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Energie

Handelsblatt Energie-Gipfel Kurz vor Blackout: Europas Stromnetz wäre im Januar fast zusammengebrochen

Noch konnten flächendeckende Ausfälle verhindert werden. Aber die Steuerung der sensiblen Infrastruktur wird in den nächsten Jahren deutlich komplizierter.
15.01.2021 - 13:38 Uhr 1 Kommentar
Ein richtiger Blackout kommt in Deutschland immer seltener vor.  Quelle: dpa
Stromausfall

Ein richtiger Blackout kommt in Deutschland immer seltener vor. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Fast wäre es dunkel geworden in Europa: Am 8. Januar 2021 stand die Stromversorgung für eine Stunde kurz vor dem Blackout. Eine Frequenzabweichung im Südosten der Union hat die europäischen Netzbetreiber an ihre Grenzen gebracht. Die Ursache ist bisher nicht geklärt.

„Trotz der Probleme in Rumänien ist in Deutschland die Stromversorgung zu jedem Zeitpunkt sicher gewesen“, betonte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel, der seit Donnerstag stattfindet. 

Noch warte er allerdings auf den Bericht von Bundesnetzagentur und Übertragungsnetzbetreibern. Bei denen läuft die Ursachenforschung zwar auf Hochtouren, man habe „allerdings bislang kein Ergebnis vorliegen“, sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, am Freitag im Gespräch mit dem Handelsblatt. 

Es ist der zweite großflächige Beinahe-Blackout innerhalb von zwei Jahren. Schon im Sommer 2019 war es an gleich drei Tagen kritisch. Auch damals gab es im deutschen Netz zeitweise zu wenig Strom, um die nötige Frequenz von 50 Hertz konstant zu halten. Beide Male konnte ein Totalausfall allerdings abgewendet werden – wenn auch nur knapp.

„Am vergangenen Freitag war die Frequenzabweichung nach einer Stunde wieder aufgefangen. Die Versorgungssicherheit war zu keiner Zeit eingeschränkt“, betonte Hans-Jürgen Brick, Chef des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, am Freitag auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel. 

Um das Netz wieder auf die richtige Frequenz zu bekommen, mussten mehrere Länder zeitweise vom europäischen Verbundnetz getrennt werden, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Kroatien und die Türkei sind normalerweise über Leitungen an das kontinentaleuropäische Netz angebunden. Vergangene Woche mussten sie vorübergehend in den „Inselbetrieb“ gehen. In Frankreich und Italien mussten Großverbraucher ihre Abnahme drosseln, um das restliche Netz wieder zu stabilisieren.

Eingriffe sorgen für hohe Kosten

Durch eine hervorragende Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern habe man schnell auf das Problem reagieren können, sagte Brick. Für die Zukunft sehe man sich deswegen gut gerüstet: „Wir sind mitten im Umbau des Energiesystems, aber da sehen wir uns bestmöglich aufgestellt“, so der Amprion-Chef. 

Das deutsche Stromnetz steht vor der wohl größten Herausforderung seit Jahrzehnten. Anstatt einzelner großer Kraftwerke speisen immer mehr kleinere Ökoanlagen aus allen Ecken des Landes Energie ins Netz. Anders als bei der stetig gleichbleibenden Versorgung aus Kohle-, Atom- und Gaskraftwerken kommt es dabei zu naturbedingten Schwankungen. 

Ökostrom wird immer dann produziert, wenn der Wind weht und die Sonne scheint. Das sind aber nicht immer die Zeiten, an denen der Strom auch tatsächlich gebraucht wird. Damit das Netz nicht überlastet wird, werden, wann immer nötig, Kraftwerke egal welcher Art vom Netz abgeriegelt. Wird wieder mehr Strom gebraucht, können sie in Sekundenschnelle wieder hochgefahren werden. 

Diese Eingriffe werden von den Netzbetreibern geregelt. Die Kosten für sogenannte Einspeisemanagement-Maßnahmen sind in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, auch wegen der immer größer werdenden Anzahl von Wind- und Solaranlagen. 

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Nach ersten Schätzungen sollen 2020 bis zu 1,34 Milliarden Euro angefallen sein. Das gilt vor allem für die Zahlung von Ausfallvergütungen für Betreiber von Photovoltaik- und Windkraftanlagen, denen bei Abriegelung der eigenen Anlage trotz Einspeisevorrangs für Ökostrom eine Entschädigung zugestanden wird. 

In ihrem noch unveröffentlichten Bericht geht die Bundesnetzagentur laut Medienberichten davon aus, dass sich die Kosten für die Eingriffe und das Einspeisemanagement gegenüber 2019 erhöht haben. Damals lagen sie bei rund 1,28 Milliarden Euro. 

Die Kosten trägt der Verbraucher, und zwar mit seiner Stromrechnung. Über den Strompreis werden die sogenannten Netzentgelte abgerechnet, die mit 7,9 Cent pro Kilowattstunde im vergangenen Jahr immerhin einen Anteil von rund 25 Prozent des Gesamtpreises ausmachten.

Mit dem Ausstieg aus Atom- und Kohleverstromung und immer mehr volatilen Erneuerbaren dürften die Herausforderungen für die Netzbetreiber in den nächsten Jahren noch deutlich zunehmen. 

Speicher als Teil der Lösung

„Ich bin trotzdem sehr optimistisch, dass wir im Rahmen der Energiewende eine sichere und kosteneffiziente Netzstruktur entwickeln können“, glaubt Amprion-Chef Brick. Abschaltbare Lasten seien dabei ein hilfreiches Instrument. Auch intelligente Technologien und entsprechende Reservekraftwerke spielten für ein sicheres Stromnetz der Zukunft eine wichtige Rolle. 

Ein anderes Mittel könnten Kurz- und Langzeitspeicher sein, die den überschüssigen Grünstrom speichern und bei Bedarf wieder einspeisen können. Abschaltungen könnten so häufiger vermieden werden. „Wir haben viel Erneuerbaren-Überschuss in Verteilnetzen. Mit Wasserstoff könnte man diesen Überschuss speichern und als Grundlast bereitstellen. Das sind Themen, die intensiv diskutiert werden müssen“, sagte Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender des Verteilnetzbetreibers N-Ergie aus Nürnberg, auf dem Energie-Gipfel.

Prinzipiell attestiert die Bundesnetzagentur Deutschland aber eine recht hohe Versorgungssicherheit. 12,20 Minuten mussten die Letztverbraucher im deutschen Nieder- und Mittelspannungsnetz im Jahr 2019 durchschnittlich ohne Strom auskommen, heißt es im aktuellen Monitoring-Bericht. Das ist der Bonner Behörde zufolge die bisher geringste Ausfallzeit seit der ersten Veröffentlichung aus dem Jahr 2006.

Mehr: „EEG-Umlage abschaffen“ – Altmaier kündigt Entlastungen bei den Strompreisen an.

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  • Weitere Details zum schwerwiegenden Zwischenfall im europäischen Stromversorgungssystem: https://www.saurugg.net/2021/blog/stromversorgung/bedenkliche-ereignisse-2021 und Hintergründe zur steigenden Blackout-Gefahr: https://www.saurugg.net/blackout/risiko-eines-strom-blackouts sowie, wie man sich darauf vorbereiten kann: https://www.saurugg.net/leitfaden

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