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Gummi ArabicumAbhängig vom Krisenkleber

In Süßigkeiten, Softdrinks oder Tabletten – Gummi Arabicum ist ein wichtiger Bestandteil vieler Produkte. Um den Import nicht zu gefährden, änderten die USA sogar ihre Gesetze. Die Weltwirtschaft ist abhängig vom Harz.Rebecca Ciesielski 14.03.2015 - 17:34 Uhr Artikel anhören

Funkelt wie Bernstein - für die Industrie ist Gummi Arabicum aber noch wichtiger.

Foto: Imago

Düsseldorf. Die Legenden um das Gummi Arabicum sind zahlreich. Eine steht sogar in der Bibel. Sie besagt, dass das Volk Israels nach der Vertreibung aus Ägypten nur nicht verhungerte, weil sich die Geflüchteten unterwegs von dem Saft der Wüstenbäume ernähren konnten. Auch die Menschen im alten Ägypten benutzten das unscheinbare Harz zum Verkleben und Stabilisieren ihrer Mumien. Und heute noch – rund viereinhalb Jahrtausende später – hält Gummi Arabicum von Produkten der Pharmaindustrie, über Kosmetik bis hin zu Nahrungsmitteln vieles zusammen, stabilisiert, emulgiert oder beeinflusst die Konsistenz von Nahrungsmitteln und Getränken.

Halbtransparente Blasengebilde, die im Sonnenlicht bernsteinfarben glitzern - so sieht der Baumsaft bestimmter afrikanischer Akazienarten aus, der oft unbemerkt, da geschmack- und geruchlos, zur Produktion vieler Produkte beiträgt. In manchem Wein mildert der Naturgummi die Gerbstoffe ab und sorgt für ein gutes Mundgefühl, in Pillen kann der Baumsaft als Überzug und in Wimperntusche als Feuchthaltemittel dienen. Das sind nur einige Beispiele, von denen es unzählige gibt. Branchen wie die Pharmaindustrie, einige Hersteller von Kosmetik oder Nahrungsmitteln sind von dem Mehrfachzucker abhängig.

Diese große Bandbreite an Verwendungsmöglichkeiten erklärt, warum einige Händler noch immer menschliches und auch finanzielles Risiko auf sich nehmen und das Akazienharz nach Europa, in die USA oder nach Asien importieren.

Denn der natürliche Kleber wächst nur in den Krisenländern Afrikas. An diesen Umstand müssen sich die Händler anpassen, wenn sie die Nachfrage nach Gummi Arabicum, die sich in den vergangenen 30 Jahren weltweit etwa verdoppelt hat, weiterhin bedienen wollen. „Natürlich beeinflusst uns die Situation im Sudan und wir haben momentan Probleme dort einzukaufen“, sagt Sven-Ulrich Gehricke, der als Abteilungsleiter beim Hamburger Handelsunternehmen Norevo für den internationalen Vertrieb des vielseitigen Baumsaftes zuständig ist.

Der Name kann über Erfolg oder Misserfolg eines neuen Produktes entscheiden. Deshalb verpflichten Unternehmen zum Teil extra Namenserfinder: Das hilft aber nicht immer - manchmal sind die Namen irreführend und es versteckt sich nicht das dahinter, was man auf den ersten Blick erwartet. „Crispy Chicken“ ist schlichtweg paniertes Hähnchenbrustfilet und in einem Frischkäse mit Ziegenmilch wird nicht nur Ziegenmilch drin sein, sondern auch andere Milchbestandteil. Ein Blick auf die Rückseite hilft den „richtigen“ Bestandteilen auf die Spur zu kommen.

Der Ratgeber „Lebensmittel-Lügen – wie die Food-Branche trickst und tarnt“ deckt diese und andere 'Lügen' auf. Er ist für 9,90 Euro bei allen Verbraucherzentralen oder im Internet unter www.vz-ratgeber.de erhältlich.

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Man vermutet es nicht, aber nicht selten versteckt sich Alkohol in der Zutatenliste - das ist vor allem für Alkoholiker gefährlich, die schon bei kleinsten Mengen rückfällig werden können. Achtung: Sollte sich nur eine sehr geringe Menge Alkohol in den Lebensmitteln verstecken, kann das häufig auch als Trägerstoffe oder Lösungsmittel getarnt sein und taucht dann nur als Aroma auf.

