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Energie

Geteilte Investition Solaranlage für 200 Nachbarn: Spanien setzt Pilotprojekt der Energiewende um

Der Energiekonzern EDP nutzt ein neues Gesetz, um Nachbarn an dieselbe Solarstromanlage anzuschließen. Das Projekt könnte Vorbild für Deutschland sein.
03.08.2020 - 16:40 Uhr Kommentieren
In Zaragoza bekommt ein ganzes Stadtviertel eine gemeinsame Solaranlage. Quelle: Reuters
Installation einer Solaranlage

In Zaragoza bekommt ein ganzes Stadtviertel eine gemeinsame Solaranlage.

(Foto: Reuters)

Madrid Gabriel Nebreda gerät ins Schwärmen, wenn er von dem Projekt erzählt, das er gerade im spanischen Zaragoza aufsetzt. Der Spanienchef des portugiesischen Energiekonzerns EDP Solar hat mit der Stadtverwaltung vereinbart, auf einem öffentlichen Gebäude eine der ersten Solaranlagen des Landes zu bauen, die sich Nachbarn und kleine Geschäfte teilen. „Wir glauben, dass die Zukunft in Energiegemeinschaften liegt“, sagt er.

Die Idee dahinter ist einfach: Auch wer kein eigenes Haus hat, auf dem er günstigen Solarstrom produzieren kann, sollte in den Genuss dieser sauberen Energieform kommen. Spanien setzt als eines der ersten Länder eine EU-Energie-Richtlinie aus dem Jahr 2018 um. Diese schreibt vor, dass Bewohner desselben Gebäudes sich eine gemeinsame Solarstromanlage auf dem Dach teilen können. Spanien, Frankreich und die Niederlande gehen noch einen Schritt weiter und ermöglichen auch die Nutzung anderer Dächer.

Experten sehen in der EU-Regulierung enormes Potenzial. Eine Studie der EU-Kommission kommt zu dem Schluss, dass Solaranlagen auf Hausdächern in Europa ein Viertel des gesamten Energiebedarfs abdecken können.

Solarstrom-Europameister Deutschland hat zwar schon 2017 ein Modell für eine gemeinschaftliche Solarstromnutzung verabschiedet. Doch das hat so hohe Hürden, dass bisher kaum jemand davon Gebrauch macht. Der spanische Ansatz könnte deshalb als Vorbild dienen.

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    Obwohl Spanien eines der sonnenreichsten Länder Europas ist, hinkt das Land in Sachen Solarstrom hinterher: 2015 belegte die damalige spanische Regierung die Photovoltaik für den Eigengebrauch mit einer „Sonnensteuer“ und verhinderte damit den Bau von privat genutzten Solaranlagen. Jetzt hat das Land Nachholbedarf und gibt auch mit Blick auf die Energiewende Gas.

    Viele Spanier leben in Mehrfamilienhäusern

    Bevor Spanien im vergangenen Jahr die neue EU-Regulierung als eines der ersten Länder in ein nationales Gesetz goss, musste dem Nutzer des Solarstroms das Dach gehören, auf dem die Panels installiert waren. Jetzt können sich sowohl Nachbarn als auch Unternehmen Solaranlagen teilen, die auf einem gemeinsamen oder auch einem fremden Dach installiert werden. In Spanien kommen für das Modell mehr Haushalte infrage als irgendwo sonst in Europa: 65 Prozent der Spanier wohnen in Mehrfamilienhäusern. Innerhalb der EU ist diese Quote nur in Lettland noch höher.

    EDP baut in Zaragoza das nach eigenen Angaben erste „barrio solar“ (Solarstadtviertel) Spaniens. Dabei installiert der Konzern eine Anlage mit einer Kapazität von 100 Kilowatt, um 200 Nachbarn mit Solarstrom zu versorgen.

    30 Prozent ihres Strombedarfs erhalten sie über billigen Solarstrom und den Rest weiter über regulären Strom aus dem nationalen Elektrizitätsnetz. Die Anlage installiert und finanziert EDP und berechnet den Nutzern dafür eine monatliche Miete. „Die Familien sparen dadurch rund zehn Prozent ihrer Stromkosten“, sagt Nebreda.

