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Energie

Handelsblatt Energie-Gipfel Vattenfall-Chef Hall zur Energiewende: „Deutschland wird das schaffen“

Im Interview erklärt Magnus Hall, warum sich der Atomkonzern Vattenfall erneuerbaren Energien zuwendet – die Kernkraft aber nicht kampflos aufgeben will.
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Der Energiemanager blickt optimistisch auf die Energiewende, auch für Deutschland. Quelle: dpa
Vattenfall-Chef Magnus Hall

Der Energiemanager blickt optimistisch auf die Energiewende, auch für Deutschland.

(Foto: dpa)

BerlinDer schwedische Energiekonzern Vattenfall hat in Deutschland schon vor drei Jahren den Kohleausstieg eingeleitet. Damals verkaufte er die Braunkohleförderung in der Lausitz und die dazugehörigen Braunkohlekraftwerke. Noch immer verstromt das Unternehmen hierzulande aber Steinkohle.

Auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel in Berlin erläuterte Konzernchef Magnus Hall, wie er Deutschlands Bemühungen um mehr Klimaschutz findet – und wie sein Konzern selbst langfristig Strom ohne das klimaschädliche Kohlendioxid produzieren will.

Herr Hall, Deutschland ist beim Klimaschutz ambitioniert. 2030 sollen die CO2-Emissionen um 40 Prozent niedriger liegen als 1990. Die erneuerbaren Energien sollen dann einen Anteil von 65 Prozent an der Stromerzeugung haben. Kann Deutschland das schaffen?
Ich bin davon überzeugt. Natürlich kann man lange über die einzelnen Details und Maßnahmen reden. Entscheidend ist für mich aber die Art und Weise, wie Deutschland dieses Thema angeht und entscheidet. Es muss bestimmt noch viel angestoßen werden. Deutschland hat aber die Entschlossenheit, das zu schaffen. Ja, ich glaube, dass Deutschland das schaffen wird.

Ihren Optimismus werden nicht alle teilen. Die Politik bringt ja auch viele Belastungen mit sich. Aktuell wird über den Kohleausstieg gestritten. Der wird dazu führen, dass die Strompreise weiter steigen. Die sind in Deutschland im europäischen Vergleich ohnehin schon recht hoch. Was kann Deutschland machen, damit die Strompreise erträglich bleiben?
Es ist wirklich wichtig, dass die Kohlekommission eine klare Richtung vorgibt. Es muss ein Ergebnis sein, das die Menschen verstehen und unterstützen. Wenn der Kohleausstieg akzeptiert wird, werden die Unternehmen das als Chance begreifen und in andere moderne und effiziente Technologien investieren, die für die neue Energiewelt stehen.

Das bringt den Menschen aber nichts, wenn kurzfristig die Preise steigen.
Tatsächlich besteht die Gefahr, dass die Strompreise in Deutschland ein sehr hohes Niveau erreichen. Hierzulande ist der Anteil an Abgaben und Umlagen zu hoch. Das kann die Akzeptanz für den Wandel zunichtemachen. Ich mache mir aber keine allzu großen Sorgen um die Zukunft.

Wenn man von einem System in ein neues kommen will, muss man investieren – und es ist doch besser, in die Zukunft zu investieren, als in alte Technologien. Ich glaube nicht, dass es weniger kosten würde, wenn wir weiter in das alte System investieren würden.

Ein Instrument, das dem Klimaschutz helfen würde, aber die Strompreise weiter nach oben treiben könnte, wäre ein Mindestpreis für CO2-Zertifikate. Wie stehen Sie zu den Forderungen nach einem CO2-Mindestpreis?
Ich bin der festen Überzeugung, dass der Preis für CO2 wichtig ist, um den Umstieg in die neue Energiewelt zu schaffen. Natürlich müssen wir die Sorgen der Industrie um die Wettbewerbsfähigkeit im Weltmarkt ernst nehmen.

Ich finde es aber besser, wenn wir eine Maßnahme für den Klimaschutz in den Mittelpunkt stellen, als auf viele einzelne zu setzen – und das ist der CO2-Handel. Der CO2-Preis steigt aber schon. Das zeigt, dass das System funktioniert.

Ihr Unternehmen hat selbst ambitionierte Ziele bei der Reduktion von CO2. Sie haben aber beispielsweise in Hamburg noch ein Kohlekraftwerk. Hat das noch eine Zukunft?
Natürlich werden wir unsere Kohlekraftwerke so lange betreiben, wie sie noch benötigt werden und bis wir eine Möglichkeit haben, sie zu ersetzen. Wir arbeiten aber intensiv daran. In Berlin wollen wir schon bis 2030 ohne Kohle auskommen, und der gesamte Konzern soll innerhalb einer Generation komplett ohne fossile Energieträger auskommen.