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Immer mehr Verbraucher achten bei ihrem Einkauf auf regionale Produkte - das kann sich aber schnell als Lüge entpuppen. Denn ein einheitliches Gesetz gibt es dafür nicht, sondern es liegt im Ermessen der Anbieter, ob die Produkte wirklich regional sind, also dort hergestellt wurden oder nur dort verkauft werden. Man sollte sich also ganz genau die Verpackung anschauen.

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Für Zutaten, die - meist verführerisch - auf Gläsern, Verpackungen oder Dosen abgebildet sind, besteht eine „Mengenkennzeichnungspflicht“, die anzeigt, wie viel davon tatsächlich im Produkt steckt. Vorsicht ist noch an anderer Stelle geboten: Steht auf der Verpackung der Hinweis „Serviervorschlag“, dann entfällt eine Kennzeichnungspflicht. Zutaten, die dann auf dem Glas gezeigt werden, sind oft gar nicht enthalten, kritisiert die Verbraucherzentrale.

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Noch eine Lüge kann sich hinter dem Terminus „Hausfrauenart“ verstecken. Denn neben der Regionalität der Produkte liegen auch solche im Trend, die auf Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe verzichten. Es erklärt sich allerdings beinahe von selbst, dass die Produkte aus dem Supermarkt, vor allem in der Vielzahl, wie sie dort stehen, direkt aus dem Kochtopf von Oma in das Glas hüpfen.

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Lecker und gesund schließt sich leider in der Mehrzahl der Fälle aus: Die Wahrheit zeigt dann ein Blick auf die Nährwerttabelle - und hilft dabei die Lebensmittel, die zwar mit einer "Extraportion Milch" werben, aber verschweigen, dass da auch mehr Zucker und mehr Fett drin ist, zu entlarven.

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Immer mehr Hersteller ersetzten Originalzutaten durch Billigstoffe und deklarierten das nicht deutlich genug auf der Verpackung, kritisieren Verbraucherschützer. Ein weiteres Problem: Oft fehlt das Zutatenverzeichnis ganz oder ist nur schwer lesbar. Ausnahmen darf es etwa bei Käse oder Getränken mit Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Prozent geben, sonst aber nicht. Der Verbraucherschutz empfiehlt deshalb, sich beim Hersteller zu beschweren, wenn das Verzeichnis fehlt.

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Richtige Frische, wie hier beim fangfrischen Fisch, wird dem Verbraucher nicht immer garantiert. Außerdem bedeutet Frische nicht immer gleich mehr Qualität - gesetzliche Regelungen gibt es auch nicht. Nachfragen lohnt sich.

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Große Verpackungen bedeuten nicht unbedingt, dass sich auch viel Ware darin befindet. Allerdings arbeiten gerade etwa Pralinenhersteller mit unverhältnismäßig viel Luft, doppelten Böden oder überdimensionierten Verpackungshüllen.

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Ein genauer Blick auf die Zutatenliste lohnt sich auch bei sogenannten Spezialitäten, vor allem wenn sie teuer sind. Denn Lamm-Salami wird nicht nur aus Fleisch vom Lamm bestehen - es kann sein, dass der Metzger eine gute Mischung zugrunde legt, es kann aber auch sein, dass nur Kleinstmengen des Fleisches untergemischt werden. Schauen Sie sich die Zutatenliste deshalb genau an.

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Der sogenannte „Gum Belt“, der Gummi-Arabicum-Gürtel, erstreckt sich von Senegal über Nigeria bis nach Somalia. Die Hauptexportländer sind Nigeria, Tschad und Sudan. Je nach Statistik stammen 40 bis 80 Prozent des weltweit gehandelten Gummi Arabicums von den im Sudan wild wachsenden Senegal-Akazien. Noch heute ernten dort zumeist Frauen, per Hand oder nur mit den einfachsten Hilfsmitteln, jährlich rund 80 000 Tonnen der sudanesischen Gummiart „Haschab“, die als die hochwertigste und vielseitigste gilt. Laut aktuellen Studien der UN-Handelsorganisation UNCTAD exportieren die  Produzentenländer jährlich rund 150 000 Tonnen des Harzes. Die weltweit größten Abnehmer sind die USA, Großbritannien und Frankreich. Gemäß seinen Außenhandelsstatistiken bezog Deutschland 2014 rund 7000 Tonnen Gummi Arabicum, größtenteils aus dem Sudan.

