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Energie

Handelsblatt Energie-Gipfel Evonik-Chef Kullmann fordert Wasserstoff-Offenheit: „Wir müssen die grüne Brille absetzen“

Der Präsident des Chemieverbandes warnt auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel, nur auf grünen Wasserstoff zu setzen. Sonst drohen Standortverlagerungen.
15.01.2021 - 11:54 Uhr 1 Kommentar
Der Evonik-Chef warnt davor, sich alleine auf den grünen Wasserstoff zu konzentrieren. Quelle: dpa
Christian Kullmann

Der Evonik-Chef warnt davor, sich alleine auf den grünen Wasserstoff zu konzentrieren.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Chef des Chemiekonzerns Evonik, Christian Kullmann, fordert Tempo beim Thema Wasserstoff und vor allem Technologieoffenheit: „Wir müssen hier die grüne Brille absetzen und müssen auch alle anderen Wasserstoffarten zulassen“, forderte Kullmann, der auch Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) ist, am Freitag auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel.

Deutschland muss nach seinen Worten auch dringend internationale Partnerschaften schließen, um Wasserstoff zu importieren. Ansonsten sieht Kullmann die Gefahr von Standortverlagerungen: „Es ist dramatisch, es ist eine Gefahr, und es ist ein Risiko.“

Als Chef des Chemiekonzerns und Präsident des Chemieverbandes vertritt Kullmann ein Unternehmen und eine Branche, die auf Wasserstoff angewiesen ist, wenn sie die Klimaziele Deutschlands und der Europäischen Union erfüllen soll. Die Chemie gehört wie beispielsweise die Stahl- oder die Zementbranche zu den energieintensiven Industrien, die viel Energie verbrauchen und vergleichsweise viel des klimaschädlichen Kohlendioxids ausstoßen.

Um auch in diesen Branchen die Emissionen zu drücken, gilt Wasserstoff als großer Hoffnungsträger. Er könnte alternativ zu Öl und Gas als Brennstoff und Grundstoff eingesetzt werden.

Die Politik setzt dabei vor allem auf grünen Wasserstoff. Hier wird der Wasserstoff bei der Elektrolyse mithilfe von erneuerbaren Energien gewonnen.

Er gilt als klimafreundlicher als beispielsweise grauer Wasserstoff, der aus Erdgas gewonnen wird, oder blauer Wasserstoff, der auch aus Gas gewonnen wird, bei dem aber zumindest das CO2 bei der Produktion abgespalten wird.

Auch Uniper-Chef Schierenbeck fordert Offenheit

In den energieintensiven Industrien wird Kullmanns Meinung auf breiter Front geteilt. Industriekonzerne fürchten, dass nicht schnell genug ausreichend Wasserstoff zur Verfügung steht. Schließlich werden riesige Mengen benötigt. Aber auch der Chef des Stromproduzenten Uniper. Andreas Schierenbeck, fordert mehr Offenheit: „Wenn wir unseren CO2-Footprint reduzieren wollen, spricht nichts dagegen, blauen Wasserstoff beizumischen, denn das hilft, auch den Weg zu grünem Wasserstoff schneller zu erreichen“, hatte er zuvor auf dem Energie-Gipfel gefordert.

Umweltschützer sind allerdings gegen grauen und blauen Wasserstoff. Der Bundesgeschäftsführer des Vereins Deutsche Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner, lehnte auf dem Energie-Gipfel selbst den Einsatz von blauem Wasserstoff als „Fortführung fossiler Geschäftsmodelle“ ab.

Im Gespräch mit Redakteur Klaus Stratmann plädiert Evonik-Chef Christian Kullmann für mehr Offenheit.
Handelsblatt Energie-Gipfel

Im Gespräch mit Redakteur Klaus Stratmann plädiert Evonik-Chef Christian Kullmann für mehr Offenheit.

„Hören Sie mir doch auf mit der Farbenlehre, dass Grün die einzige Farbe ist, die uns glücklich macht beim Thema Wasserstoff“, hält Evonik-Chef Kullmann entgegen: „Wenn wir an die Zukunft des Wasserstoffs glauben, dann müssen wir doch bitte pragmatisch an die Sache rangehen.“ Auch die anderen Arten von Wasserstoff würden benötigt, um überhaupt erst einmal eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen.

