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Energie

Interview mit Innogy-Netzchefin Hildegard Müller „Innogy bleibt ein selbstständiges Unternehmen“

Innogy bleibe selbstständig, solange die Übernahme nicht abgeschlossen sei. Im Interview erklärt Netz-Chefin Müller, warum die Übernahme auch für die Mitarbeiter am besten ist.
25.07.2018 - 13:15 Uhr Kommentieren
Die Netz-Chefin von Innogy spricht im Interview mit dem Handelsblatt über die Einigung mit Eon. Quelle: Pressebild
Hildegard Müller

Die Netz-Chefin von Innogy spricht im Interview mit dem Handelsblatt über die Einigung mit Eon.

(Foto: Pressebild)

Das Strom- und Gasnetz ist die größte und ertragreichste Sparte von Innogy. Sie steuert rund 60 Prozent der Ergebnisse bei. Hinter den Netzen von Innogy ist Eon-Chef Johannes Teyssen bei der geplanten Übernahme des Konkurrenten ganz besonders her. Er will einen der größten Netzbetreiber Europas formen. Hildegard Müller, im Vorstand von Innogy für Netz & Infrastruktur zuständig, erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt, warum die Konzernführung jetzt entschieden hat, die Transaktion zu unterstützen, welche Wachstumschancen sie für das Netzgeschäft sieht – und warum sie das Risiko von Hackerangriffen ernst nimmt.

Frau Müller, Innogy hat sich entschieden, die Übernahme durch Eon zu unterstützen. Was hat den Vorstand dazu bewogen?
Die Vereinbarungen mit Eon und RWE schaffen die Grundlage für einen fairen Integrationsprozess auf Augenhöhe. Wir können den weiteren Prozess nun aktiv mitgestalten, anstatt dass nur über uns gesprochen wird. Das gibt uns allen mehr Sicherheit und eine gute Perspektive für den Fall, dass die Behörden grünes Licht geben und die Transaktion wie geplant erfolgt. Das war für uns im Innogy-Vorstand ein wichtiger Grund, die Vereinbarungen abzuschließen, und der Aufsichtsrat hat dem zugestimmt. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Vereinbarungen im Interesse unserer Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter sind.

Letztlich bedeutet die Transaktion, die Eon und RWE im März vereinbart haben, die Zerschlagung von Innogy. Wie wollen Sie Ihren Mitarbeitern erklären, dass sich Innogy jetzt auch noch aktiv daran beteiligen will?
Unsere Mitarbeiter wissen, dass Innogy in einem ersten Schritt von Eon übernommen und danach das Geschäft mit Erneuerbare Energien an RWE übertragen werden soll. Wir hatten auf den ersten Blick keine wirklich gute Verhandlungsposition. Unter diesen Umständen haben wir das Bestmögliche für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausgeholt. Die Vereinbarungen nehmen unsere wesentlichen Forderungen auf, zum Beispiel, dass alle Mitarbeiter von Eon, RWE und Innogy gleichermaßen fair behandelt werden.

Empfehlen Sie jetzt auch Ihren Aktionären, ihre Innogy-Aktien an Eon zu übertragen?
Nein, es bleibt bei der Aussage aus der sogenannten Begründeten Stellungnahme, die wir als Vorstand mit dem Aufsichtsrat am 10. Mai abgegeben haben: Dass wir die von Eon angebotene Gegenleistung der absoluten Höhe nach zwar für angemessen halten. Vorstand und Aufsichtsrat der Innogy können aber keine Empfehlung an Innogy-Aktionäre abgeben, da wir weiterhin nicht abschließend beurteilen können, ob die relative Höhe des Angebots aufgrund von nicht-öffentlichen Vereinbarungen zwischen Eon und RWE angemessen ist. Dies gilt nach wie vor.

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    Als die Pläne Mitte März bekannt wurden, waren die Mitarbeiter sehr verunsichert. Wie ist die Stimmung inzwischen im Unternehmen?
    Natürlich ist die Verunsicherung noch immer zu spüren, es gibt ja auch noch viele offene Fragen. Durch die Vereinbarung haben wir nun jedoch die Chance, Antworten auf diese Fragen mit den beiden anderen Unternehmen gemeinsam zu entwickeln. Damit bieten wir unseren Mitarbeitern eine klare Perspektive und mehr Sicherheit.