Der Handel mit dem Naturgummi kam in der Vergangenheit nie zum Erliegen, obwohl das Land  seit Jahrzehnten unter politischen und ethnischen Konflikten, Armut und einer schlechten Infrastruktur leidet. Die Nichtregierungsorganisation Transparency International listet den Sudan auf Platz drei der korruptesten Länder. Nur Nordkorea und Somalia stuft die Organisation als noch problematischer ein. Das ausgeprägte Korruptionsniveau beeinflusst alle Wirtschaftsprozesse in dem Land, auch den Handel mit Gummi Arabicum. Dass dieser dennoch weiterläuft, werten Experten als Indikator für die Wichtigkeit des Baumharzes für die globale Wirtschaft.

Deutschlands größte Getränkehersteller
PepsiCo - 9,75 Millionen Hektoliter Während Pepsi dem großen roten Konkurrenten international die Stirn bieten kann – in Deutschland schafft es die Limo-Marke nur knapp in die Top 10. Zu den Marken des Konzerns gehören unter anderem Mountain Dew, 7 Up, Tropicana und der Energydrink Rockstar.Quelle: Lebensmittelzeitung, Daten für 2012
Oettinger-Gruppe - 10,6 Millionen Hektoliter Mit der Fokussierung auf billiges Bier ist die Oettinger-Gruppe zu einer der größten Brauereien des Landes aufgestiegen.
Riha Richard Hartinger - 11 Millionen Hektoliter Riha ist Deutschlands größter Fruchtsafthersteller. Dazu zählt etwa die Marke Fruchtquell.
AB-Inbev - 12 Millionen Hektoliter Die Brauerei-Gruppe steht für Marken wie Beck's und Hasseröder.
Radeberger - 13 Millionen Hektoliter Die Brauerei gehört zum Oetker-Imperium und vertreibt ab 2015 Pepsi-Produkte in ganz Deutschland.
Bitburger- 14 Millionen Hektoliter Die Brauerei aus der Eifel hat neben der Stammmarke etliche weitere Biermarken im Angebot wie König Pilsener oder Licher.
Schäff-Gruppe - 19 Millionen HektoliterDas Aldi-Mineralwasser Altmühltaler stammt von der Schäff-Gruppe ebenso wie zahlreiche andere Eigenmarken von Discountern.
Hansa-Heemann - 24 Millionen Hektoliter Auch an Rang drei steht ein Produzent von Handelsmarken für Discounter.
Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke MEG - 26,8 Millionen HektoliterDie 100-prozentige Tochter der Schwarz-Gruppe produziert alle Handelsmarken der konzerneigenen Supermarktketten Lidl und Kaufland und hat es damit innerhalb weniger Jahre an die Spitze der deutschen Getränkehersteller geschafft. Das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt ist heute der größte Mineralwasserproduzent Deutschlands.
Coca-Cola - 36,5 Millionen HektoliterDer rote Riese regiert auch den Getränkemarkt in Deutschland mit deutlichem Abstand. Die Zentrale zog 2003 von Essen nach Berlin. Mit Fanta wurde eine der großen internationalen Marken des Konzerns von der deutschen Tochter erfunden.

Für den Handel mit Gummi Arabicum sei weder die Korruption noch die problematische Sicherheitslage in dem zentralafrikanischen Land ausschlaggebend, sagt Gehricke. Sorgen bereite dem Unternehmen viel mehr ein von außen erzeugtes Hindernis: „Zahlungstechnisch ist es in den letzten Monaten im Sudan schwierig geworden“, erklärt der Händler. Dass im Sudan die weitaus meisten Geschäfte über Bargeld abgewickelt werden müssen, begründet sich in der Sanktionspolitik der USA.

