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Energie

Hauptversammlung RWE-Chef wirbt für den Deal mit Eon – die Aktionäre sind skeptisch

Wütende Umweltschützer, kritische Aktionäre: Der RWE-Chef versucht auf der Hauptversammlung die Anteilseigner für den Deal mit Eon zu überzeugen.
26.04.2018 - 09:34 Uhr 1 Kommentar
RWE-Chef Rolf Martin Schmitz wirbt für den Deal mit Eon Quelle: Reuters
RWE-Chef Rolf Martin Schmitz

„Diese Transaktion sichert die Zukunft von RWE.“

(Foto: Reuters)

Essen „Hopp, hopp – Kohlestopp“, skandierten die Umweltschützer. Auf großen Transparenten und Bannern vor der Essener Grugahalle forderten sie „Zukunft, statt Kohle“ oder „Kohle stoppen – Klima retten“.

Zwei, drei Dutzend Aktivisten von Greenpeace, Urgewald oder Attac waren zur RWE-Hauptversammlung gekommen, um gegen ihr Feindbild Nummer eins zu demonstrieren: Den Stromproduzenten, der nicht nur wie kein zweiter Kohle verstromt – sondern auch Braunkohle fördert.

Auch auf der Rednerliste hatten sich viele Aktivisten gemeldet. Auch wenn Vorstandschef Rolf Martin Schmitz sie wohl nie auf seiner Seite sehen kann, hat er bei dieser Hauptversammlung eine schwierige Aufgabe vor sich. Er muss die restlichen Aktionäre allem für eines gewinnen: Den Mitte März angekündigten Deal mit Eon, bei dem sich RWE von der Tochter Innogy trennen und auch ein gutes Stück sauberer werden will.

„Mit dem Verkauf unserer Innogy-Anteile und dem Tausch von Geschäftsfeldern machen wir RWE dauerhaft zu einem der führenden Stromerzeuger Europas“, sagte Schmitz: „Diese Transaktion sichert die Zukunft von RWE.“ Auf einen Schlag werde sich RWE zum zweitgrößten Offshore-Wind-Betreiber und zur Nummer drei bei den erneuerbaren Energien insgesamt in Europa entwickelt. „Wir vergrößern unser operatives Geschäft deutlich. Und wir verbessern unser Risikoprofil.“

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    Auf Innogys Hauptversammlung am Dienstag hatte es von den Aktionären viel Kritik für den Deal gegeben, schließlich wird der Newcomer schon wieder zerschlagen. Bei RWE kam der Plan grundsätzlich besser an – aber auch hier blieben die Aktionäre skeptisch.

    „Durch den Deal mit Eon hat RWE wieder eine bessere Zukunftsperspektive, aber die alten Probleme werden damit nicht auf einen Schlag gelöst“, sagte Thomas Deser, Portfoliomanager bei Union Investment. Es sei zu begrüßen, dass die erneuerbaren Energien zu RWE hinzu kommen sollen, weil sich dadurch „die CO2-Risiken im Geschäftsmodell“ verringern würden. Aber die erneuerbaren Energien seien „kein Selbstläufer“ mehr, weil die üppigen Subventionen durch Auktionen abgelöst würden.

    „Wir werden eine ganz neue RWE haben – mit einer deutlichen Erhöhung des Risikos“, meinte Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

    RWE gebe mit Innogy das stabile und risikoarme Netzgeschäft ab und erhalte das deutlich riskantere Geschäft mit erneuerbaren Energien. Dadurch könne sich das „wirtschaftliche und bilanzielle Risikoprofil“ verändern. Ratingagenturen würden auch schon eine Abstufung prüfen. Hechtfischer forderte, dass der Deal noch einer Hauptversammlung vorgelegt werden müsse.