Bis wann konkret?
Wir wollen das nicht an einer konkreten Jahreszahl festmachen. Das kann man kritisieren. Aber was bringt uns eine konkrete Jahreszahl wie zum Beispiel 2042? Für uns ist es wichtiger, dass wir das Ziel ernsthaft verfolgen und dass wir uns eindeutig dazu verpflichten.

Wollen Sie denn in Deutschland Ihr Engagement bei den erneuerbaren Energien ausbauen?
Der Markt ist sehr interessant, aber auch sehr schwierig. Der Wettbewerb hier ist sehr hart. Es gibt hier viele Investoren, die sich mit zum Teil sehr niedrigen Renditen zufriedengeben. Wir wollen uns gern stärker engagieren, schauen uns aber die Wirtschaftlichkeit genau an.

Der Konzern soll innerhalb einer Generation komplett ohne fossile Energieträger auskommen. Magnus Hall – Vattenfall-Chef

Ich glaube zum Beispiel, dass es bei der Offshore-Windindustrie noch viele Möglichkeiten gibt. Wir werden uns die Optionen, die sich ergeben, genau ansehen. Wir werden bestimmt weiter mitspielen, aber eben immer mit einem genauen Businessplan. Ein sehr interessanter Markt ist beispielsweise auch die Solarenergie.

Gerade bei der Offshore-Windenergie ist der Markt aber hart. Bei den letzten Ausschreibungen bekamen Bieter den Zuschlag, die komplett auf staatliche Förderung verzichten wollen. Waren das Ausreißer, oder ist das die Zukunft?
Ich glaube, dass wir das in Zukunft öfter sehen werden. Definitiv. Aber ob das schon kurzfristig die Regel sein wird, das weiß ich nicht. In einigen Bereichen ist man nach wie vor auf Subventionen angewiesen. Aber je weiter die Kosten sinken werden, umso mehr werden die Investoren mit geringen oder sogar ohne Subventionen auskommen. Ich glaube auch, dass sich PPAs mit großen Kunden durchsetzen werden ...

 ... das sind Verträge, bei denen der Strom aus einem Windpark beispielsweise direkt an einen Industriekunden zu einem kostendeckenden Preis abgegeben wird. Macht Vattenfall das schon?
Wir machen das schon seit einer Weile in anderen Ländern – und werden es auch nach Deutschland bringen. Bei den Kunden gibt es eine wachsende Nachfrage nach solchen Lösungen.

Immer wieder wird kritisiert, dass die europäischen Länder ihre Energiepolitik nicht abstimmen. Ihr Unternehmen hat 2018 gemeinsam mit dem Netzbetreiber Tennet einen interessanten Vorschlag unterbreitet. Sie haben angekündigt, Offshore-Windparks länderübergreifend zu vernetzen. Wie konkret sind die Pläne?
Ja, das würde uns wirklich voranbringen, und wir treiben es aktiv voran. Aber es ist sehr kompliziert, und wir stehen erst am Anfang der Debatte. Es macht aber sehr viel Sinn – vor allem wirtschaftlich.

Es ist ja schwierig, den Netzausbau mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien in Einklang zu bringen. Bei der Offshore-Windenergie in Deutschland sorgt es immer wieder für Streit, dass der Netzanschluss an Land von den Netzbetreibern organisiert werden muss. Würden Sie das gern selbst machen?
Wir glauben, dass wir das selbst machen könnten. Aber wenn wir dahin kommen wollen, dass Offshore-Windparks ohne Subventionen auskommen, muss man sich genau anschauen, wie die Risiken am besten verteilt werden.

Nicht nur der Kohleausstieg, auch der Atomausstieg betrifft Vattenfall. Sie haben im Jahr 2012 beim internationalen Schiedsgericht der Weltbankorganisation eine Klage eingereicht und fordern eine Milliardensumme als Entschädigung. Sind Sie nach wie vor zuversichtlich?
Es ist wirklich sehr schwierig einzuschätzen, was dabei herauskommen wird. Wir sind noch immer von unseren Argumenten überzeugt. Das Verfahren zieht sich aber inzwischen schon so lange, dass wir uns überraschen lassen müssen.

Herr Hall, vielen Dank für das Interview.

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