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HalbjahreszahlenCEO Maubach: Mehr als 50 Prozent der Gas-Umlage nur für Uniper

Die hohen Kosten von Gashändlern werden ab Oktober zu großen Teilen auf deutsche Haushalte umgelegt. Vor allem Deutschlands größter Gasimporteur fällt ins Gewicht.Catiana Krapp 17.08.2022 - 14:52 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die neuen Zahlen des Konzerns sind für Aktionäre in der aktuellen Situation besonders spannend.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Mehr als die Hälfte des Geldes aus der deutschen Gasumlage fließt an den Düsseldorfer Energiekonzern Uniper. Das sagte CEO Klaus-Dieter Maubach bei der Präsentation der Halbjahreszahlen des Konzerns am Mittwoch.

Insgesamt bekommen zwölf Unternehmen für den Zeitraum bis April 2024 voraussichtlich 34 Milliarden Euro erstattet. Uniper allein erhält davon nach bisherigem Stand wohl mehr als 50 Prozent.

Einige Gasimporteure sind derzeit in einer prekären Lage: Sie beziehen Gas aus alten Verträgen mit dem russischen Gasriesen Gazprom. Der aber liefert seit Monaten deutlich weniger als die vertraglich zugesicherten Gasmengen nach Deutschland.

Die Importeure selbst müssen sich jedoch an ihre Lieferverträge halten und ihren Kunden die vereinbarten Mengen Gas liefern. Dafür kaufen sie zu aktuellen, hohen Preisen am Markt Gas zu, das sie dann zu bei Vertragsabschluss vereinbarten, viel niedrigeren Preisen weitergeben müssen.

Dadurch macht Uniper mit der Belieferung von mehr als 100 Stadtwerken und Industriefirmen aktuell Milliardenverluste. Das Unternehmen ist nicht nur der größte Gasimporteur Deutschlands, sondern bezieht auch einen deutlich größeren Anteil der importierten Gasmenge aus Russland als die Konkurrenz.

Die Gasumlage soll Konzernen wie Uniper 90 Prozent ihrer Verluste durch die gestiegenen Beschaffungskosten erstatten. Gezahlt wird das von deutschen Haushalten und Unternehmen, deren Gaspreis um 2,419 Cent pro Kilowattstunde steigt.

Uniper hat das Geld bitter nötig: Der Konzern vermeldet für das erste Halbjahr einen Nettoverlust von mehr als zwölf Milliarden Euro. Auch für das Gesamtjahr und das kommende Jahr 2023 erwartet Uniper einen Verlust.

Die Aktie von Uniper stürzte im Handelsverlauf am Mittwoch mehr als neun Prozent ab. Seit Jahresanfang haben die Papiere damit gut 80 Prozent an Wert verloren.

Uniper: Verluste aus Ersatzbeschaffung von Gas einfach zu hoch

Der hohe Nettoverlust im ersten Halbjahr geht zum Teil auf bereits bekannte Abschreibungen auf Russland-bezogene Geschäfte von Uniper zurück – etwa für die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 und Kraftwerke in Russland. Doch 6,5 Milliarden Euro des Verlusts stehen in Zusammenhang mit den Kürzungen der Gaslieferungen aus Russland.

Uniper-Chef Maubach sagte: „In Deutschland gibt es kein einziges Energieunternehmen, das eine solche Entwicklung nicht in die Knie zwingen würde.“ Mit einer Verbesserung rechnet Uniper erst im Laufe der kommenden Jahre. Finanzchefin Tiina Tuomela sagte laut einer Mitteilung: „Für 2023 erwarten wir eine Ergebnisverbesserung und streben an, ab 2024 die Verlustzone zu verlassen.“

Wegen der dramatischen Situation hatte die deutsche Bundesregierung im Juli ein Hilfspaket für Uniper geschnürt, durch das das Unternehmen zunächst 7,7 Milliarden Euro erhält. Außerdem will der Staat mit 30 Prozent bei dem Energieversorger einsteigen. Das Stabilisierungspaket muss noch auf europäischer Ebene geprüft und freigegeben werden, im Anschluss muss Uniper die Vereinbarung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Herbst von den Aktionären genehmigen lassen.

Seitdem das Rettungspaket im Juli beschlossen wurde, hat sich die Lage für Uniper noch einmal verschlechtert. Denn mittlerweile liefert Gazprom nicht einmal mehr 40 Prozent der zugesagten Mengen durch die Pipeline Nord Stream 1, sondern nur noch 20 Prozent. Umso größer sind die Verluste für Uniper.

Maubach sagte an diesem Mittwoch: „Vor dem Hintergrund der sich weiter verschärfenden Rahmenbedingungen haben wir in den vergangenen Wochen an der Ausgestaltung und Präzisierung der Vereinbarung gearbeitet.“

„Gazprom hat uns an den Rand der Insolvenz gebracht“

Noch im Juli hatte Uniper bekannt gegeben, derzeit bis zu eine Milliarde Euro im Monat draufzuzahlen. Uniper-Chef Maubach rechnete mit insgesamt sechs Milliarden Euro Verlust bis Ende September. Nach aktuellem Stand dürften es sogar 6,5 Milliarden sein.

Laut Maubach macht Uniper derzeit teilweise mehr als 100 Millionen Euro Verlust pro Tag. Das entspräche einem Minus von bis zu drei Milliarden Euro im Monat – an einigen Tagen seien die Verluste jedoch auch deutlich geringer.

Obwohl das Hilfspaket der Bundesregierung noch nicht genehmigt ist, hat Uniper bereits Hilfen in Form einer Kreditlinie der KfW in Höhe von insgesamt neun Milliarden Euro erhalten. Davon musste Uniper bislang laut Maubach rund fünf Milliarden Euro in Anspruch nehmen.

Darüber hinaus probiert Uniper auch, auf dem Rechtsweg Entschädigungen von Gazprom zu bekommen. Maubach sagte, man prüfe alle möglichen juristischen Schritte: „Gazprom hat unser Unternehmen mit seinem Handeln an den Rand der Insolvenz gebracht. Und natürlich werden wir alles, was zur Verfügung steht, versuchen, um unseren Gaslieferanten dafür haftbar zu machen.“

Mit seinen langjährigen Beziehungen zu Russland dürfte Uniper noch länger zu kämpfen haben. Nicht nur ist das Unternehmen auf Gas aus Russland angewiesen – es hat auch bis heute ein Tochterunternehmen namens Unipro, das in Russland Kraftwerke betreibt. Uniper will die Tochter zwar schon lange loswerden, doch in der aktuellen Situation scheint das aussichtslos. Auf die Frage, ob es bei dem Verkauf vorangehe, sagte Maubach am Mittwoch: „Sie können sich vorstellen, wie schwierig die Situation ist.“ Es sei derzeit nicht einfach, solche Transaktionen durchzuführen.

Uniper will Maubach zufolge außerdem neue Geschäftsfelder in den Blick nehmen. Zum einen will das Unternehmen künftig das eigene Gasportfolio umstrukturieren. Sobald das geplante LNG-Terminal in Wilhelmshaven voraussichtlich im Winter in Betrieb genommen werde, könne darüber etwa ein Zehntel des deutschen Jahresverbrauchs an LNG importiert werden.

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Zudem kommt Uniper potenziell auch als Betreiber neuer Gaskraftwerke infrage, sollte Deutschland diese eines Tages neu errichten wollen, um schneller aus der Kohlekraft auszusteigen.

Dazu müsste Deutschland natürlich erst einmal genügend Gasbezugsquellen haben, um nicht mehr auf Russland angewiesen zu sein.

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