    Joachim Krekel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) sprach von einem „Paukenschlag“. „Der Kapitalmarkt sagt Ja zum Deal und findet ihn gut.“ RWE gehe die Zukunft endlich selbst bestimmt an, statt nur zu reagieren. Der Deal gehe aber zu Lasten der Tochter Innogy - und es sei fraglich, ob er für RWE vorteilhaft sei: „Es scheint, als ob Eon das bessere Geschäft gemacht hat.“

    RWE gibt Eon die verbliebenen 76,8 Prozent an der Innogy SE, die der Konzern erst vor zwei Jahren abgespalten und an die Börse gebracht hatte. Im Gegenzug erhält Eon einen Anteil von 16,7 Prozent an Eon. Vor allem aber bekommt RWE neben anderen Aktivitäten die Stromproduktion mit erneuerbaren Energien, die bislang Innogy und Eon jeweils betreiben.

    Der Energiekonzern, der sich bei der Aufspaltung vor zwei Jahren noch komplett auf die konventionelle Erzeugung konzentriert hatte, wird künftig also wieder das komplette Spektrum abdecken – von Wind- und Solarenergie über Kohle- und Gaskraftwerke bis Atomreaktoren.

    Und auch die Strategie im bisherigen Kerngeschäft, der konventionellen Stromerzeugung müsse weiter entwickelt werden. Hier schloss sich Deser der Kritik der Umweltschützer an: „RWE ist nach wie vor der größte Kohlendioxid-Emittent in Europa – ein trauriger Negativrekord“, sagte er: „Hohe CO2-Emissionen sind gleichbedeutend mit hohen Kosten.“

    Die kommunalen Aktionäre, die noch rund 24 Prozent der Anteile halten, begrüßen die Transaktion aber eindeutig. „Die Aufteilung der Aufgaben von Innogy auf RWE und Eon und die Beteiligung der RWE AG an der Eon SE halten wir strategisch und finanzwirtschaftlich für richtig“, sagte Wolfgang Kirsch, Geschäftsführer bei der Vereinigung kommunaler RWE-Aktionäre (VKA).

    Er machte aber auch deutlich, dass Eon genauso wie bisher RWE und Innogy auf die Partnerschaft mit den Kommunen vor Ort angewiesen ist. Schließlich will Eon von Innogy rund 100 Beteiligungen an Kommunalversorgern übernehmen und fast 4000 Konzessionsverträge, die zum Betrieb von lokaler Strom- und Gasnetze berechtigen.

    In fast all diesen Verträgen gebe es sogenannten Change-of-Control-Klauseln, die den kommunalen Partnern beim Eigentümerwechsel ein Sonderkündigungsrecht einräumen, erläuterte Kirsch. Die Regelungen seien sehr verschieden gestaltet. „Dass in den Rathäusern die Anwendung dieser Klauseln überprüft wird, ist ein notwendiger und völlig normaler Vorgang“, sagte Kirsch.

    Er gehe davon aus, dass das Management von RWE einen Sitz im Aufsichtsrat von Eon bekomme, sagte Kirsch: „Wir hoffen, dass das Mandat genutzt wird, um die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und Eon zu begleiten und zu fördern.“

    Milde gestimmt hatte Schmitz die Aktionäre – insbesondere die Kommunen – vor allem mit der geplanten Dividende. Nachdem die Stammaktionäre zwei Jahre lang auf eine Ausschüttung verzichten mussten, erhalten sie für 2017 nicht nur 50 Cent je Aktie – sondern auch eine Sonderdividende von einem Euro. RWE lässt die Anteilseigner an der Rückerstattung der Brennelementesteuer teilhaben.

    Das Bundesverfassungsgericht hatte im vergangenen Sommer die Steuer gekippt, die der Bund mehr als fünf Jahre lang von den Atomkonzernen kassiert hatte. Der Bund zahlte alleine RWE rund zwei Milliarden Euro zurück.

    Und auch die weiteren Aussichten kommen bei den Aktionären gut an: „Mittelfristig stimmt uns die wirtschaftliche Perspektive optimistisch“, sagte Schmitz: „Daher wollen wir die Dividende für 2018 auf 70 Cent steigern. Für 2019 sehe wir weiteres Potenzial nach oben.“

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    • Der Energiesektor wird nicht Gesunden mit Opaklamotten.

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