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Energie

Handelsblatt-Stahltagung „Schicksalsjahr für die Stahlindustrie“

Chinesische Billigimporte, Klimaschutzverschärfungen, steigende Strompreise: Die europäische Stahlindustrie durchlebt eine existenzielle Krise. 2016 wird das Jahr der Entscheidung: Es geht um Leben oder Tod.
16.02.2016 - 13:36 Uhr
Tausende Stahlkocher machten am Montag in Brüssel auf die Notlage ihrer Branche aufmerksam. Quelle: Reuters
Protest vor dem Gebäude der EU-Kommission

Tausende Stahlkocher machten am Montag in Brüssel auf die Notlage ihrer Branche aufmerksam.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Hans Jürgen Kerkhoff wurde um ein paar aufmunternde Worte gebeten. Doch so sehr er sich auch mühte – positive Nachrichten fielen dem Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl beim besten Willen nicht ein. Bei der 20. Handelsblatt-Stahltagung in Düsseldorf übte sich Kerkhoff in Realismus. Nüchtern dozierte er über Import- und Exportzahlen. Und warnte eindringlich: „Sollte China seine Strukturprobleme weiter auf die EU abladen, ist die gesamte Stahlindustrie in Europa in ihrer Existenz bedroht.“

Die Branche ist in Aufruhr. Allein in den vergangenen sechs Monaten sind in Europa 7000 Arbeitsplätze in Hütten verloren gegangen. Der größte Stahlhersteller der Welt, Arcelor-Mittal, meldete jüngst den höchsten Verlust in der Unternehmensgeschichte. Thyssen-Krupp, der deutsche Branchenprimus, ist wegen seiner darbenden Stahlsparte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ebenfalls ins Minus gerutscht. Andere Hersteller wie Salzgitter sind nur noch deshalb im Plus, weil sie immer neue Sparrunden beschließen.

Verbandspräsident Hans Jürgen Kerkhoff warnt, dass die Existenz der Branche in Gefahr ist. Quelle: Uta Wagner für Handelsblatt
Handelsblatt-Stahltagung

Verbandspräsident Hans Jürgen Kerkhoff warnt, dass die Existenz der Branche in Gefahr ist.

(Foto: Uta Wagner für Handelsblatt)

Schuld an der Misere ist China – da ist sich die europäische Stahlindustrie völlig einig. Der Vorwurf: Das Riesenreich überschwemme die Weltmärkte mit Billigstahl. Sinosteel & Co. könnten dies aber nur, weil sie politische und finanzielle Rückendeckung aus Peking haben, die es den Konzernen erlaube, Stahl auch unterhalb der Herstellungskosten zu verkaufen.

Hans Jürgen Kerkhoff beobachtet die Entwicklung seit Jahren. Aber „niemals“ sei die Bedrohung durch chinesische Überkapazitäten so groß gewesen wie derzeit. „Das internationale Wettbewerbsumfeld ist in einem Umfang verzerrt, wie wir es bislang noch nicht erlebt haben“, sagte der Stahllobbyist. Als Beleg für seine Ausführungen hatte Kerkhoff reichlich Zahlenmaterial im Gepäck.

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    Die globalen Stahlexporte sind im vergangenen Jahr auf ein Rekordniveau von 355 Millionen Tonnen gestiegen. Davon entfällt nahezu jede dritte Tonne auf China. Die chinesische Stahlindustrie habe ihre Stahlexporte auf 111 Millionen Tonnen verdoppelt, während im Rest der Welt die Produktion um 20 Tonnen reduziert wurde.

    China ist der größte Stahlproduzent der Welt. Aber weil die Konjunktur in Fernost stockt, sitzt das Land auf gigantischen Überkapazitäten von 400 Millionen Tonnen Stahl. Um zehntausende Arbeitsplätze zu retten, flutet Peking die Märkte mit Billigstahl. Besonders bedroht davon sei die EU erklärt Kerkhoff: „Keine andere Region musste im vergangenen Jahr in derartigen Umfang eine Verschlechterung im Stahl-Außenhandelssaldo hinnehmen.“

    Als geradezu „grotesk“, empfände es Kerkhoff deshalb, wenn die EU dieses Jahr China den Status der Marktwirtschaft verleihen würde. Dadurch könnte sich Europa noch schwerer gegen chinesisches Dumping wehren, klagt Kerkhoff. Zudem seien die Voraussetzungen „überhaupt nicht erfüllt“.

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