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Energie

Insolventer Turbinenhersteller Windkonzern Senvion wird zerschlagen

Der insolvente Turbinenhersteller hat nur für Teile seines Geschäfts einen Käufer gefunden. Im September bekommen erste Mitarbeiter ihre Kündigung.  
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Das Ende des Traditionskonzerns ist besiegelt. Quelle: dpa
Senvion in Hamburg

Das Ende des Traditionskonzerns ist besiegelt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Am Mittwochnachmittag hatten die Mitarbeiter des insolventen Windturbinenherstellers Senvion nach wochenlangem Hin und Her nun endlich Gewissheit: Der Hamburger Windkonzern ist am Ende. Senvion wird es schon bald nicht mehr geben – oder nur noch in Teilen. 

Ein harter Schlag für die 4000 Angestellten, von denen fast die Hälfte in Deutschland sitzt. Weil es für den hoch verschuldeten Konzern als ganzes keinen Interessenten gab, wird Senvion jetzt in seine Einzelteile zerschlagen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. 

Eine andere Option bleibt dem Hamburger Unternehmen nicht mehr übrig. Senvion ist das Geld ausgegangen. Schon in zwei Tagen läuft die Verlängerung eines Kredits aus, der es dem Windkonzern erlaubte, sein bestehendes Geschäft überhaupt noch weiterzuführen. Bis zum vergangenen Freitag konnten potenzielle Käufer ihr Angebot abgeben. 

Es ist das Ende eines der ältesten Windkonzerne Deutschlands. Im April musste Senvion Insolvenz anmelden. Aber schon Monate zuvor hatten Finanzierungssorgen und Lieferprobleme Gerüchte laut werden lassen, dem Turbinenhersteller sei das Geld ausgegangen.

Senvion hatte sich übernommen. Die Expansion ins Ausland lief alles andere als rund und offenbarte massive operative Schwächen im eigenen Haus. In der Folge kam der Konzern seinen Projekten nicht mehr nach. Zu Umsatzausfälle und Strafzahlungen kam ein schwieriger Heimatmarkt in Deutschland. Senvion stand mit dem Rücken zur Wand. 

Eigentlich hatte man gehofft, einen neuen Käufer für den insolventen Windradbauer zu finden. Aber es gab nicht mal einen Interessenten, der das Unternehmen als Ganzes retten wollte, berichtet ein Insider. Gewisse Einzelteile hingegen sorgten auf dem Windmarkt für großes Interesse.

So hat sich ein Käufer für die Service-Sparte gefunden, aber möglicherweise auch für die prall gefüllten Auftragsbücher in Portugal und Indien. Das erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen.

Weniger gut sieht es hingegen für die Turbinensparte aus, hier hat sich kein Käufer gefunden. Erste Kündigungen soll es deswegen schon im September geben. Die Gehälter sollen aber für alle Beschäftigten solange weiter gezahlt werden, bis der Verkaufsprozess abgewickelt ist. Unterschrieben ist noch nichts. 

Die Käufer sind noch nicht bekannt

Über die genauen Namen der potenziellen Käufer hüllt sich die mit dem Verkauf beauftragte Investmentbank Rotschild in Schweigen. Und auch Senvion lässt nichts durchsickern. Direkte Konkurrenz aus der Windbranche, aber auch ein oder zwei Interessenten aus der Finanzbranche sollen als Interessenten im Gespräch sein, berichtet ein Insider. Was genau an wen verkauft wird, soll am 10. September ein Gläubigerausschuss entscheiden.

Centerbridge hatte den Hamburger Konzern 2015 für 400 Millionen Euro vom indischen Windriesen Suzlon übernommen. Die US-Investoren machten den früheren Chef des Industrie- und Automobilzulieferers Schaeffler, Jürgen Geißinger, zum neuen Vorstandschef.

Der damals 56-Jährige sollte Senvion an die Börse bringen und die Internationalisierung vorantreiben. Die glückte allerdings nicht wirklich. Weil auf dem deutschen Heimatmarkt parallel die Aufträge wegblieben, geriet der Konzern in einen finanziellen Engpass. 

Seit zwei Jahren muss die Windbranche um die Höhe der staatlichen Zuschüsse kämpfen. Wo es früher feste staatliche Vergütungen gab, bekommt in vielen Ländern mittlerweile nur noch derjenige mit dem günstigsten Preis den Zuschlag. In der Folge herrscht ein harter Wettbewerb. Bei den Turbinenbauern brechen die Aufträge auf dem wichtigen deutschen und auch auf dem europäischen Markt weg. 

Heimische Weltmarktführer wie Siemens Gamesa und Nordex haben Tausende Stellen gestrichen und verbuchen sinkende Umsätze, können sich aber mit vollen Auftragsbüchern in ausländischen Märkten absichern. Auch bei Senvion waren die Orderbücher – vor allem in Lateinamerika, Australien und Asien – voll. Aber auch das hat am Ende nun nichts mehr gebracht. Ein Blick in die Zahlen zeigt, warum.

Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei nur bei 1,45 Milliarden statt der erhofften 1,6 Milliarden Euro. Am Ende des dritten Quartals 2018 hatte das Unternehmen gerade mal 221 Millionen Euro an Kapital, bei einer Verschuldung von 1,2 Milliarden Euro. 

Haupteigentümer Centerbridge wollte das fehlende Geld offenbar nicht mehr selbst zuschießen. Die US-Investoren hatte bereits über 80 Millionen Euro in den angeschlagenen Konzern gesteckt. Die letzte Tranche von 40 Millionen Euro gab es erst im Januar. 

Keine leichte Aufgabe für Senvion-Chef Yves Rannou, der erst Anfang des Jahres vom Konkurrenten GE zu Senvion gewechselt ist. Seine Aufgabe war es, einen „sicheren Hafen für Senvion zu finden“, wie er es im April in einem Interview mit dem Handelsblatt genannt hat. Das hat er jetzt nur für einen Teil des Unternehmens geschafft.

„Über die letzten Monate hinweg haben wir daran gearbeitet in dieser schwierigen Situation das bestmögliche Ergebnis für das Unternehmen zu erreichen. Wir stehen nun kurz vor einer Lösung für wesentliche Kernbereiche des Unternehmens. Darüber hinaus können wir das Geschäft bis zum Abschluss des Prozesses am Laufen halten. Möglich ist dies durch die harte Arbeit und das Engagement aller bei Senvion. Ich möchte unseren Mitarbeitern für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung bedanken“, sagte Rannou am Mittwoch. 

Mehr: Einer der ältesten Hersteller von Windkraftanlagen in Deutschland ist insolvent. Senvions Investoren sind an der Pleite nicht ganz unschuldig.

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