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Energie

IGBCE-Chef Vassiliadis „Die Energiewende ist das risikoreichste Unterfangen seit Bestehen der Bundesrepublik“

Braunkohle war lange ein Wirtschaftsfaktor in Deutschland. IGBCE-Chef Vassiliadis mahnt, die Auswirkungen der Energiewende auf die Beschäftigten nicht außer Acht zu lassen.
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Der Gewerkschaftschef fordert von der Bundesregierung einen neuen Realismus in Sachen Klimapolitik.  Quelle: dpa
Michael Vassiliadis

Der Gewerkschaftschef fordert von der Bundesregierung einen neuen Realismus in Sachen Klimapolitik. 

(Foto: dpa)

HalternMit dem geplanten Kohleausstieg der Bundesregierung gehen auch Tausende von Arbeitsplätzen verloren. Bei einer Gewerkschaftsveranstaltung warnte der Vorsitzende der Energie- und Chemiegewerkschaft die Politik davor zu vergessen, was das Erreichen der Klimaziele für die Beschäftigten der Industrie bedeute. „Die Energiewende ist das größte und risikoreichste Unterfangen seit Bestehen der Bundesrepublik“, sagte Michael Vassiliadis in Haltern.

Wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft es nicht schafften, den Standort Deutschland zum Technologieführer dieser Transformation zu machen, „geht uns gute Industriearbeit in gefährlichem Ausmaß verloren“, mahnte der Gewerkschaftschef. Das werde auch eine „symbolische Batteriezellenfabrik“ nicht ändern. 

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Prognos im Auftrag der IGBCE fällt der Beschäftigungsrückgang in den Energie- und energieintensiven Industrien bis 2050 stärker aus als in allen anderen Wirtschaftszweigen. So könnten bis zu 15 Prozent aller Arbeitsplätze in den Sektoren verloren gehen. 

Das liege zwar maßgeblich an dem demografischen und technologischen Wandel, trotzdem und gerade deswegen müsse die „Energiewende in Deutschland so gestaltet werden, dass sie zu einem Jobmotor wird“, sagte Vassiliadis. „Die Klimawende kann nur gelingen, wenn sie Menschen und Wirtschaft neue Perspektiven aufzeigt – und nicht als Jobkiller wahrgenommen wird.“

Erst am vergangenen Freitag hatte das Wirtschaftsministerium unter Bundesminister Peter Altmaier (CDU) einen Gesetzentwurf des Strukturstärkungsgesetzes vorgelegt. Dieses sieht Maßnahmen für die Zeit nach dem Kohleausstieg für die einst arbeiterstarken Braunkohlereviere vor.

Demnach will der Bund 14 Milliarden Euro an Finanzmitteln bis zum Jahr 2038 bereitstellen. Dazu kommen noch einmal 26 Milliarden Euro für „weitere Maßnahmen zugunsten der Braunkohleregionen“, zitiert der „Spiegel“ aus dem Schreiben.
Im Januar war die Kohlekommission nach langem Ringen endlich zu einem Kompromiss gekommen und hatte empfohlen den kompletten Ausstieg aus dem fossilen Brennstoff bis 2038 zu vollziehen.

Heute kommt noch rund ein Drittel des Stroms aus Kohlekraftwerken. Mit dem Ausstieg aus der Kohle geht in den nächsten 20 Jahren auch der Verlust von über 20.000 Arbeitsplätzen einher. Der Braunkohleverband spricht sogar von 60.000 direkt oder indirekt betroffenen Jobs.

„Es ist gut, dass jetzt überhaupt mal was kommt“, kommentierte Vassiliadis den Plan des Wirtschaftsministers. Gleichzeitig appellierte er an die Bundesregierung, mehr Transformation zu wagen. Das gehe allerdings nur mit einem klaren Bild von der Zukunft einer klimagerechten Industriegesellschaft und einem konkreten Fahrplan für den Weg dorthin. „Nur so werden Investitionen angeregt und neue Technologien an deutschen Standorten angesiedelt“, so Vassiliadis.  

Deswegen forderte der Gewerkschaftschef auch von den anderen Wirtschaftssektoren konkrete Vorgehensweisen zum Erreichen ihrer Klimaziele. „Wir haben geliefert, aber jetzt sind die anderen dran“, sagte Vassiliadis.

Es brauche Klarheit und Planungssicherheit und vor allem eine Investitionsoffensive und Technologieoffenheit. Das Festlegen der Autokonzerne auf die Elektromobilität als alleinige Antriebskraft der Zukunft kritisierte der IGBCE-Chef stark. „Unsere Leute bei den Zulieferern sind die wahren Leidtragenden solch radikaler Alleingänge.“

Stattdessen sollten mehrere Technologien parallel und gleichberechtigt vorangetrieben werden. Eine besonders wichtige Rolle sieht Vassiliadis bei den Themen Wasserstoff und Power-To-X, also der Umwandlung von Strom zu Gas und umgekehrt, durch Elektrolyse. Aber für all das müsse die Politik jetzt erst einmal Pläne vorlegen – und zwar schnell: „Die Energiewende kann gelingen, aber nur wenn sie vernünftig gemacht wird.“

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