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Energie

Hinkley Point C Neues Atomkraftwerk wird zum Milliardengrab

Seite 2 von 2:
Auf die Steuerzahler kommen hohe Kosten zu

Hier schippert zum ersten Mal Atom-Müll über den Neckar

Die Kosten für das Mega-Projekt, das 2025 abgeschlossen werden sollte, wurden ursprünglich auf knapp 16 Milliarden Pfund (18,3 Milliarden Euro) veranschlagt. Doch diese Zahlen sind längst überholt. Zum Baubeginn im vergangenen September wurde die Summe auf rund 18 Milliarden korrigiert. Mittlerweile rechnet EDF mit bis zu 20,3 Milliarden Pfund (23,2 Milliarden Euro), wie das Unternehmen am Montag mitteilte.

Zudem bestehe das Risiko, dass der Bau der ersten Einheit des Atomkraftwerks sich um 15 Monate verzögere, die des zweiten um neun Monate. Grund dafür sei „das bessere Verständnis für Anpassungen der Ausgestaltung“, die man vornehmen müsse, um den britischen Vorschriften Rechnung zu tragen sowie dem „Umfang und der Abstimmung der Arbeiten und Leistungen der Zulieferer“. Höhere Kosten mindern natürlich die erhoffte Rendite: EDF erwartet nun eine Rendite des Gesamtprojektes bei 60 Jahren Laufzeit von 8,5 Prozent pro Jahr, zuvor hatte der Konzern neun Prozent einkalkuliert.

Diese Zahl basiert nicht zuletzt darauf, dass die britische Regierung den Investoren eine Preisgarantie gegeben hat. Über 35 Jahre erhält Hinkley Point einen Preis von 92,50 Pfund pro Megawatt-Stunde. Das wurde bereits am Anfang der Verhandlungen 2013 festgelegt. Sollte der Marktpreis unter diesem Wert liegen, zahlt der britische Steuerzahler die Differenz.

Diese Vereinbarung hatte in Großbritannien für viel Kritik gesorgt. Schließlich erwarten viele Experten, dass der Strompreis in den kommenden Jahren sinken dürfte und alternative Energiequellen günstiger Strom produzieren. Einer Untersuchung des britischen Rechnungshofes zufolge kommen deswegen auf die Steuerzahler in Großbritannien Milliardenkosten zu. Die zu erwartenden Kosten seien von anfangs sechs Milliarden Pfund auf nunmehr 30 Milliarden Pfund gestiegen. „Die von der Regierung erzielte Vereinbarung für Hinkley Point C verpflichtet die Verbraucher zur Teilnahme an einem riskanten und teuren Projekt mit ungewissen strategischen und wirtschaftlichen Vorteilen“, kritisierte der Rechnungshof.

Das Drama um Hinkley Point ist ein Kapitel länger – und keineswegs zu Ende, selbst wenn die nun mitgeteilten Verzögerungen den britischen Steuerzahler nicht treffen sollen: „Für die Baukosten, einschließlich möglicher Budgetüberschreitungen, kommt der Bauunternehmer auf“, sagte eine Regierungssprecherin der BBC. „Bis Hinkley Point gebaut ist, zahlen die Verbraucher keinen Penny“. Aber bis dahin kann noch viel passieren.

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16 Kommentare zu "Hinkley Point C: Neues Atomkraftwerk wird zum Milliardengrab"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hallo Herr Europaeer...mir sind zahlreiche sachfremde Schikanen gegenüber der Kernenergie in Deutschland bekannt, willkürliche Auflagen, Prüfungen, Verzögerungen beim Wiederanfahren sind normal, bis hin zu willkürlichen Baustopps und Stilllegungen ganzer Kraftwerke. Das hat die Branche einen 2-stelligen Milliardenbetrag gekostet. Subventionen sind mir in der Tat nicht bekannt.

    Es gibt die bekannten Artikel von Greenpeace und Genossen die gerne von den Qualitätsmedien repetiert werden in denen fiktive, nicht erhobene Steuern, Rückstellungen, Abschreibungen als Atomsubvention deklariert werden. Ich denke jedoch dass sich erwachsene Menschen einen solchen Unsinn nicht antun sollten.

  • Herr Holger Narrog - 04.07.2017, 14:52 Uhr

    "Von Subventionen für die kommerzielle Kernenergie in Deutschland/Schweiz habe weder ich noch mein Umfeld das sich teils damit beruflich Jahrzehnte beschäftigt hat, gehört."

    Das haben Sie fein ausgedrückt. Zu sagen "Die Kernenergie in Deutschland/Schweiz wird nicht subventioniert" kam selbst Ihnen dann doch zu absurd vor.

  • Hallo Herr Steiner,

    ich denke Sie haben viele Texte der Qualitätsmedien gelesen und sind stolz darauf.

    Grundsätzlich generiert die Kernenergie im Vergleich zu Kohle, aber auch zu umweltschädlichen Solaranlagen und Windmühlen viel geringere Mengen an Sondermüll die auch noch zerfallen. Wenn eine politische Klasse jede Entsorgungslösung verhindert und dies dann stolz preist, so ist das vergleichbar wenn Ihnen jemand das Auto zerstört und dann anschliessend predigt das dieses nicht funktioniere...Faszinierend ist, dass Sie sich so etwas vorsetzen lassen.