    Innogy wurde ja erst vor zwei Jahren gegründet und soll jetzt schon wieder zerschlagen werden. Viele Mitarbeiter sind enttäuscht. Sie auch?
    Ich kann die Enttäuschung der Mitarbeiter nachvollziehen. Ich bin ja selbst im Mai 2016 dazu gestoßen, also kurz vor dem Börsengang – und die Begeisterung war spätestens nach dem erfolgreichen Börsengang sehr groß. Wir haben dann mit viel Engagement Wachstumsfelder identifiziert, verlässlich unsere Kundenbeziehungen stabilisiert und sind in vielen Bereichen sehr erfolgreich unterwegs.

    Jetzt hat der Vorstand mit Eon und RWE einen „fairen Integrationsprozess“ ausgehandelt. Wie soll das denn funktionieren?
    Wir haben uns mit Eon und RWE auf einen klar strukturierten Prozess zur Vorbereitung einer möglichen Integration geeinigt. Unter anderem soll das Beste aus den drei Unternehmen gemeinsam weiter entwickelt werden. Herr Teyssen hat ja bereits im Interview mit dem Manager-Magazin anerkannt, dass wir bei Innogy in einigen Bereichen besser aufgestellt sind. Dahinter steckt die Überzeugung, dass nur durch Kombination der Stärken von Innogy und Eon ein Unternehmen entsteht, das deutlich schlagkräftiger ist als die Summe seiner Einzelteile.

    Herr Teyssen sieht die Transaktion ausdrücklich nicht als Fusion, sondern als Übernahme. Wie wollen Sie gewährleisten, dass die Rechte der Innogy-Mitarbeiter nicht zu kurz kommen?
    Wir haben mit Eon und RWE vereinbart, dass alle Mitarbeiter fair und möglichst gleich behandelt werden sollen, ganz egal, welchem Unternehmen sie heute angehören. Und wir als Innogy-Vorstand werden diesen Prozess natürlich mitgestalten. Rechtlich gesehen ist das eine Übernahme, aber nur wenn aus der Übernahme ein gemeinsames Projekt wird, kann diese erfolgreich gestaltet werden. Dies ist meine feste persönliche Überzeugung.

    Der Prozess ist ja sehr lange. Die Übernahme wird erst Ende 2019 abgeschlossen. So lange wird auch die Unsicherheit bleiben. Spüren Sie schon, dass Mitarbeiter sich nach Alternativen umschauen?
    Es gibt Unternehmen, die versuchen unsere Talente abzuwerben. Es gibt aber auch neue Kollegen, die sich in der aktuellen Situation ganz bewusst für Innogy entschieden haben.

    Wie geht der Vorstand im Tagesgeschäft mit der Situation um? Wie können Sie Innogy weiter entwickeln, wenn ein Ende absehbar ist?
    Erstens sind wir nach wie vor von unserem Unternehmen überzeugt. Wir haben uns Wachstumsthemen erarbeitet und die treiben wir weiterhin mit Begeisterung voran. Zweitens ist unsere Verhandlungsposition doch viel besser, je stärker wir aufgestellt sind. In eine mögliche Partnerschaft bringen wir tolle Mitarbeiter und überzeugende Strategien ein. Und drittens lassen es die Wettbewerber gar nicht zu, dass wir uns eine Auszeit gönnen. Innogy ist ja weiterhin ein selbständiges Unternehmen. Die Übernahme durch Eon und RWE ist zwar geplant, aber noch nicht vollzogen. Wir dürfen uns daher nicht zu sehr mit uns selbst beschäftigen.

