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Energie

Hauptversammlung Uniper und Fortum streiten vor den Augen der Aktionäre

Der finnische Großaktionär setzt durch, die Entlastung des Uniper-Vorstandes zu vertagen. Der Aufsichtsratschef ist verärgert und sieht einen „Misstrauensbeweis“.
Update: 22.05.2019 - 16:21 Uhr Kommentieren
Der Uniper-Chefaufseher bezeichnete die Vertagung als „vollkommen unverständlich“ und als „Beweis für das Misstrauen gegenüber dem Vorstand“. Quelle: dpa
Bernhard Reutersberg

Der Uniper-Chefaufseher bezeichnete die Vertagung als „vollkommen unverständlich“ und als „Beweis für das Misstrauen gegenüber dem Vorstand“.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Streit zwischen dem Stromproduzenten Uniper und seinem Großaktionär Fortum hat sich wieder verschärft. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Düsseldorf setzte der finnische Energiekonzern, der inzwischen 49,99 Prozent der Anteile hält, eine Vertagung der Entlastung des Vorstandes durch – und zwar für die Jahre 2017 und 2018.

Damit stellten sich die Finnen gegen die Empfehlung des Aufsichtsrates. Der hatte – mit Ausnahme des Vertreters von Fortum – die Entlastung ausdrücklich empfohlen.

Aufsichtsratschef Bernhard Reutersberg kritisierte die Verschiebung scharf. Er bezeichnete die Vertagung als „vollkommen unverständlich“: Die Entlastung des Uniper-Vorstands ohne nachvollziehbare Gründe jetzt erneut vertagen zu wollen, sei „für mich ein klarer Beweis für das Misstrauen gegenüber dem Vorstand von Uniper.“

Dabei hatte Reutersberg selbst erst Anfang Februar das eigene Management verpflichtet, mit Fortum einen Neuanfang zu suchen. Die Kooperationsgespräche dürften durch den Zwist auf der Hauptversammlung wieder erschwert werden.

„Die Chance, die heutige Hauptversammlung auch dazu zu nutzen, dies hier und heute unter Beweis zu stellen, hat Fortum leider vertan und damit die Basis für konstruktive Gespräche nachhaltig gestört“, kritisierte Reutersberg.

Am Vortag hatte Fortum-Chef Pekka Lundmark im Gespräch mit dem Handelsblatt zwar erklärt, dass die Gespräche über die künftige Zusammenarbeit vorankommen. Lundmark sieht aber ebenfalls noch Knackpunkte – und er kündigte an, die Entlastung des Vorstandes für die Jahre 2017 und 2018 vertagen zu wollen. Er kritisiert nach wie vor das Verhalten des Managements während der Übernahmeofferte.

Das Verhältnis des größten Aktionärs zum deutschen Stromproduzenten ist seit Herbst 2017, als die Finnen ihre Offerte veröffentlichten, gespannt. Fortum stieß beim Management von Uniper um CEO Klaus Schäfer von Anfang an auf heftigen Widerstand.

Den Finnen gelang es zwarm sich trotzdem 49,99 Prozent der Anteile zu sichern. In Russland, wo Uniper einen großen Stromproduzenten betreibt, verhängten die Genehmigungsbehörden aber eine brisante Auflage: Fortum darf nicht die Schwelle von 50 Prozent überspringen. Seither steht der Vorwurf ihm Raum, das Uniper-Management habe nicht genug dafür getan, die Auflage zu vermeiden.

Hedgefonds bringen sich in Stellung

Der Vorwurf wird von anderen großen Aktionären geteilt, die auf eine Übernahme durch Fortum hoffen – und anschließend auf eine hohe Abfindung. Schon vor einem Jahr hatte Hedgefonds Elliott, der inzwischen 17,8 Prozent der Anteile hält, eine Sonderprüfung zu den Vorgängen in Russland beantragt. Die lehnte Fortum zwar ab, der Antrag wurde mit den Stimmen der Finnen zurück gewiesen.

Fortum ließ über einen Anwalt aber den Antrag einbringen, die Entlastung des Vorstands zu vertagen. „Fortums Unzufriedenheit mit dem Vorstand bezieht sich alleine auf die Vorgänge in Russland“, erklärte Anwalt Matthias Cloppenburg. Fortum habe nicht – wie zugesagt – Zugang zu Unterlagen zum Genehmigungsverfahren in Russland bekommen.

Das stößt bei Aufsichtsratschef Reutersberg auf scharfe Kritik. Er betonte, dass der Aufsichtsrat sich eingehend mit den Vorwürfen beschäftigt und unter anderem ein Rechtsguthaben in Auftrag gegeben habe. „Es gibt keine Anhaltspunkte für Pflichtverletzungen des Vorstands“, sagte Reutersberg.