Aus Perspektive Washingtons steht der Sudan seit Jahren auf der Liste der Unterstützerstaaten des islamistischen Terrors. Schon 1997 verhängten die USA Wirtschaftssanktionen gegen das nordostafrikanische Land, weil die Regierung in Karthum damals Osama Bin Laden Unterschlupf gewährte. Der galt schon vier  Jahre vor den verheerenden Anschlägen auf das World Trade Center als Unterstützer und Drahtzieher des internationalen Terrorismus. Und ironischerweise waren von Bin Laden gegründete Unternehmen in den Neunzigerjahren die Haupt-Exporteure für Gummi Arabicum. Trotz dieses Widerspruchs setzten die USA ihre Sanktionspolitik nie konsequent durch, das Naturharz bildete immer eine Ausnahme.

Das Sudan-Gummi sei die „Achillesferse“ der US-Handelspolitik, so beschrieb die Washington Post dieses internationale Handelsdilemma. Selbst als die USA 1998 Karthum bombardierten, weil sie in einer Arzneimittelfabrik die Produktion von Giftgas vermuteten, rissen die Handelsströme nicht ab. Der Export mit Gummi Arabicum behielt seine Sonderstellung, aber die US-Sanktionspolitik entfaltete ihre Wirkung dennoch.

Das Problem sei, erklärt Gehricke, dass kaum noch eine deutsche Bank Zahlungsgeschäfte mit dem Sudan abwickle. Erst im Sommer des vergangenen Jahres verurteilte ein New Yorker Gericht das französische Bankhaus BNP Paribas zu einer Rekordstrafe von fast neun Milliarden US-Dollar, mit der Begründung, die Bank habe durch Geschäfte mit dem Sudan, Iran und Kuba die Sanktions-Gesetzgebung der USA missachtet. Strafen dieser Art wirken abschreckend – auch auf deutsche Geldinstitute, die sich aus Angst vor ähnlichen Urteilen aus dem Sudan zurückziehen.

Propylenglycol
Sollten Sie heute im Laufe des Tages Backwaren, Desserts, fertige Salatdressings oder Limonade zu sich nehmen, tanken Sie Ihre tägliche Dosis Frostschutzmittel. Hinter dem Kürzel E405 verbirgt sich nämlich Propylenglycol, was in der Industrie meist zur Herstellung von Kunstharzen, Konservierungsstoffen und als Frostschutz- und Desinfektionsmittel eingesetzt wird. In Verbindung mit Alginsäure landet es aber auch als Zusatzstoff in Lebensmitteln.

Foto: dpa

Alginate

Rein natürlichen Ursprungs sind dagegen die aus Braunalgen hergestellten Alginate, die sich hinter den Nummern E400 bis E4004 verbergen. Je nach Nummer steckt dieser natürliche Stoff in Joghurt, Eis oder Waschmittel.

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Tertiär-Butylhydrochinon

Tertiär-Butylhydrochinon (TBHQ) ist en sogenanntes Antioxidans und sorgt bei verschiedenen tierischen Fetten und fetthaltigen tierischen Lebensmitteln dafür, dass eben diese Fette nicht ranzig werden. So kommt TBHQ beispielsweise in Schmalz oder Chicken Nuggets vor und verbirgt sich hinter der Kennzeichnung E319. Gewonnen wird der Stoff in chemischer Synthese - und zwar aus Erdöl.

Foto: Apetito

Butylhydroxytoluol

Auch Butylhydroxytoluol ist ein solches Antioxidant und sorgt sowohl in fetthaltigen Speisen als auch in Fertigwürzmitteln, Kartoffelpüreepulver oder Frühstücksflocken für längere Haltbarkeit. Der Zusatzstoff mit der Kennziffer E 321 darf nicht in Kindernahrung eingesetzt werden, weil er zu einer gefährlichen Sauerstoffunterversorgung führen kann. Chemisch ist der Stoff mit dem Desinfektions- und Holzschutzmittel Phenol verwandt.

Foto: ap

Castoreum

Der natürliche Aromastoff Castoreum, zu deutsch „Bibergeil“, ist ein Drüsensekret mit dem Biber ihr Revier markieren. Die Drüse sitzt beim Biber zwischen After und Geschlechtsteil. In den USA ist „Bibergeil“ als Nahrungszusatz zugelassen und landet überwiegend in Lebensmitteln mit natürlichem Vanillearoma, aber auch als Himbeer- und Erdbeeraroma.

