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Energie

Insolventer Solarkonzern Sun Power kauft US-Geschäft von Solarworld

In Deutschland ist Solarworld schon zum zweiten Mal insolvent. Für die US-Tochter des Solarmodulherstellers hat sich jetzt ein Käufer gefunden.
18.04.2018 - 17:30 Uhr Kommentieren
Allein aus dem operativen Geschäft ist die Gesellschaft laut Unternehmenskennern nicht wettbewerbsfähig. Quelle: Reuters
Fabrik von Solarworld Americas in Hillsboro

Allein aus dem operativen Geschäft ist die Gesellschaft laut Unternehmenskennern nicht wettbewerbsfähig.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Fast ein Jahr nach der Solarworld-Pleite hat Insolvenzverwalter Horst Piepenburg nun einen Abnehmer für den wichtigsten verbliebenen Vermögenswert gefunden: Solarworld Americas, die US-Tochter von Europas einst größtem Photovoltaikkonzern, wird an den US-Solarkonzern Sun Power verkauft. Das erklärte Solarworld am Mittwoch in einer Pflichtmitteilung.

Nach der erneuten Insolvenz des deutschen Solarmodulherstellers war bislang unklar, was mit Solarworld America passiert. Die australische Investmentbank Macquarie, die Piepenburg beim Verkaufsprozess unterstützte, hatte anfangs 15 potenzielle Investoren angesprochen. Fünf Interessenten gaben daraufhin ein verbindliches Angebot ab.

Mit Sun Power geht das Unternehmen nun an einen der größten Solarmodulhersteller Amerikas. Den Kaufpreis wollte der Konzern am Mittwoch nicht offenlegen. Als realistisch gilt in Finanzkreisen aber, dass Solarworld-Insolvenzverwalter Piepenburg mit dem Verkauf einen zweistelligen Millionenbetrag erlösen könnte. Davon profitieren würden fast ausschließlich die besicherten Gläubiger von Solarworld. Noch muss der Deal aber von deutschen und amerikanischen Behörden genehmigt werden.

Solarworld-Americas-Chef Jürgen Stein zeigte sich mit dem Ergebnis nach den monatelangen Übernahmegesprächen trotzdem zufrieden. „Unsere Hunderten langjährigen Mitarbeiter sind begeistert, Teil des nächsten Kapitels der langen Geschichte von Solarworld Americas zu sein“, heißt es in einer Erklärung.

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    Das Unternehmen zählt mit seinem Produktionsstandort in Hillsboro im Bundesstaat Oregon zwar zu den größten Solarmodulherstellern in den Vereinigten Staaten. Doch die Geschäfte laufen schon länger alles andere als rund. Allein aus dem operativen Geschäft ist die Gesellschaft laut Unternehmenskennern nicht wettbewerbsfähig.

    Dafür spricht auch, dass die Gläubiger erst kürzlich 5 Millionen Dollar zuschießen mussten, um den Betrieb fortzuführen. Allein die Fabrik in Hillsboro, die Maschinen, das Know-how der Mitarbeiter und die Marke sind für die Investoren wohl kaum von Interesse.

    Mit dem Kauf von Solarworld Americas könnte Sun Power die Produktion zwar wieder auf den Heimatmarkt holen und so die unter US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle umgehen. Wichtiger dürfte aber sein, dass das Unternehmen darauf spekuliert, dass die US-Regierung neue Fördergelder für amerikanische Solarmodulhersteller gewähren oder bereits erhobene Zollgebühren auf ausländische Module unter US-Produzenten aufteilen könnte.

    Sonnenland ist abgebrannt
    Solarboom durch das EEG
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    Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hatte in Deutschland einen Solarboom ausgelöst. Jede produzierte Kilowattstunde Sonnenstrom wurde anfänglich mit mehr als 50 Cent vom Staat vergoldet. Doch spätestens ab 2009 wurde es schwierig. Die üppigen Subventionen riefen asiatische Firmen auf den Plan. Chinesische Hersteller bauten Fabrik um Fabrik. Eine Pleitewelle erfasste die heimische Photovoltaikbranche. Ein Überblick.

    (Foto: obs)
    Solarworld
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    „Das ist der größte denkbare Massenmarkt der Zukunft, denn das einzige Produkt, das alle Menschen zu allen Zeiten immer brauchen, ist Energie“, schrieb Frank Asbeck 2009 in seinem Buch „Eine solare Welt“. Damit hatte er vielleicht Recht – doch sein Konzern Solarworld ging im Mai 2017 trotzdem pleite. Die Konkurrenz aus China warf spottbillige Solarmodule auf den Markt, Solarworld konnte damit nicht mithalten. Solarworld war mit einer jährlichen Fertigungskapazität von 1,5 Gigawatt gegenüber chinesischen Konkurrenten mit der vierfachen Produktionskapazität schlichtweg zu klein, um dauerhaft überleben zu können.

    (Foto: Reuters)
    CSG Solar
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    Auch CSG Solar war einfach zu klein, um zu überleben. Im März 2006 wurde die 9000 Quadratmeter große Produktionsanlage in Thalheim eingeweiht. Nur zwei Jahre später musste das Unternehmen die Produktion einstellen, sich von 124 der 164 Beschäftigten trennen. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit setzte CSG Solar aber fort.

    (Foto: ZB)
    Sontor
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    Sachsen-Anhalt galt lange als Solar Valley in Deutschland. Doch seit mehreren Jahren müssen immer mehr Solarfirmen aufgeben. Einst lieferte die Branche dort über 3000 Arbeitsplätze – die meisten davon sind mittlerweile weggefallen. Um sich vor der Pleite zu retten, hatte sich Sontor aus Bitterfeld 2009 mit Sunfilm zusammengeschlossen – und konnte so überleben.

    (Foto: dpa)
    Solon
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    Solon war einst einer der größten Solaranlagenhersteller Europas. 2011 ging das Unternehmen das erste Mal pleite, das indisch-arabische Unternehmen Microsol rettete Solon vor dem Aus und nannte es Solon International. Doch 2014 musste Solon zum zweiten Mal Insolvenz beantragen.

    (Foto: dpa)
    Odersun
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    Odersun sollte ein strahlendes Aushängeschild der Brandenburger Wirtschaft werden und seinen Solarmodulen den Markt verändern. Doch es kam anders als erhofft. Odersun lieferte kein marktfähiges Produkt. 2010 meldete Odersun Insolvenz an. 2013 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet. Der Vorwurf: Insolvenzverschleppung.

    (Foto: dpa)
    Sovello
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    2005 wurde Sovello als Joint-Venture von Q-Cells, Evergreen Solar und Renewable Energy Corporation ASA gegründet. Anfangs startete das Solarunternehmen durch, doch bis 2012 stieg Sovello immer weiter ab und musste Insolvenz beantragen. Im August 2012 wurde bekannt gegeben, dass das Unternehmen die Produktion komplett einstellt und allen Mitarbeitern kündigen muss.

    (Foto: dpa)

    Das käme Sun Power nicht ungelegen, denn auch hier läuft das Geschäft alles andere als rund. Seit 2011 ist der Photovoltaik-Konzern mehrheitlich in den Händen des Ölkonzerns Total. Der will mit dem Solarmodulhersteller seine Ökobilanz aufhübschen. Zwischen 2012 und 2017 hat die Photovoltaiktochter der Franzosen nur Geld gekostet, zusammengerechnet mehr als 1,8 Milliarden Dollar.

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