„Der Vorstand verwehrt sich dem neuen Großaktionär nicht“, sagte der Aufsichtsratschef. Die Zusammenarbeit sei aber schwierig, solange Fortum seine „wirklichen strategischen Ziele nicht offenlegt“. Er kritisierte mehrfach, dass der Großaktionär aus seinen „mittel- und langfristigen Plänen“ ein Geheimnis mache.

Reutersbergs klare Worte sind umso kritischer, da der Aufsichtsratschef selbst im Februar von seinem Management einen Neuanfang in den Beziehungen zu Fortum gefordert hatte. Seither loten die Unternehmen die Chancen die Möglichkeiten der Kooperation aus. Zudem scheiden Schäfer und Finanzvorstand Delbrück Ende Mai aus. Die Nachfolger sind auch schon bestimmt: Ex-Thyssen-Krupp-Manager Andreas Schierenbeck wird neuer CEO und Sascha Bibert von Eon übernimmt das Finanzressort.

Als Knackpunkte stellen sich dabei aber die Auflage in Russland und die mögliche Übernahme der Mehrheit durch Fortum heraus. „Wenn man über die Entwicklung gemeinsamer Projekte spricht, ist das vielleicht noch relativ einfach, sofern die Interessenlage ähnlich ist“, sagte Finanzvorstand Christopher Delbrück, der den erkrankten CEO Klaus Schäfer vertrat. „Sobald aber strukturelle Veränderungen im Fokus stehen und es an die Grundfesten der strategischen Aufstellung geht, ändert sich der Handlungsspielraum drastisch.“

Rating-Agentur sieht „gravierende finanzielle Risiken“

Für den Vorstand sei „die Sicherstellung eines stabilen Investmentgrades die rote Linie für jegliche Form der Kooperation“, hielt Delbrück fest. Im vergangenen Jahr habe die Rating-Agentur Standard & Poor’s in einem Bericht festgestellt, dass eine Übernahme von Uniper durch Fortum „gravierende finanzielle Risiken“ für die Geschäftsaktivitäten haben könne. „Demnach könnte unser Rating herabgesetzt werden, wenn Fortum eine Mehrheitsbeteiligung an Uniper erwirbt und die Unabhängigkeit von Uniper verringert würde.“

Angesichts der bilanziellen Situation von Fortum müsse der Vorstand dies stets im Blick behalten, „was die Gespräche mit Fortum über mögliche Lösungsräume nicht immer einfach macht – insbesondere, wenn Russland das alles bestimmende Thema ist“.

Der Streit mit dem größten Aktionär bewegt auch die anderen Anteilseigner – mit unterschiedlichen Sichtweisen. Daniel Voss von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) beklagte das „Störfeuer von Mitaktionären“: „Wir sind der Auffassung, dass die großen Aktionäre ihrer Verantwortung nicht gerecht werden.“ Er könne nicht erkennen, was Fortum mit Uniper vorhabe.

Thomas Deser von Union Investment gibt dagegen dem Vorstand die Schuld: „Wir sehen einen ehemaligen Börsenliebling, der durch die Blockadepolitik des Vorstands zum Spielball der Hedgefonds geworden ist.“

Der Vorstand habe einen „aussichtslosen Abwehrkampf“ geführt: „Sie haben sich zu lange gegen eine Zusammenarbeit mit dem Großaktionär Fortum gewehrt“, sagte Deser: „Es war ein Kampf auf verlorenem Posten, der dem Unternehmen, den Mitarbeitern und den Aktionären geschadet hat.“ Union Investment wollte deshalb dem Vorstand sogar die Entlastung verweigern.

Bis Dienstagnachmittag war Uniper noch mit besonders drastischen Anträgen konfrontiert. Elliott forderte das Management auf, mit Uniper einen Beherrschungsvertrag abzuschließen. Investor Knight Vinke, der fünf Prozent der Anteile hält, forderte eine Aufspaltung des Unternehmens. Vorrangig sollte das russische Geschäft abgespalten werden.

Fortum wäre dann an zwei Unternehmen mit 49,99 Prozent beteiligt gewesen, hätte die Auflage in Russland umgehen und die Mehrheit übernehmen können. Die Anträge wurden aber am Dienstag kurzfristig zurückgezogen. Fortum hätte sie, wie Lundmark erklärte, auch nicht unterstützt.

Ein Vertreter von Knight Vinke erklärte, man wolle dem Vorstand die Chance geben, die bestehende Blockadesituation selbst aufzuheben. Sollte das nicht in den kommenden Monaten gelingen, werde man aber die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung für Herbst diesen Jahres prüfen – auf der könnte dann doch noch über den Antrag auf Aufspaltung abgestimmt werden.

Mehr: Bei Uniper ist der neue Großaktionär Fortum umstritten. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Fortum-Chef Pekka Lundmark aber, dass er keinesfalls vorhat, das Energieunternehmen zu zerschlagen.

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