    Die Ausbeute von 129J ist bei der Kernspaltung gering. Aufgrund der langen Halbwertszeit ist die Strahlung desselben niedrig. Das ist ähnlich wie 40K von dem Sie viel in Ihrem Körper herumtragen. Aufgrund der langen Halbwertzeit strahlen Sie nur mit ca. 10000 Bq. Das Isotop 129J steht in der naturwissenschaftlichen Kerntechnik nicht im Mittelpunkt. Ich vermute dass irgendein Ökologe das irgendwo gefunden hat und stolz zum Besten gibt. Kritische Isotope sind aus kerntechnischer Sicht eher 99Tc.

    Von Subventionen für die kommerzielle Kernenergie in Deutschland/Schweiz habe weder ich noch mein Umfeld das sich teils damit beruflich Jahrzehnte beschäftigt hat, gehört. Wenn Sie solche kennen sollten Sie idealerweise eine Unternehmensberatung gründen und Ihr Wissen feilbieten.

  • @Herr Ciller Gurcae:

    "Ich freue mich schon darauf, den guten, preiswerten und sauberen Strom aus Hinckley Point zu beziehen."

    Das ist in etwa genauso als würde ich sagen, ich fahre ein Elektro-Fahrzeug und schone damit die Umwelt - Ein absoluter Irrglaube, denn der Stromer bezieht seine Energie zwar aus der Steckdose, der Prozess dahinter allerdings ist nicht "grün".

    Wenn man die Atomkraft so lobt, dann möge man mir mal bitte erklären, was mit dem radioaktiven Abfall passiert. Das Thema Entsorgung ist keineswegs vernünftig gelöst. Und in jedem Abfalls-Cocktail befinden sich Elemente mit einer großen Halbwertszeit. Ich meine jetzt nicht nur Spaltprodukte wie Cäsium-137 (30 Jahre Halbwertszeit) sondern auch Spaltprodukte wie Iod-129 (15,7 Mio. Jahre Halbwertszeit) und noch vieles mehr.

    Von wegen sauberer Atomstrom... Bezahlbar mag er vielleicht sein, aber unter anderem auch nur deshalb, weil er subventioniert wird und weil es weltweit keine Versicherung gibt, die ein AKW versichert...

    Was wir damit unseren Nachfahren aufbürden, dass ist uns egal - Hauptsache gut und günstig. Nach mir die Sintflut...

  • Hallo Herr F.K...soweit mir bekannt sind weltweit knapp 70 zukunftsträchtige Kernkraftwerke im Bau. Die Kernspaltung erlaubt die höchste Energiedichte, sehr niedrige Brennstoffkosten, hat wahrscheinlich das geringste Risikopotential und die niedrigste Umweltbelastung. Insofern hat die Technik ein enormes Zukunftspotential.

    Abwegig empfinde ich eher den Bau mittelalterlicher Windmühlen, oder?

  • Neues Atomkraftwerk. Die Meldung ist schon hart.
    List sich wie in etwa: Deutsche Bahn bestellt neue Dampflokomotiven oder IBM
    baut Schreibmaschinenwerk.

  • Neues Atomkraftwerk. Die Meldung ist schon hart.
    List sich wie in etwa: Deutsche Bahn bestellt neue Dampflokomotiven oder IBM
    baut Schreibmaschinenwerk.

  • Ich freue mich schon darauf, den guten, preiswerten und sauberen Strom aus Hinckley Point zu beziehen.

    Wieso darf der Privatkunde eigentlich nicht Strom in z.B. Belgien kaufen? Ich denk, da wäre ein einheitlicher eu-Wirtschaftsraum? War also auch gelogen.

  • @ Herr Marcel Europaeer04.07.2017, 10:50 Uhr

    "Es ist absehbar, dass dieses Kraftwerk wirtschaftlich nie mit dem Strom aus Erneuerbaren Energien konkurrieren kann."

    Oh, das Problem der fehelnden Stromspeicher und der fehlenden Grundlastfähigkeit von Wind und Sonne scheint Marcel Euopäer gelöst zu haben. Chapeau! :)

  • @ Herr Holger Narrog04.07.2017, 10:44 Uhr

    "Herr Horn...meinen Sie nicht, dass man den Glauben an einen "Klimawandel" auf spirituelle Dinge begrenzen sollte?"

    Was ich meine, ist völlig irrelevant, da ich eine nicht "main-stream-gängige" Einzelmeinung vertrete. Ausschlaggebend ist alleine, was all jene meinen, die von dem mittelalterlich anmutenden Ablasshandel bei der "Klimarettung" profitieren. Und die sind scheinbar der Meinung -und nur auf diese Bigotterie spiele ich an- daß es halt auch gute CO2-Emissionen gibt. Gut sind z.B die Emissionen, die unweigerlich entstehen, wenn wir Millionen von Tonnen Kohle um den gesamten Globus schippern, damit in Deutschland die Tagebaue geschlossen werden können, ohne, daß das Netz zusammenbricht.

    :)

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