Energie

Hambacher Forst Polizei startet Räumung von Baumhaus-Dorf „Oaktown“

Im Hambacher Forst macht die Polizei mit der Räumung der Baumhäuser weiter. Sie nimmt sich eine der größten Siedlungen vor.
Update: 14.09.2018 - 13:24 Uhr Kommentieren

Räumung im Hambacher Forst „weitgehend gewaltfrei“

KerpenIm Hambacher Forst hat die Polizei am Freitag mit der Räumung einer der größten Baumhaussiedlungen begonnen. „Die Räumung hat begonnen“, sagte eine Polizeisprecherin am Freitagmittag. Ihre Kollegen verhandelten derzeit von der Bühne eines Hebekrans aus mündlich mit den Baumhausbewohnern von „Oaktown“ - ein Dorf mit etwa acht Baumhäusern.

Die Bewohner kündigten gewaltlosen Widerstand an. Einer von ihnen, Clumsy, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er werde sich an einen Betonblock ketten. „Die anderen wollen entweder ganz hoch in die Baumwipfel klettern oder sich auch an etwas festketten.“ Clumsy hat nach eigenen Worten vier Jahre in „Oaktown“ gewohnt.

Am Donnerstag hatte die Polizei mit der umstrittenen Räumung der Baumhäuser von Umweltschützern und Braunkohlegegnern begonnen. Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Waldes abholzen, um weiter Braunkohle baggern zu können. Die Baumhäuser der Besetzer gelten als Symbol des Widerstands gegen die Kohle und die damit verbundene Klimabelastung.

Am Freitag bekräftigte RWE sein Vorhaben. „Der Tagebau steht quasi direkt vor dem Wald und dementsprechend müssen wir auch roden“, sagte RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik dem Hörfunksender WDR 2. Es gebe keinen Zeitpuffer mehr, da bereits im vergangenen Jahr nicht gerodet worden sei. Die Abholzung sei unvermeidbar, um die Stromproduktion zu sichern.

NRW-Innenminister Herbert Reul verteidigte die Räumung der Baumhäuser und kritisierte die Waldbesetzer scharf. „Jetzt sind da Menschen, die haben auf fremdem Gelände schwarz gebaut, beachten keine Bauvorschrift, keine Brandvorschrift, wehren sich auch noch, sind kriminell, greifen noch Polizisten an, also werden straffällig, und da soll ich nicht eingreifen?“, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

Die Behörden hätten „gemerkt, dass immer mehr kriminelles Personal auch vom Ausland übrigens in diesen Wald einsickert“, sagte Reul. Als Begründung für die Räumung führen die Behörden nicht den geplanten Braunkohleabbau an, sondern fehlenden Brandschutz in den Baumhäusern. Die Umweltaktivisten halten das für vorgeschoben.

Beim Oberverwaltungsgericht des Landes Nordrhein-Westfalen lag am Freitag eine Beschwerde gegen die Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts Köln zur Räumung der Baumhäuser vor. Das Gericht in Köln hatte die Räumung der Baumhäuser durch die Stadt Kerpen als rechtmäßig bezeichnet. Der zuständige Senat prüfe jetzt, sagte die Sprecherin. Mit einer Entscheidung sei im Laufe des Tages zu rechnen.

Am Freitagmorgen haben Kohlegegner in Berlin die NRW-Landesvertretung in der Hauptstadt blockiert. Eine kleine Personengruppe sei in dem Gebäude und habe die Besetzung erklärt, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. Laut Mitteilung von der Organisation Ende Gelände soll die Landesvertretung so lange besetzt bleiben, bis die Landesregierung den Polizeieinsatz im Wald beendet.

Handelsblatt Energie Briefing
  • dpa
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