Energie

Handelsblatt-Energietagung „Die Energiewende ist längst geschafft“

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wähnt die Umstellung des Energiemarkts – weg von Atom und Kohle, hin zu Solar und Wind – auf gutem Weg. Volkswirtschaftliche Experimente lehnt er ab. Dennoch treibt ihn eine Sorge.
35 Kommentare
Vizekanzler Sigmar Gabriel sieht noch einige Baustellen bei der Energiewende. Quelle: Dietmar Gust, Euroforum
23. Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft 2016

Vizekanzler Sigmar Gabriel sieht noch einige Baustellen bei der Energiewende.

(Foto: Dietmar Gust, Euroforum)

BerlinAls Sozialdemokrat müsse er Pläne ja eigentlich lieben, witzelte Sigmar Gabriel. Aber bei einem „Masterplan“ für die Energiewende und den Kohleausstieg sei er vorsichtig. „Die Zukunft für das Jahr 2050 präzise beschreiben zu wollen, empfinde ich als ambitioniertes Vorhaben“, erklärte der Wirtschaftsminister am Dienstag auf der 23. Handelsblatt-Energietagung in Berlin. Natürlich gehe es darum, Ordnung in den Umbau des Energiesektors zu bringen, aber im Zentrum dieses Bemühens stehe „mehr Markt, weniger Staat“, so der Vizekanzler.

Volkswirtschaftliche Experimente habe es in der Vergangenheit schon eine Menge gegeben. „Wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht beliebig oft wiederholen“, sagte Gabriel. Nur der Markt sei in der Lage, die rund eineinhalb Millionen Stromerzeugungsanlagen in Deutschland mit dem Energiebedarf von Industrie und Bevölkerung zu koordinieren.

Vor der versammelten Elite der deutschen und europäischen Energiebranche skizzierte Gabriel seine Vorstellungen, wie die Baustellen der Energiewende bestmöglich abgearbeitet werden können. Und davon gibt es viele. Schließlich befindet sich das Elektrizitätssystem in einem beispiellosen Umbruch.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet rasant voran. „Die Energiewende ist längst geschafft“, sagte Gabriel. Schließlich beträgt der Anteil von Biomasse, Solar-, Wind-, und Wasserkraft an der Stromproduktion bereits mehr als 33 Prozent. Bis 2020 dürfte Anteil auf rund 40 Prozent ansteigen.

Gleichzeitig lohnt sich die Stromerzeugung durch fossile Kraftwerke kaum noch. Die beiden größten Energieversorger in Deutschland, Eon und RWE, ziehen aus diesem Umstand radikale Konsequenzen und spalten die Unternehmen auf. Es könne auch in Zukunft noch große Stromkonzerne geben, erklärte Wirtschaftsminister Gabriel. Nachsatz: „Aber vielleicht ohne ein einziges Kraftwerk zu besitzen.“

Handelsblatt Energie Briefing
Gabriel will Strommarkt fitmachen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Handelsblatt-Energietagung - „Die Energiewende ist längst geschafft“

35 Kommentare zu "Handelsblatt-Energietagung : „Die Energiewende ist längst geschafft“ "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Kernkraft ist doch ein riesen Klotz den man Genrationen mit sich rumschleppt! Wie lange bauen die den schon Stade in Hamburg ab? 20 Jahre? Da kriegt eine ganze Generation im Umland Arbeit von! Und wohin mit dem Müll, im Bergwerk verrotten lassen und die Umländer umsiedeln? Und was wenn es gar nicht mehr so billig ist? Dann immer noch bauen? die neuen Teile in Finnland und Frankreich stürzen ihre Konzerne grade an den Rand der Solvenz. Ich wäre da vorsichtiger Kernkraft ist etwas was den Horizont des Menschen einfach übersteigt, dafür kann keiner Verantwortung übernehmen. Ne Windmühle ist in einer Woche umgeschmissen wenn mal was besseres gibt!

  • Herr Lehmann,
    was glauben Sie denn, was der Grudn dafür ist, dass es gerade in der Welt dermassen drunter und drüber geht.

    Die Gründung dieser Konkurrenzbank, die den Dollar-Imperialisten bei der weiteren Befriedung der Welt das Heft aus der Hand zu nehmen droht, ist dort als Kriegserklärung verstanden worden. Mir schwant Böses.