Foto: dpa

Die verhängten Geldstrafen zeigen, wie eisig das Verhältnis zwischen Washington und den sanktionierten Ländern eigentlich ist. Aber warum boykottierten die USA ihre eigenen Handelsverbote ausgerechnet für eine Substanz, von der die meisten Menschen noch nie etwas gehört haben dürften?

Sudan-Experten sind sich einig, dass die US-Sanktionen für Gummi Arabicum nur deshalb nicht gelten, weil Lobbyisten schon vor deren Einführung  großen Druck auf die Regierung ausübten. Allen voran die US-Softdrink-Industrie.  „Hauptgrund ist Coca-Cola“, bestätigt Annette Weber, die bei der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik hauptsächlich über Sudan, Somalia und die ostafrikanischen Länder forscht.

Als Zusatzstoff E414 verdickt, bindet oder überzieht Gummi Arabicum viele verschiedene Lebensmittel. Da es nicht aufdringlich schmeckt oder riecht und auch nicht gesundheitsschädlich ist, verwendet die Lebensmittelindustrie diese klebende Zuckerart gerne. In Getränken mit Kohlensäure kann das Harz verhindern, dass sich Zucker und andere Inhaltsstoffe am Flaschenboden absetzen und in manchen Biersorten sorgt es für eine stabilere Schaumkrone. „Haschab“, die Harzart, die sich am feinsten und gleichmäßigsten in Getränken verteilt, wächst fast ausschließlich im Sudan. Das nigerianische und tschadische Talha-Gummi ist in der Getränkeindustrie hingegen weniger gefragt.

Die Supermarktkette aus dem Saarland entwickelte bereits 1966 ein Konzept, das einem modernen Supermarkt ähnelt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 18.500 Mitarbeiter in 46 SB-Warenhäusern. Im Jahr 2015 erreichte die Globus-Gruppe einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro.

Quelle: TradeDimensions

Foto: Imago

Die Drogeriekette kann den Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Waren es 2014 noch 5,41 Milliarden Euro, machte Rossmann im vergangenen Jahr 5,75 Milliarden Euro Umsatz. Die Drogeriekette von Dirk Roßmann verkauft vor allem Bio-Lebensmittel und Wein.

Foto: dapd

Der erste dm-Markt eröffnete 1973 in Karlsruhe. Heute ist dm in zwölf europäischen Ländern mit über 3.200 Marken präsent. Mit 7,03 Milliarden Euro Umsatz dürfte der Drogeriekonzern durchaus zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken.

Foto: dpa

2015 gehörte die Handelskette aus Mühlheim an der Ruhr noch zu den größten Lebensmittelhändlern der Republik mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2015. Im März 2016 wurde allerdings die Übernahme durch den Konkurrenten Edeka von Wirtschaftsminister Gabriel genehmigt.

Foto: ap

Der Handelsriese mit Sitz in Frechen beliefert vor allem die Shops von Tankstellen und kleine Büdchen. Das Geschäft mit dem Spontan- und Spätkauf katapultiert Lekkerland unter die größten Händler mit einem Umsatz von 9,08 Milliarden Euro.

Foto: Handelsblatt

Zum Dax-Konzern gehört mit Metro Cash&Carry nicht nur der führende Lebensmittel-Großhändler, sondern auch die real-Supermärkte. Damit nehmen die Düsseldorfer unter Deutschlands Lebensmittelhändlern eine führende Position ein. Dennoch büßte die Gruppe im Vergleich zu 2014 mehr als drei Milliarden Euro ein und brachte es im vergangenen Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 26,13 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist der Verkauf der Warenhaussparte Galeria Kaufhof.

Foto: dpa

Beim Lebensmittelabsatz landet der Discounter auch in diesem Jahr nicht auf dem Treppchen – überholt aber Metro und landet auf Platz vier. Der Umsatz stieg 2015 auf 27,8 Milliarden Euro. Aldi Nord und Aldi Süd legten gemeinsam um 1,5 Prozent zu.

Foto: dpa

Bei Lebensmitteln hat Lidl dem Konkurrenten Aldi mittlerweile den Rang abgelaufen. Neben Lidl gehören auch die Kaufland-Märkte zur Schwarz-Gruppe, die sich über Bronze freuen darf. Umsatz im Jahr 2015: 34,54 Milliarden Euro.