    Das Netzgeschäft, das Sie bei Innogy verantworten, wird auch im fusionierten Konzern der größte Bereich. Welches Netz ist denn besser, das von Innogy oder das von Eon?
    Wenn ich mir unsere Zahlen anschaue, können wir sehr selbstbewusst sein. Die Performance in unserem deutschen Netz ist vorbildlich – aber auch bei unseren Auslandstöchtern in Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Eine unserer Stärken ist sicherlich die traditionell gute Verbindung zu den Kommunen. Wir sind zudem ein interessanter Partner für Stadtwerke. Dabei hat sich vor allem unser Modell, uns mit Minderheitsanteilen zu engagieren, ausgezahlt. Viele Stadtwerke wollen jetzt gemeinsam mit uns zum Beispiel auch die Digitalisierung in Angriff nehmen.

    Gibt es im Netzgeschäft einen Größenvorteil. Ist es von Vorteil, wenn sich die Länge des Netzes verdoppelt?
    Ja, aber so groß wie etwa im Vertrieb sind die Größenvorteile nicht. Letztlich ist unser Geschäft schon sehr dezentral. Es kann aber einen Kompetenzvorteil geben: Das Stromnetz wird digitaler und ist durch die Energiewende mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Da kann es sinnvoll sein, das Know-how zu bündeln, um es für Optimierungen beim Netzbetrieb oder neue Geschäftschancen zu nutzen.

    Innogy will Eon und RWE jetzt auch im Genehmigungsprozess unterstützen. Wenn sich in Deutschland die beiden größten Netzbetreiber zusammenschließen, kann das das Bundeskartellamt doch aber nicht ohne Weiteres genehmigen.
    Das ist natürlich eher eine Frage, mit der sich in erster Linie die Eon-Kollegen beschäftigen. Grundsätzlich denke ich aber, dass im Netzbereich die kartellrechtliche Prüfung weniger kritisch sein dürfte als in anderen Bereichen, da das Netzgeschäft ja reguliert ist. Die Effizienz der Kosten wird bereits heute streng kontrolliert.

    Wie ist die Reaktion bei Ihren Geschäftspartnern, den Kommunen? Stehen die dem Projekt offen gegenüber?
    Natürlich fragen sich viele Kommunen, was der geplante Deal für sie als Kunden bedeutet. Bleibt etwa die sehr enge Betreuung erhalten, die sie heute gewohnt sind? Bleiben die bewährten Ansprechpartner? Wie wird sich das Angebot verändern? Wir müssen gerade viel erklären. Ich bin aber zuversichtlich, dass unsere Kunden durch die aktuelle Situation keine Nachteile befürchten müssen.

    Spüren Sie da ein Misstrauen gegenüber Eon? Mit Innogy beziehungsweise RWE gibt es ja zum Teil Jahrzehntelange Beziehungen.
    Ob es Vorbehalte gegenüber Eon gibt, dazu kann ich mich nicht äußern. Das müssten Sie die Kommunen fragen. Ich spüre aber ein großes Vertrauen in uns und unser partnerschaftliches Modell. Wir nehmen dieses Vertrauen sehr ernst. Und das macht einen großen Teil des Wertes unseres Unternehmens aus.

    Viele Partner haben Change-of-Control-Klauseln und können bei einer Übernahme Verträge kündigen. Haben Sie Anzeichen, dass viele Kommunen das machen werden?
    Dass so etwas geprüft wird, ist doch legitim. Jeder schaut sich in solchen Fällen seine Verträge an. Es gibt auch schon Nachfragen bei uns, aber noch nichts Konkretes. Die Klauseln würden ja auch allenfalls greifen, wenn der Deal tatsächlich genehmigt und umgesetzt werden sollte.

    Es gibt solche Klauseln aber sowohl bei Beteiligungen an Stadtwerken als auch in Konzessionsverträgen, die Innogy zum Betrieb eines Strom- oder Gasnetzes berechtigen?
    Ja, die Klauseln sind aber sehr unterschiedlich gestaltet. Man kann das Risiko auch nicht so leicht quantifizieren.

    Naja, Eon-Chef Johannes Teyssen scheint das zu können. Er tut das als kleines Problem ab.
    Wir wissen zumindest aus unseren Gesprächen, dass unsere Kunden sich die Optionen genau anschauen. Wie gesagt, wichtig ist das Vertrauen, auch weiterhin zuverlässig die verabredeten Leistungen zu bekommen.