    EDP baut hier das nach eigenen Angaben erste „barrio solar“ (Solarstadtviertel) Spaniens. Quelle: mauritius images / Anton Petrus / Alamy
    Zaragoza

    EDP baut hier das nach eigenen Angaben erste „barrio solar“ (Solarstadtviertel) Spaniens.

    (Foto: mauritius images / Anton Petrus / Alamy)

    Möglich wird das Modell auch durch digitale Stromzähler, im Fachjargon Smart Meter genannt. In Spanien sind die – im Gegensatz zu Deutschland – bereits in fast jeder Wohnung vorhanden. Sie sind etwa für die Abrechnung wichtig, wenn die privaten Solaranlagen überschüssige Energie dem Netz zur Verfügung stellen und dafür entsprechend entlohnt werden. Für Hausbesitzer ist das mit erheblichem Aufwand verbunden – in dem spanischen Pilotprojekt kümmert sich darum EDP, ebenso wie um die Installation der Anlage.

    Experten begrüßen die Initiative. „Wenn mehrere Haushalte sich die Installationskosten teilen, amortisiert sich die Anlage schon nach wenigen Jahren“, sagt Diego Rodríguez, Energie-Experte an der Madrider Complutense Universität. „Ich gehe davon aus, dass wir viele solcher Modelle sehen werden.“

    Carsharing als Vorbild für die Solarbranche

    EDP-Manager Nebreda will aber nicht nur billigen Strom verkaufen, sondern ein Gemeinschaftsgefühl schaffen – und das eigene Image polieren. Deshalb sucht sich der Konzern solche Stadtviertel aus, wo von Armut bedrohte Familien leben. Zehn Prozent aller Kunden in einem „barrio solar“ erlässt er die monatliche Solargebühr.

    Durch den Strom-Mix erhalten sie damit 30 Prozent ihrer Elektrizität gratis. Der Konzern kooperiert dafür mit der Umweltstiftung Ecodes und der eigenen EDP-Stiftung. Die bieten den bedürftigen Haushalten auch Information zum Umweltschutz an oder reparieren auch einmal undichte Fenster, durch die im Winter warme Heizungsluft entweicht.

    „Wir wollen mit dem Projekt nicht unsere Rendite maximieren, sondern für einen Paradigmenwechsel sorgen“, erklärt Nebreda. „In den vergangenen Jahren sind in vielen Branchen kollaborative Modelle nach dem Vorbild des Carsharings entstanden. Wir wollen das jetzt in der Energiebranche einführen.“

    Die Unterstützung für die Bedürftigen dürfte indes nicht nur rein altruistische Motive haben: In Spanien schreibt der Gesetzgeber einen Sozialbonus für die Stromkosten vor. Der besagt, dass bedürftige Verbraucher einen Rabatt von 25 bis 40 Prozent auf die Stromrechnung erhalten. Mit ihrem freiwilligen Ansatz kommt EDP dieser Vorschrift zuvor.

    Im Herbst soll die Anlage installiert sein. Die Erfahrungen aus Zaragoza will Nebreda abwarten und danach das Projekt in weiteren spanischen Städten ausrollen.

    In Deutschland, das sich voll und ganz der Energiewende verschrieben hat, existiert zwar schon seit dem Jahr 2017 und damit noch vor der EU-Direktive ein Mieterstromgesetz. Das ermöglicht es aber nur Nachbarn im gleichen Haus, ihren Strom zu teilen. „Die Umsetzung ist allerdings häufig so komplex, dass es in vielen Fällen mit vertretbarem Aufwand nicht möglich ist“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. So wird bei Mieterstrommodellen die volle EEG-Umlage fällig, während sie beim Eigenverbrauch anteilig in Höhe von 40 Prozent angerechnet wird.

    Deutschlands Gesetz zum Mietstrom schränkt das volle Potenzial des Eigenverbrauchs ein“, sagt auch Naomi Chevillard vom europäischen Verband Solar-Power Europe. Insgesamt erwartet sie von der neuen EU-Regulierung dennoch einen „enormen Schub“ und sieht Spanien gemeinsam mit Frankreich als Vorreiter.

    Mehr: Warum die Nachfrage nach Solarenergie trotz Coronakrise boomt

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