Energie

Industrie-Umfrage Kommt die Preiswende bei Rohstoffen?

Eigentlich könnten die niedrigen Rohstoffpreise die Unternehmen freuen – wäre nicht der schwache Euro. Er hebt den Vorteil günstiger Rohstoffe zum Teil auf. Viele Manager erwarten wieder steigende Preise.
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Der Konzern ist einer der weltweit führenden Kupferproduzenten und Europas größtes Recyclingunternehmen von Kupfer. Quelle: dpa
Kupferproduktion bei Aurubis

Der Konzern ist einer der weltweit führenden Kupferproduzenten und Europas größtes Recyclingunternehmen von Kupfer.

(Foto: dpa)

DüsseldorfVon einer nachhaltigen Stabilisierung sind die internationalen Rohstoffmärkte noch weit entfernt. Angesichts der wachsenden Sorgen um die konjunkturelle Entwicklung in China, einem der größten Abnehmer von Grundstoffen wie Öl oder Industriemetallen, geraten die Preise immer wieder unter Druck. Viele Rohstoffe kosten so wenig wie zuletzt vor sechs Jahren.

Nach Einschätzung einiger Experten kann es aber jetzt nicht mehr viel weiter abwärts gehen. Auch viele Unternehmen sehen den diesjährigen Rückgang nur als vorübergehend an. Das zeigt die Rohstoffumfrage der Kölner Einkaufsberatung Inverto in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt. 100 Unternehmen aus Europa beteiligten sich.

„Die Mehrheit der Unternehmen rechnet mit einem Ende der Niedrigpreisphase bei Rohstoffen“, sagt Lars-Peter Häfele von Inverto. Der Umfrage zufolge erwarten immerhin gut zwei Drittel der Unternehmen einen moderaten bis starken Kostenanstieg bei Rohstoffen. Das sind 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Preise wieder erholen werden, kommt von den Lieferanten. „Die akzeptierte Zeitspanne für Festpreisvereinbarungen hat sich tendenziell verkürzt“, unterstreicht Häfele.

Legt man den S&P GSCI-Rohstoffindex zugrunde, haben Rohstoffe innerhalb eines Jahres rund 40 Prozent an Wert verloren. Sie liegen damit auf Tiefständen, wie sie zuletzt nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 gesehen wurden. Auf diesem Niveau erwarten Experten Reaktionen auf der Angebotsseite. Mit anderen Worten: Rohstoffproduzenten, die nicht mehr kostendeckend arbeiten, könnten ihre Produktion zurückfahren und mit einer künstlichen Verknappung zu einer Bodenbildung und anschließenden Verteuerung beitragen.

Ein neuerlicher Preisanstieg ist aber nur ein Risikofaktor für die inländischen Unternehmen. Denn Rohstoffe werden in der Regel in US-Dollar gehandelt. Durch die Abschwächung des Euros schlägt der zuletzt gesehene Preisrückgang an den Rohstoffmärkten daher nicht eins zu eins auf die Einkaufspreise durch, sondern wird tendenziell abgeschwächt. Einer der Faktoren, weshalb 65 Prozent der Teilnehmer der Umfrage einen erneuten Kostenanstieg erwarten, ist denn auch der schwache Eurokurs. 37 Prozent rechnen sogar mit einer weiteren Abschwächung der Gemeinschaftswährung. Zum Vergleich: Noch vor einem Jahr war der Euro gut 1,30 Dollar wert, zuletzt waren es nur noch 1,10 Dollar.

Wechselkurse und Rohstoffpreise beeinflussen der Studie zufolge die Unternehmen mit 60 beziehungsweise 62 Prozent nahezu gleich stark. Sie werden noch vor der konjunkturellen Unsicherheiten (48 Prozent) und einem erhöhten Wettbewerb als Faktoren genannt, die von außen auf den Geschäftserfolg einwirken.

Handelsblatt Energie Briefing
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