen. Nicht von ungefähr war vor 2 Wo. US-Außenminister Pompeo in der Ukraine. Die Ukraine hat mit der USA die Strategie entwickelt, Russland zu provozieren, und die NATO in den Konflikt mit Russland hineinzuziehen. Alleine geht die Ukraine diese Wagnis nicht ein, da sie militärisch hoffnungslos unterlegen ist. Mit dem großen Bruder USA an der Seite hält sich die Ukraine für eine Großmacht. Ein mehr als gefährliches Spiel mit dem Feuer.

  • Die gezielte Provokation der ukrainischen Machthaber hat die Verhinderung von Nordstream
    2 zum Ziel. Ich glaube aber nicht, dass unsere Politiker so dumm sind, darauf hereinzufallen.
    Ich sehe im uebrigen nicht, wie es politisch ueberhaupt moeglich waere, das genehmigte
    Projekt zu stoppen - es sei denn, die Regierung waere bereit zig-Milliarden Entschaedigungen zu zahlen wie beim Atomausstieg. Ausserdem muesste die Regierung
    dann auch sagen, wo das benoetigte Gas herkommen sollte. Trump kann diese Mengen
    nicht liefern, abgesehen vom sehr viel hoeheren Preis.

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