  • Die andere Seite ist aber auch das die Versorgung den Händen von 4 großen Spielern entrissen wurde und auf etliche kleiner Unternehmen, Genossenschaften und Privatleute verteilt wurde!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Stimmt gar nicht: es ist gerade genau andersherum: Arbeitslosigkeit relativ niedrig, Industrie gesund (sicher auch danke der Rabatte beim EEG), haufenweise Nachahmer, kein halbwegs industrialisiertes Land mehr ohne irgend eine Form von EEG mehr.

  • Läuft doch ganz gut mit der Ewende, dass sie schon geschafft ist bezweifel ich aber. Hier ist noch enorm viel zu tun bei der Verknüpfung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr. Ich glaube erst wenn wir es schaffen bei 50% Erneuerbaren über einen harten Winter zu kommen ohne größere Ausfälle kann man von Erfolg reden.
    Das die Förderung jetzt auf Ausschreibungen und Auktionen umgestellt wird ist gut aber auch gefährlich. Die Investitionsgrundlage muss sicher sein sonst schmieren uns die Branchen wieder ab, siehe Q-Cells und Co. Das das ganze kostet ist doch klar, dafür gibts ja auch saubere Energie und außerdem sind doch 80% der Leute immer noch beim teuren Grundversorger, also so schlimm kann es nicht sein.

  • Was die Stromproduktion angeht, so sind wir mit der Energiewende wirklich deutlich weiter als noch vor wenigen Jahren gedacht. In diesem Punkt hat Gabriel sicher recht. Was die Verstromung von Kohle und Braunkohle angeht, so wird das Ende dieser schmutzigsten Art der Stromerzeugung schneller kommen, als von viele noch wahrhaben wollen. Ich vermute, schon 2030 (also in 1 ½ Jahrzehnten) wird Braunkohlestrom bestenfalls eine Randerscheinung sein. Darauf müssen die Menschen in den Braunkohlegebieten vorbereitet sein.

    Aber was ist mit Elektromobilität? Da ist noch viel zu tun. Jetzt überlegt man, Kaufanreize von je 5.000 € auszuloben, die den Verkauf von E-Mobilen ankurbeln sollen. Das ist nach meiner Meinung der falsche Weg. Warum bekommen öffentliche und private Ladestationen keinen Zugang zu Energie, die vom Börsenstrompreis abhängig ist? Bei viel Wind und/oder viel Sonne würde ein großer Anteil des „Überschussstroms“ durch die Akkus der E-Cars aufgenommen. Bei Gesamtkosten von nur noch 4-5 Cent/kWh liegen die „Spritkosten“ bei etwa 1 Cent pro Kilometer. Da rechnet sich ein E-Car, die systembedingten Schwankungen der Stromproduktion aus EE wird abgefedert, wir blasen weniger Dreck in die Luft und der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 wird auch noch reduziert..Eine win-win-win-win Situation.

    Was ist mit Heizenergie? Warum wird die Förderung zur Einsparung von fossilen Energieträgern zum Verheizen nicht gezielter unterstützt.

    Das Ziel, unserer Energieversorgung auf 100 % Erneuerbare Energien umzustellen, ohne Lebensstandard einzubüßen, ist noch lange nicht in Sichtweite.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Oh Mann Gabriel... Lt.: http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/2_abb_anteil-ee-pev-eev_2015-06-25.pdf beträgt der Anteil "erneuerbarer" Energie am Gesamtenergiebedaf etwa 11,1-12,4%
    Von einer Wende kann bestenfalls ab einem Anteil von 50% gesprochen werden.

  • Herr lehman,
    tatsächlich kann man den Eindruck gewinnen, dass diese 62 Pappnasen heir so viel Zeit haben, sich lauter tolle Dinge und Storys zu überlegen, um ihren märchenhaften Reichtum weiter zu erhöhen und den Rest der Menschheit arm und dumm zu halten. Und man kan auch den Eindruck gewinnen, jede Menge dieser "Politiker" -oder solte man eher Kapitallobbyisten sagen?- lassen sich darauf ein.

    http://www.fundresearch.de/Nachrichten/Top-Themen/Oxfam-Studie-Die-Welt-Ein-Wirtschaftssystem-fuer-Superreiche-.html

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%