    Wie sieht es bei laufenden Konzessionsverfahren aus? Spielt da der Deal eine Rolle.
    Natürlich macht das eine Bewerbung im Moment nicht einfacher, wenn wir uns als langfristiger Partner bei einer Kommune präsentieren und niemand weiß, wie die geplante Transaktion ausgeht. Wir haben aber viele gute Argumente für eine Partnerschaft mit uns weiterhin und verzeichnen auch aktuell durchaus Erfolge.

    Das Netzgeschäft würde in der neuen Eon den größten Teil des Ergebnisses liefern…
    …derzeit sind es bei uns rund 60 Prozent. Eon spricht von rund 80 Prozent in einer möglichen neuen Struktur, wenn die Erneuerbaren wie beabsichtigt zu RWE gehen.

    Das Geschäft steht aber unter Aufsicht der Regulierungsbehörden. Dadurch sind die Erträge zwar stabil, das Geschäft ist aber auch langweilig.
    Verlässlichkeit und Stabilität ist in Zeiten, in denen man in vielen Bereichen Unruhe spürt, doch eine gute Ausgangsbasis. Natürlich dürfen wir uns nicht von den Vorgaben der Regulierer und vom Zinsniveau abhängig machen. Deshalb investieren wir als Innogy ja so viel in die Digitalisierung unserer Netze wie kein anderer Netzbetreiber in Deutschland. Pro Jahr investieren wir etwa 600 bis 800 Millionen Euro in intelligente Stromnetze, damit die Energiewende gelingt.

    Herr Teyssen sieht sogar große Wachstumsaussichten für die Stromnetze durch die Digitalisierung. Er sieht sie im Zentrum der Energiewende. Teilen Sie die Ansicht?
    Natürlich, intelligente Stromnetze sind der Schlüsselfaktor für einen Erfolg der Energiewende. Das sagen wir übrigens schon seit Jahren.

    Aber wo gibt es denn Wachstumspotenzial? Nennen Sie Beispiele?
    Nehmen Sie das Thema Elektromobilität: Wir sind heute schon führender Anbieter für die Ladeinfrastruktur in Deutschland, diese sehr gute Position wollen wir ausbauen. Auch beim Thema Breitband sehen wir große Wachstumschancen für uns.

    Gibt es sonst noch Wachstumsbereiche?
    Natürlich, aber die möchte ich Ihnen heute nicht alle verraten. Und es gibt sogar welche, die vielleicht auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheinen. Wir haben zum Beispiel ein großes Know-how in Sachen Cybersecurity. Das wollen wir vermarkten und bauen derzeit ein Trainingscenter auf, das Stadtwerke nutzen können, um die Abwehr von Hackerangriffen und sonstigen Bedrohungen aus dem Internet zu trainieren.

    Ist die Gefahr von Hackerangriffen auf das Stromnetz real?
    Ja, es gibt tägliche Versuche. Meistens sind sie dilettantisch, manchmal aber auch professionell. In Zeiten der Digitalisierung nehmen wir das aber natürlich sehr ernst. Netze sind kritische Infrastruktur und dadurch im Fokus von Hackern. Wir haben deshalb viel investiert – in Technik und in Know-how.

    Können Hacker denn auch im Verteilnetz viel anrichten? Ist die Gefahr nicht bei den Übertragungsnetzen größer?
    Lokale und regionale Netze können schneller infiltriert werden, weil es mehr Angriffspunkte gibt, aber sie können auch schneller reagieren. Wir nehmen das Risiko sehr ernst. Unter anderem haben wir deshalb auch ein ausführliches Schulungsprogramm für unsere Mitarbeiter entwickelt, die Human-Firewall-Kampagne.

    Wie sehen Sie ihre persönliche Zukunft? Gehen Sie davon aus, dass Sie auch in der neuen Eon im Vorstand sitzen werden.
    Jetzt klären wir erst einmal alle Fragen, die für die Zukunft unserer 42.000 Mitarbeiter wichtig sind. Danach mache ich mir Gedanken um meine Zukunft.

    Frau Müller, vielen Dank für das Interview.

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