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Energie

Intersolar Die deutsche Solarbranche feiert ihr Comeback

Die einst tot geglaubte Solarbranche feiert ein Revival. Die Ausbauzahlen wachsen, und die Stimmung ist so gut wie lange nicht. Für manche kommt das allerdings zu spät.
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Die Stimmung in der Branche ist auf einem Allzeithoch. Quelle: obs
Montage einer Solaranlage

Die Stimmung in der Branche ist auf einem Allzeithoch.

(Foto: obs)

MünchenWährend die Windenergie in Deutschland kaum vorankommt, könnte es für die heimische Solarindustrie nicht besser laufen.

Der Markt wächst wieder im zweistelligen Bereich, die Nachfrage steigt, und ab nächstem Jahr ist ein Solarpark im Megawattbereich auch ohne Vergütung wirtschaftlich. „Die Stimmung in der Solarbranche ist ausgezeichnet. So gut, wie schon lange nicht mehr“, jubiliert Carsten Körnig, Vorsitzender des Bundesverbandes deutscher Solarwirtschaft (BSW).

Passend zum Auftakt der Intersolar, Europas größter Solarmesse, die am Mittwoch in München startet, veröffentlicht der BSW seinen jährlichen Geschäftsklimaindex. Und tatsächlich: Seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005 war die Stimmung in der Solarindustrie noch nie so gut wie jetzt.

Nach Jahren der Krise hat sich die Branche der Sonnenanbeter im vergangenen Jahr endlich wieder mit positiven Zahlen zurückgemeldet. Mit neu installierten Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) von drei Gigawatt wuchs der Markt 2018 um fast 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und auch für 2019 erwarte man zweistellige Wachstumsraten. „Neuinvestitionen von 3,5 bis vier Gigawatt im Wert von über drei Milliarden Euro erscheinen uns derzeit realistisch“, schätzt Körnig.

Der deutsche Solarmarkt boomt wieder – unbeschadet überstanden hat er die letzten Jahre allerdings nicht. Nachdem 2012 die üppigen Subventionen massiv gekürzt worden waren, brach der Markt erst einmal ein. Wo 2010 noch über 133.000 Menschen einen Arbeitsplatz in der PV-Branche fanden, sind es jetzt gerade noch 35.000.

Aber Solarenergie ist beliebt. Anders als die Windkraft stoßen die dunkelblauen Module bei den meisten Bürgern in ihrer unmittelbaren Umgebung nicht auf Ablehnung. Laut einer Umfrage des BSW will jeder zweite Eigenheimbesitzer mittlerweile eine Solaranlage auf seinem Dach. Und dank der massiv gesunkenen Kosten ist dieses Ziel in greifbarer Nähe. Immerhin sind die Preise für PV-Module innerhalb der vergangenen zehn Jahre um mehr als 75 Prozent gefallen.

Über 46 Gigawatt (GW) Leistung wurden bislang in Solaranlagen hierzulande installiert. Das entspricht der Bruttoleistung von gut 50 großen Kohlekraftwerken und macht Deutschland zum Solarstromland Nummer eins in Europa und zur Nummer vier weltweit. Der Boom wurde aber teuer erkauft – vor allem in den Anfängen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). 2002 bekamen die Investoren eine Garantie, dass sie ihren Strom jahrelang für 48 Cent die Kilowattstunde einspeisen dürfen – das war etwa das Zehnfache des Marktpreises.

Der Bund hat die Förderung zwar nach und nach gesenkt. Heute bekommen die Betreiber von Photovoltaikanlagen je nach Größe zwar nur noch bis zu 11,47 Cent. Größere Photovoltaikanlagen ab einer Leistung von 750 Kilowatt müssen sich sogar in freien Ausschreibungen um die staatlichen Fördergelder bewerben. Hier lag der Mittelwert im vergangenen Jahr nur noch bei 4,69 Cent pro kWh. Trotzdem wird subventionierter Solarstrom auch in diesem Jahr noch mit fast zehn Milliarden Euro zu Buche schlagen.

Experten sehen die Solarenergie nun aber „in der nächsten Phase“, wie Götz Fischbeck von der Beratungsagentur Smart Solar Consulting es bezeichnet. „Die Solarkraft emanzipiert sich gerade“, ist er überzeugt.

BSW-Vorstand Körnig denkt sogar schon einen Schritt weiter. „Durch den Trend zur Kopplung der einzelnen Sektoren erwarten wir weitere Wachstumsimpulse. Zum Beispiel die Kombination von E-Mobilität, Speichern und Photovoltaik. Das sieht man auch in diesem Jahr auf der Messe“, sagt er.

Seit vergangenem Jahr ist der Branchentreff nicht mehr nur der Solarenergie vorbehalten, sondern versammelt unter dem Dach der „Smarter E Europe“ gleich vier verschiedene Messen. Neben der Intersolar treffen sich in der Münchner Messe zeitgleich Europas Experten für Batterien und Speichersysteme (ees Europe), Ladeinfrastruktur und E-Mobilität (Power2Drive Europe) und intelligente Energienutzung in Industrie und Gebäuden (EM-Power).

Für Körnig ist klar, die steigende Nachfrage nach Elektromobilität wird auch den Bedarf an Solarenergie weiter erhöhen. „Immer mehr Menschen sehen, dass strombetriebene Fahrzeuge nur dann Sinn machen, wenn sie auch mit grüner Energie betrieben werden.“

Für die deutsche Solarmodul- und Zellenproduktion kommt die Wiederbelebung der heimischen Industrie freilich zu spät. Von einst 16 börsennotierten deutschen Unternehmen, die in der Solarindustrie tätig waren, blieb gerade einmal dreien die Insolvenz erspart. Nach einer radikalen Schrumpfkur ist der Markt auf ein Fünftel seiner einstigen Größe abgeschmolzen.

Verbliebene Weltkonzerne, wie der Wechselrichterhersteller SMA Solar aus Kassel, sind trotz des weltweiten Solar-Booms nicht gerade in bester Verfassung. Der Einbruch des chinesischen PV-Marktes nach einer unerwarteten Förderkürzung der Regierung in Peking macht dem hessischen Unternehmen schwer zu schaffen.

Schon im vergangenen Jahr musste der Solarkonzern deswegen hohe Verluste hinnehmen, und auch das erste Quartal des neuen Jahres begann nicht wesentlich besser. Nach 17,5 Millionen Euro im Vorjahr brach das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf gerade mal 0,6 Millionen Euro ein.

Der wohl bekannteste Fall der deutschen Solarkrise war der PV-Zellenhersteller Solarworld, der im vergangenen Jahr offiziell pleiteging. Erst vor wenigen Wochen wurde im thüringischen Arnstadt, in der Nähe von Erfurt eines der letzten Gebäude aus der Insolvenzmasse verkauft. Die ehemalige Solarfabrik gehört jetzt dem führenden Hersteller für E-Autozellen: Catl aus China.

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