Halbjahreszahlen: RWE verdoppelt den Gewinn – Mehr Investitionen in erneuerbare Energien
Fünf Milliarden Euro will RWE in Erneuerbare investieren.
Foto: imago images / Jochen TackDüsseldorf. Schon vor einer Woche hat der Energiekonzern RWE seine Prognose um 1,5 Milliarden Euro nach oben angepasst. Nun ist klar, warum: Allein im ersten Halbjahr konnte das Essener Unternehmen seinen Gewinn (bereinigtes Ebit) um mehr als ein Drittel auf 2,8 Milliarden Euro steigern.
Dazu trägt besonders der Geschäftsbereich „Wasser, Biomasse, Gas“ bei, dessen bereinigter operativer Ertrag (Ebitda) sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt hat – von 297 Millionen Euro auf 755 Millionen Euro. „Im ersten Halbjahr 2022 haben wir unser Ergebnis deutlich gesteigert“, sagte CEO Markus Krebber am Donnerstag.
Seit Monaten steigen die Preise für Strom, Gas und andere Energieträger massiv. In der Folge legen bei RWE die Gewinne zu. Der Handel mit Strom und Gas hatte dem Unternehmen schon 2021 das beste Ergebnis seit Jahren beschert.
In den vergangenen Wochen wurden aufgrund der hohen Energiepreise auf Verbraucherseite aber auch immer wieder Rufe nach einer Übergewinnsteuer laut. „Die hohen Gewinne fallen RWE förmlich in den Schoß“, kritisiert Sonja Meister, Energieexpertin beim Umweltschutzverein Urgewald.
Hohe Energiepreise verschaffen RWE zusätzliche Gewinne
Tatsächlich steigen die Gewinne bei RWE und anderen Energieunternehmen: Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hatte die ohnehin schon hohen Energiepreise seit Ende Februar noch deutlich weiter nach oben katapultiert.
Weil das wiederum systemrelevante Unternehmen wie den Gashändler Uniper gefährdet, hat die Bundesregierung sich auf die Einführung einer Gasumlage ab Oktober geeinigt, um die Mehrkosten der Rekordpreise beim Gas aufzufangen. Auf die Verbraucher kommen damit deutlich höhere Gaspreise zu – mehr als tausend Euro zusätzlich im Jahr kann das für eine vierköpfige Familie im schlimmsten Fall bedeuten.
Andere Mitgliedstaaten in der Europäischen Union haben mittlerweile eine Sondersteuer auf sogenannte Übergewinne in Krisenzeiten eingeführt, um die Bevölkerung zu entlasten. In Deutschland scheint die Diskussion allerdings vorerst keine Konsequenzen zu haben.
RWE-Chef Krebber versuchte am Donnerstag, den Fokus weg von den sprudelnden Gewinnen des Kraftwerksbetreibers zu lenken: „Wir werden die Gasumlage nicht in Kauf nehmen und die Mehrkosten der Ersatzbeschaffung selbst tragen“, so der Manager. Wie hoch diese Mehrkosten für RWE sind, könne er aber noch nicht beziffern.
Zu der Diskussion um eine mögliche Übergewinnsteuer wollte er sich nicht äußern. „Wir werden unsere Gewinne in die Energiewende investieren. Wir planen auch nicht, unsere Dividende zu erhöhen“, rechtfertigte sich Krebber.
Windkraft sorgt für Gewinne
Derweil sorgen die hohen Strompreise im Handel auch bei dem Geschäft mit Erneuerbaren für eine ordentliche Gewinnsteigerung bei RWE. Der Mega-Offshore-Windpark Triton Knoll in der Nordsee läuft nun – und günstige Windbedingungen ließen die Gewinne in der Sparte „Offshore Wind“ um fast 200 Millionen Euro anwachsen.
Und ohne Kältewelle im US-Bundesstaat Texas macht auch die Sparte „Wind an Land“ wieder Gewinne. In den ersten sechs Monaten des Jahres waren es rund 491 Millionen Euro. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor musste RWE hier noch ein Minus von 42 Millionen verbuchen.
Im ersten Halbjahr hat RWE rund zwei Milliarden Euro in den Ausbau der Erneuerbaren gesteckt, bis Ende des Jahres sollen die Investitionen auf fünf Milliarden ansteigen – auch, weil dank der hohen Gewinne mehr Geld zur Verfügung steht. Die Produktion von Strom aus grünen Energien stieg im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent.
Der Konzern kann dabei auf prall gefüllte Kassen zurückgreifen. Das Nettovermögen habe Ende Juni 1,9 Milliarden Euro betragen, nach 360 Millionen Ende 2021. Auf Konzernebene erwartet RWE für das Gesamtjahr 2022 ein Ebitda von fünf bis 5,5 Milliarden Euro statt wie bisher 3,6 bis vier Milliarden Euro.
„Wenn RWE gutes Geld verdient, gewinnt die grüne Energiewelt“, sagte Krebber am Donnerstag. Der RWE-Chef betonte, dass die Lage auf dem europäischen Strommarkt aktuell „sehr angespannt“ sei. Aufgrund der AKW-Ausfälle in Frankreich, Niedrigwasser in mehreren Ländern und der herausfordernden Beschaffung von Steinkohle habe sich die Lage im Vergleich zum Frühjahr massiv verschärft. Der Stresstest, den die Übertragungsnetzbetreiber aktuell für das deutsche Stromnetz abhalten, sei deswegen sehr wichtig.
Einer Renaissance der Atomkraft steht Krebber trotzdem weiter kritisch gegenüber. „Die Kapazitäten sind überschaubar, und der Effekt hält sich beim Blick auf die Gaskrise in Grenzen“, außerdem gebe es gesetzliche Hürden.
Es brauche deswegen in Zukunft vor allem neue Gaskraftwerke, um gesicherte Leistung auch nach einem Kern- und Kohleausstieg vorhalten zu können. „Wir prüfen gerade, ob Gaskraftwerke auch schon früher auf Wasserstoff umgestellt werden können“, so Krebber. Geplant war das eigentlich erst 2035 – nun versuche man, den Umstieg schon Anfang 2030 zu schaffen.
„Dann muss aber auch genug grüner Wasserstoff zur Verfügung stehen“, betonte der RWE-Chef. Da helfe nur, die Infrastruktur der neuen Energiewelt so schnell wie möglich aufzubauen.