„Wir in Deutschland werden niemals in der Lage sein, auch nur annähernd ein hinreichendes Produktionsniveau von grünem Wasserstoff zu erreichen“, sagte Kullmann: „Das wird nicht gelingen, und da müssen wir uns auch nichts vormachen.“

Deshalb müsse sich Deutschland auch dringend um Möglichkeiten für den Import von Wasserstoff bemühen. „Was wir brauchen, sind Partnerschaften“, sagte der VCI-Präsident: „Wir müssen mit Offenheit und Bereitschaft rangehen und mit vielen Ländern im Nahen Osten entsprechende Verabredungen treffen, damit wir von dort auch Wasserstoff nutzen können.“

Kullmann sieht Fortschritte im „Schneckentempo“

Man dürfe weder an die Technologie noch an die Partnerschaften ideologisch rangehen: „Wir dürfen nicht darüber streiten, ob wir nur grünen Wasserstoff nehmen oder es nur grüner Wasserstoff aus Ländern sein darf, die ganz unzweifelhaft nur den höchsten moralischen Ansprüchen einer westlich-liberalen Demokratie genügen.“

Insgesamt sieht der Chemiemanager zu geringe Fortschritte beim Thema Wasserstoff. Es gehe nur im „Schneckentempo“ voran: „Es wird viel deklariert, es wird viel reklamiert, es wird viel optimiert, aber es wird noch viel zu wenig gemacht“, kritisierte Kullmann.

Es würden nur Strategiepapiere gemacht und Strategiekonferenzen abgehalten: „Davon kommen wir nicht in die Wasserstoffindustrie. Wir müssen hier viel schneller werden, und wir müssen handeln“, sagte Kullmann. Schon Anfang des Jahrhunderts habe es einen ersten „Wasserstoffhype“ gegeben – es sei aber nichts passiert.

Die Politik müsse auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie achten: „Wenn Politik das nicht tut, dann laufen wir natürlich Gefahr, dass Investitionen in Zukunftstechnologien in Regionen und Länder abwandern, wo die Standortbedingungen attraktiver sind“, warnte Kullmann.

Es vergehe kaum ein Tag, an dem die großen Unternehmen der chemischen Industrie „nicht Briefe von Landeschefs aus anderen Regionen der Welt“ bekämen, die „unglaublich attraktive Angebote“ machten für Investitionen: „Dieser Wettbewerb ist längt da.“

Mehr: Blau oder grün? Streit über den besten Wasserstoff.

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1 Kommentar zu "Handelsblatt Energie-Gipfel: Evonik-Chef Kullmann fordert Wasserstoff-Offenheit: „Wir müssen die grüne Brille absetzen“"

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  • Perry Air? Luft in Flaschen? Ich mein sicher macht es Sinn, zeitweise Überkapazitäten aus konventionellen Kraftwerken in Wasserstoffspeicher umzuleiten, aber was genau stellen sich die Herren Energiewirtschafter bitte unter dem Vertrieb von Wasserstoff bei dem man den Anschluß verlieren könnte vor? Es gibt die Möglichkeit supervereinzelte Wasserstofftransporte für meintewegen chemische Zwecke durchzuführen, aber schon bei dem Betrieb von Wasserstoffzügen, stellt sich die Frage ob gewisse Burschen nicht ganz dicht sind. Wasserstoff aber im großen Stil durchs Land zu gurken und dabei früher oder später Zwischenfälle zu riskieren, die bei einer Abbrandgeschwindigkeit im Bereich zwischen Dynamit und TNT zu verorten sind, wird es niemals geben. Man kann auch keine steigende Nachfrage für flüssigen Wasserstoff herbeiphantasieren, die ohne existierende Verbraucher verpasst werden könnte. Die Kompetenz dies beurteilen kann auch nicht bei den Energieversorgern ausgemacht werden, die der Meinung waren thermische Kraftwerke Sommers wegen Niedrigwasser auch ohne Flusskühlung betreiben zu können, oder sich der Entwicklung kalter Verbrennung und der Installation von erneuerbaren Wandlern im Terawattbereich gänzlich zu verschließen, weil die Konzessionen für den Betrieb von Nuklearkraftwerken oder Kohlekraftwerken scheinbar vererbbar sind. Leute die gar nicht bereit sind, ihre Zahlen bezüglich der Kosten für die Errichtung und den Betrieb thermischer Kraftwerke den Erneuerbaren öffentlich gegenüberzustellen. Leute die quasi keinen Cent in die Kostenreduktion und die Ermittlung von Skaleneffekten großer Anlagen gesteckt haben, aber denoch wissen das sie zu teuer sind. Die wenigen Spielzeuganlagen die landgestützt ungeregelte 140TWh liefern, bieten jedenfalls keine Grundlage das beziffern zu können. Hätte es die Privatisierungen der 90er nicht gegeben, müsste man sich das Gefauche von Aktionären und ihren angestellten CEOs gar nicht bieten lassen. Mal sehen wie lange noch^^

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