Foto: ap

Auf Rang zwei des Rankings behauptete sich der Kölner Supermarktbetreiber Rewe samt Discounttochter Penny. 39,61 Milliarden Euro Umsatz bedeuten ein Plus von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Foto: dapd

Spitzenreiter im Ranking ist und bleibt Edeka. Laut der Studie zum Lebensmittelhandel bediente Edeka im vergangenen Jahr gemeinsam mit der konzerneigenen Discountkette Netto mehr als ein Fünftel aller Ausgaben – 53,28 Milliarden Euro.

Foto: dpa

Die Getränkeindustrie sei zusammen mit den Herstellern für Süßwaren für 70 Prozent des weltweiten Verbrauchs des Harzes verantwortlich, steht in einem Bericht der Weltbank von 2007. Den Einsatz des Naturharzes wollen die beiden Unternehmen auf Anfrage allerdings nicht bestätigen. Widerlegen aber auch nicht. Der Konzern mache grundsätzlich keine Angaben zu den Zutaten, erklärt eine Pressesprecherin von Coca-Cola. Auch Pepsico möchte sich zum Thema Gummi Arabicum nicht äußern.

In welchen Produkten der beiden Limonadenhersteller Gummi Arabicum enthalten ist, lässt sich mit einem Blick auf das Etikett einfach herausfinden. Denn Gummi Arabicum muss nach EU-Recht auf der Verpackung von Lebensmitteln und Getränken gekennzeichnet sein. Zumindest in der Theorie. Unter bestimmten Umständen müssen Hilfsstoffe und Zusätze nicht deklariert werden. Zum Beispiel, wenn sie Bestandteile einer Zutat sind, aber „im Enderzeugnis keine technologische Wirkung mehr ausüben“, steht in einer EU-Lebensmittelverordnung von 2011.

Ähnlich ist es bei Medikamenten, in denen der Naturkleber bei der Produktion von Tabletten oder Dragees oft nur als Hilfsstoff eingesetzt wird und somit selten auf der Liste der Inhaltsstoffe steht. Das bedeutet aber nicht, dass Gummi Arabicum für die Pharmaindustrie bedeutungslos wäre. Im Gegenteil, das Harz ist für die Herstellung bestimmter Medikamente überaus wichtig.

Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller erklärt auf Nachfrage: „Gummi Arabicum ist auch heute noch für die Pharmaindustrie unersetzlich.“ Und: „Die Herstellung eines Dragees oder einer überzogenen Tablette ohne arabisches Gummi ist kaum möglich.“

Das Naturharz wird bei der Medikamentenherstellung als Verdickungsmittel und Stabilisator sowie als Überzug von Dragees eingesetzt. Wie auch in der Lebensmittelindustrie, hilft es nicht mischbare Substanzen wie Öl und Wasser dauerhaft miteinander zu verbinden.

„Menschen würden sterben, wenn man kein Gummi Arabicum mehr bekäme“, zitierte die französische Zeitung Le Monde diplomatique 2011 eine Lobbyistin des US-Pharmakonzerns Wyeth, der seit 2009 zu Pfizer gehört. Dort ist die Sicht auf das Naturharz wesentlich weniger aufgeregt:

„Bei der Entwicklung neuer Arzneimittel vermeidet Pfizer möglichst den Einsatz pflanzlicher Hilfsstoffe wie Gummi Arabicum“, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens. Stattdessen setze man vermehrt auf synthetisch hergestellte Ersatzchemikalien, wie mehrwertige Alkohole.

Wie in Nahrungsmitteln kann Gummi Arabicum auch in Medikamenten in unbegrenzter Menge eingesetzt werden. Ein gesetzlich vorgeschriebener Maximalwert existiert nicht. Trotzdem versuchen einige Branchen den afrikanischen Baumsaft nach und nach aus ihren Produkten und Produktionsketten zu verbannen. Beim Zeitungs- oder Buchdruck wurde noch vor 20 Jahren noch standardmäßig Gummi Arabicum verwendet. Das Harz sorgte beim Offset-Druck für eine gleichmäßige und anhaltende Feuchtigkeit der Druckplatten. Heute sind die meisten Druckereien auf synthetisch hergestellte Feuchthaltemittel umgestiegen, die ähnliche Eigenschaften aufweisen wie das Naturharz. Auch die Deutsche Post teilt mit, dass die leicht süßlich schmeckende Klebesubstanz auf der Rückseite von Briefmarken und der Klebefläche von Briefumschlägen schon seit Jahrzehnten nicht mehr aus Gummi Arabicum bestehe.

