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Energie

Innogy-Zerschlagung RWE hängt Eon im Duell der Energieriesen ab

Der Stromproduzent ist vor Abschluss des Innogy-Tauschgeschäfts in guter Verfassung – und übernimmt ein florierendes Geschäft mit erneuerbaren Energien.
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Beim Tauschgeschäft mit Eon hat der Konzern wohl den besseren Deal gemacht. Quelle: AFP
RWE

Beim Tauschgeschäft mit Eon hat der Konzern wohl den besseren Deal gemacht.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Im September wollen Eon und RWE ihren Megadeal besiegeln – und die Vorstandschefs freuen sich schon sichtlich auf ihre neuen Konzerne. Die neue Eon werde nicht nur größer, sondern besser, versprach Johannes Teyssen in der vergangenen Woche im Zwischenbericht für das erste Halbjahr.

„Die nächsten Monate werden mit zu den spannendsten Momenten unserer Unternehmensgeschichte gehören“, sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz am Mittwoch bei seiner Halbjahres-Pressekonferenz: „Darauf freuen wir uns riesig.“

Dabei hat derzeit nur Schmitz ungetrübten Anlass zur Freude. Während der Gewinn des Konkurrenten in den ersten sechs Monaten sank, steigerte RWE die Ergebnisse deutlich. Vor allem aber scheint Schmitz bei dem milliardenschweren Tauschgeschäft, das er im März 2018 mit Teyssen verkündete, den besseren Deal gemacht zu haben.

Während die Sparten, auf die Eon künftig setzen will, aktuell schwächeln, übernimmt RWE genau das Geschäft, das derzeit gut läuft: die erneuerbaren Energien.

Schmitz und Teyssen hatten Anfang 2018 die Zerschlagung der RWE-Tochter Innogy vereinbart. Eon übernimmt dabei die Sparten Vertrieb und Netz und will zu einem der größten Versorger Europas aufsteigen. RWE erhält im Gegenzug unter anderem die erneuerbaren Energien von Innogy, aber auch die, die derzeit noch Eon besitzt.

RWE-Aktie im Höhenflug

Deutschlands größter Stromproduzent wird damit wieder die gesamte Palette abdecken – und neben Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken auch Wind- und Solaranlagen betreiben. Im September soll die letzte Hürde genommen werden. Dann erwartet Eon die letzte ausstehende Genehmigung, die Freigabe durch die EU-Kommission.

Schmitz und Teyssen müssen dann beweisen, dass ihre neuen Konzerne erfolgreich bestehen können. Der Finanzmarkt hat dabei schon ein – zumindest vorläufiges – Urteil gefällt. Und zwar eindeutig zugunsten von RWE: Die Aktie ist seit Bekanntgabe der Transaktion um mehr als 40 Prozent gestiegen und notiert mit 25,80 Euro auf einem Niveau, das RWE seit vier Jahren nicht mehr gesehen hat. Die Aktie von Eon notiert dagegen sogar leicht niedriger als im März 2018.

Auch am Mittwoch zur Bekanntgabe der Halbjahreszahlen legte die RWE-Aktie noch einmal zu. Der RWE-Konzern, der jahrelang um die Existenz kämpfte, präsentiert sich auch in einer überraschend guten Verfassung. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von „RWE stand alone“ – dabei wird Innogy nur noch mit der Dividende berücksichtigt – kletterte im ersten Halbjahr um 20 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Eon meldete in der vergangenen Woche beim Ebitda einen Rückgang um drei Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Bei Innogy sank das Ebitda um fünf Prozent auf 2,1 Milliarden Euro.

Für die Analysten waren die Ergebnisse zwar keine große Überraschung mehr, nachdem RWE schon vor zwei Wochen die Gewinnprognose angehoben hatte. Bernstein Research stuft die Aktie aber mit „outperform“ ein und sieht als Kursziel sogar 27,50 Euro. Auch andere Analysten sind optimistisch – vor allem mit Blick auf den Wiedereinstieg in die Produktion von grünem Strom.

„Die klare Fokussierung von RWE auf Zukunftstechnologien wird vom Markt anerkannt“, ist Schmitz überzeugt: „Bei Investoren, Banken, Versicherungen und Ratingagenturen trifft sie auf große Zustimmung.“
RWE schafft sich endlich ein zukunftsträchtiges Standbein.

Knackpunkt Kohleausstieg

Das ist auch zwingend nötig. Die letzten Atomkraftwerke werden bis 2022 vom Netz gehen, und der Kohleausstieg in Deutschland ist beschlossen. Nach dem Vorschlag der Kohlekommission muss RWE schrittweise bis spätestens 2038 die Förderung der Braunkohle beenden und die Kohlekraftwerke vom Netz nehmen.

Nach dem Deal mit Eon wird RWE aber mit Produktionskapazitäten von neun Gigawatt schlagartig zu einem führenden Anbieter von erneuerbaren Energien – bei Offshore-Windenergie beispielsweise direkt die Nummer zwei weltweit. Jedes Jahr will der Konzern hier zudem 1,5 Milliarden Euro netto investieren.

Das neue Geschäft wird aber auch direkt die Bilanz verbessern. Zusammengerechnet erwirtschafteten die erneuerbaren Energien von Eon und Innogy im ersten Halbjahr schon ein Ebitda von 800 Millionen Euro.

Für Eon ist das wiederum bitter. Der Energiekonzern gibt an RWE genau den Bereich ab, der derzeit operativ am besten läuft. Bei Eon legte das Ebitda in der Sparte erneuerbare Energien im ersten Halbjahr um 18 Prozent zu, bei Innogy sogar um 29 Prozent. Dagegen bereitet Eon der Vertrieb, der künftig neben dem Netz die zweite Säule sein soll, massive Probleme. Bei Eon und Innogy sank das Ebitda in der Vertriebssparte jeweils um gut 30 Prozent.

Bei aller Freude auf das neue alte Geschäft: Neben der Integration der erneuerbaren Energien hat Schmitz in den kommenden Monaten noch eine andere wichtige Aufgabe. In den Verhandlungen mit der Bundesregierung muss er für RWE akzeptable Bedingungen beim Kohleausstieg aushandeln. „Wir hoffen, dass es zügig zu konkreten Ergebnissen kommt, die Planungssicherheit schaffen – für unser Unternehmen, unsere Beschäftigten und die betroffenen Regionen“, sagte Schmitz.

Mehr: Deutschlands größter Stromproduzent RWE profitiert von einem guten Ergebnis beim Energiehandel – nur die Steinkohlekraftwerke bereiten derzeit Sorgen.

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