Energie

Hauptversammlung „Uniper ist Spielball der Hedgefonds“

Uniper-Chef Klaus Schäfer muss sich auf der Hauptversammlung gegen Hedgefonds wehren. Noch-Großaktionär Eon drückt sich vor Entscheidungen.
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Uniper HV: Chef Klaus Schäfer muss sich gegen Aktivisten wehren Quelle: dpa
Klaus Schäfer

Der Uniper-CEO kämpft für die Eigenständigkeit seines Unternehmens.

(Foto: dpa)

EssenKaum ein Manager in Deutschland kämpft derzeit so energisch für die Eigenständigkeit seines Unternehmens wie Uniper-Chef Klaus Schäfer. Seit Herbst wehrt er sich gegen die Übernahme des Stromproduzenten durch den finnischen Konkurrenten Fortum.

Und inzwischen muss er sich auch mit aggressiven Hedgefonds herumschlagen. Auch am Mittwoch auf der Hauptversammlung in der Essener Grugahalle pochte Schäfer wieder auf die Selbstständigkeit von Uniper. „Weil es absehbar der beste Weg ist“, hielt er entschlossen fest.

Tatsächlich hat Schäfer aber schon einen großen Teil der Kontrolle verloren. „Uniper träumt von der Eigenständigkeit, aber faktisch ist man auch künftig Spielball eines Großaktionärs, der fast 50 Prozent hält, Spielball der Politik und derzeit obendrein noch Spielball der Hedgefonds“, sagte Thomas Deser, Portfoliomanager von Union Investment. „Uniper ist weitgehend fremd bestimmt“, sagte auch Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Zwar hat Schäfer viele Aktionäre vom Verkauf an Fortum abgehalten, die Finnen werden aber mit 47,12 Prozent Großaktionär. Die restlichen Genehmigungen sollen bald vorliegen.

Gleichzeitig haben sich im Zuge des Übernahmekampfes eine Reihe an Hedgefonds eingekauft – allen voran der aggressive US-Investor Elliott. Er hält über den in Luxemburg ansässige Fonds Cornwall gut acht Prozent und war zur Hauptversammlung mit mehreren Rechtsanwälten angerückt. Elliott und Cornwall fordern eine Sonderprüfung. Sie werfen Schäfer und seinem Team Pflichtverletzungen im Kampf gegen die Übernahme durch Fortum vor.

Kampfabstimmung soll verschoben werden

Schäfer hatte die Offerte der Finnen unmittelbar und mit scharfen Worten zurückgewiesen und so verhindert, dass viele Aktionäre dem Beispiel von Ex-Mutter Eon folgten, die schon im Vorfeld Fortum das verblieben Paket von 46,7 Prozent zugesagt hatte.

Fragen wirft aber vor allem der Genehmigungsprozess auf. In Russland, wo Uniper im großen Stil Strom produziert, wurde der Einstieg von Fortum zwar gebilligt, aber nur bis zu einer Höhe von 50 Prozent. Das erschwert es den Finnen im Nachgang doch die Kontrolle zu erwerben – und durchkreuzte die Hoffnungen der Hedgefonds auf ein hohes Abfindungsangebot. Fortum-Chef Pekka Lundmark warf dem Uniper-Vorstand vor, in Russland aktiv gegen die Transaktion gearbeitet zu haben.

Die Kampfabstimmung über den Antrag auf Sonderprüfung wird aber vermutlich verschoben. Ex-Mutterkonzern Eon, der seine Aktien wegen ausstehender Genehmigungen noch nicht vollziehen konnte, beantragte auf der Hauptversammlung, die Abstimmung über die Bestellung eines Sonderprüfers ebenso bis zur nächsten Hauptversammlung zu vertagen wie auch die Entlastung des Vorstands insgesamt.

Der Antrag auf Sonderprüfung könne erst komplett bewertet werden, wenn die Transaktion endgültig genehmigt sei, erklärte Eons Chefjustiziar Guntram Würzberg. Erst wenn alle Genehmigungen vorliegen sei eine „vollständige Beurteilung“ des Sonderprüfungsantrags möglich.

Gleichzeitig werde die Entscheidung in „die Hände der zukünftigen Anteilseigner“ gelegt. Weil auch der Tagesordnungspunkt „Entlastung des Vorstands“ unmittelbar mit dem Verhalten des Managements im Übernahmeverfahren zusammenhänge, müsse auch diese Abstimmung vertagt werden.

Dabei haben die anderen Aktionäre überwiegend keine Probleme mit der Arbeit des Vorstands. Union-Investment-Vertreter Deser sprach sich für die Entlastung aus und sieht auch keinen Sinn in der Sonderprüfung: „Den Sonderprüfungsantrag unterstützen wir nicht“, sagte er.

DSW-Vertreter Hechtfischer würde den Vorstand auch entlasten: „Ich sehe keine Verfehlungen.“ Die Vertagung der Abstimmung über die Sonderprüfung würde er aber begrüßen. Dafür sei es schlicht zu früh, weil der Deal ja noch gar nicht abgeschlossen sei.

Zweifel an konstruktiver Zusammenarbeit

Allerdings haben die Aktionäre inzwischen auch genug von Schäfers Abwehrkampf. „Uniper sollte aus der gegebenen Situation das Beste machen und sich nicht länger gegen den Einstieg von Fortum wehren, denn es ist unwahrscheinlich, dass die Kartellbehörden die Transaktion zwischen Eon und Fortum noch untersagen“, sagte Deser.

Schäfer sieht das selbst inzwischen auch so: Der Erwerb der 47,12 Prozent durch Fortum könne „voraussichtlich in den nächsten Wochen final vollzogen werden“: „Es wird dann darum gehen, mit der neuen Großaktionärin Fortum eine Verständigung zu erzielen, die die Interessen der Gesellschaft, der Mitarbeiter und der Aktionäre bestmöglich widerspiegelt“, sagte Schäfer.

„Wir werden darauf hinarbeiten, die Grundlagen für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Fortum und Uniper zu schaffen, denn wir sind überzeugt, dass dies langfristig der Wertschaffung dient – und zwar aus Sicht beider Unternehmen.“

Aber ist das noch möglich? Schon zu Beginn hatte Fortum-Chef Pekka Lundmark solche Gespräche angeboten und beide Parteien haben auch schon verhandelt – bislang aber ohne Ergebnis.

Gleichzeitig hintertrieb Schäfer nach Lundmarks Auffassung aber den Einstieg. Portfoliomanager Deser ist jedenfalls skeptisch: „Wie wollen Sie – nach allem was vorgefallen ist – mit Herrn Lundmark noch konstruktiv zusammenarbeiten, Herr Schäfer?“

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