Bei Pfizer seien die Gründe für die Abkehr vom Naturgummi dessen allergenes Risikos, die schwankenden Zusammensetzung und die Gefahr von Verunreinigungen, erklärt die Konzern-Sprecherin.

Das alles hat nichts an der Exportmenge des sudanesischen Naturstoffs geändert. Einem Bericht der Weltbank zufolge, erklärt die wachsende Nachfrage nach Bio- und Wellnesslebensmitteln neben einem gestiegenen Konsum von Softdrinks und Süßwaren die in den vergangenen Jahrzehnten gestiegenen Absatzzahlen von Gummi Arabicum. Der Westen setzt auf Bio und auf Gummi Arabicum als natürlichen und im Regelfall nicht pestizidbelasteten Zusatzstoff. Beispielsweise verhindert ein Überzug aus dem Harz das Schmelzen einer Schokoladenschicht auf Bio-Nüssen oder getrockneten Früchten.

Aber was bedeutet die Produktion dieses für die Industrieländer wichtigen Naturprodukts für die sudanesische Bevölkerung und Natur?

„Der Krisenfaktor ist enorm“, sagt Karl Wohlmuth und meint damit nicht ausschließlich die ethnischen und politischen Konflikte in der Region Darfur. Die dauerhafte Krisensituation verhindere viel mehr den Aufbau von nachhaltigeren Nutzungsstrukturen, erklärt der emeritierte Wirtschaftsprofessor, der seit Jahrzehnten zur wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas forscht. Aus seiner Sicht ist die Naturgummi-Produktion im Sudan nicht nachhaltig.  

Die wildwachsenden Bäume seien durch Trockenheit und Dürreperioden bedroht. Außerdem investiere wegen der andauernden Krisensituation niemand in die Pflege oder gar in die Aufforstung der Pflanzen. „Das bedeutet einen umweltpolitischen Ausverkauf“, sagt der Wissenschaftler.

Trotzdem sei Gummi Arabicum eine wichtige Lebensbasis für etwa 5 Millionen Menschen im Sudan, die seit der Abspaltung des Südsudan 2011 sogar noch einmal an Bedeutung gewonnen habe. Für das größtenteils im Süden geförderte Erdöl fallen im Norden nur noch Gebühren für die Durchleitung an. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe der Sudan nach 2011 deshalb bis zu drei Viertel seiner Einnahmen verloren.

Das Wissen, wann die Bäume bereit zur Gummi-Ernte sind, wird im Sudan von Generation zu Generation weitergegeben. Mit einem Messer schneiden die sudanesischen Farmer in die Rinde der Akazienbäume. Nach einer Weile tritt der glitzernde Saft aus und bildet bernsteinfarbene Kugeln, die an der Rinde hängen bleiben, bis sie jemand von den Bäumen pflückt. Danach legen die Farmer die Gummi-Kugeln zum Trocknen aus. Größtenteils wird das Harz in diesem Zustand in alle Welt exportiert. Hauptsächlich nach Europa. Der überwiegende Teil wird in Frankreich zu jenem weißem Pulver vermahlen, das die Industrie besonders gerne in ihren Produkten einsetzt.

Von den Einnahmen, die die Händler mit dem verkaufsfertigen Pulver erzielen, profitieren die sudanesischen Farmer allerdings nur sehr wenig, kritisiert Wohlmuth.

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Für das afrikanische Land würde sich der Forscher die Möglichkeit wünschen, das Gummi im Land weiterzuverarbeiten und so von den dadurch gesteigerten Preisen direkt zu profitieren.  Werden die getrockneten Knollen aus Rohgummi zu Pulver vermahlen, dann steigere sich deren Wert um das Fünf- bis Zehnfache. „Das wäre eine fantastische Chance für den Sudan“, sagt der Wirtschaftsexperte. 

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