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Investor Stefan QuandtDeutschlands neuer Batterie-Baron

Großinvestor Stefan Quandt rüstet sich mit BMW und Solarwatt für einen Stromspeicher-Boom. Sein langer Atem könnte sich endlich auszahlen – und ihn zur prägenden Figur der Branche machen. Selbst Elon Musk ist er voraus.Franz Hubik, Markus Fasse 25.02.2016 - 15:32 Uhr Quelle: Handelsblatt ePaperArtikel anhören

Ein neuer Milliardenmarkt?

(Foto: PR)

Foto: Handelsblatt

Düsseldorf, München . Der Traum von den Sonnenmillionen endete für Stefan Quandt zunächst in einer Katastrophe. Der Dresdner Solarmodulhersteller Solarwatt, bei dem sich der BMW-Erbe als Ankeraktionär engagiert hatte, schlitterte im Sommer 2012 in die Insolvenz. Übermächtige Konkurrenten aus Asien und gekappte Förderungen wurden der Firma, die einst mehr als 320 Millionen Euro umsetzte, zum Verhängnis. Andere Prominente verbrannten mit Investments in Solarenergie ebenfalls viel Geld. Doch während der Schraubenkönig Reinhold Würth (Würth Solar) oder die Hexal-Zwillingsbrüder Andreas und Thomas Strüngmann (Conergy) der einstigen Hoffnungsbranche endgültig den Rücken kehrten, ging Quandt den umgekehrten Weg.

Er stand als Retter parat. Zusammen mit dem Verwaltungsrat hat sich Quandt „unter zwei Bedingungen voll zu uns bekannt“, erinnert sich Detlef Neuhaus, Geschäftsführer von Solarwatt. „Erstens: eine umfassende Restrukturierung. Und zweitens: eine Strategie mit konsequenter Ausrichtung “, sagte Neuhaus dem Handelsblatt. Quandt verordnete der Firma gemeinsam mit Vertrauten wie dem Ex-EnBW-Chef Hans-Peter Villis ein völlig neues Geschäftsmodell: vom reinen Solarmodulhersteller hin zum Anbieter von intelligenten Energiesystemen. Fast ein Viertel der damals mehr als 430 Mitarbeiter musste im Zuge der Sanierung gehen. Batteriespeicher wurden als Zukunftssegment identifiziert.

Kooperation mit Eon

Heute, fast vier Jahre nachdem Quandt mehr als 90 Prozent der Anteile von Solarwatt übernommen und fünf Millionen Euro in Form eines Darlehens zugeschossen hat, zeichnet sich langsam ab, dass sich der lange Atem für den 49-Jährigen auszahlen könnte. Zwar schreibt Solarwatt bei einem auf 60 Millionen Euro geschrumpften Umsatz noch immer rote Zahlen. Aber die Aussichten sind blendend. Nach Informationen des Handelsblatts steht Solarwatt vor dem wichtigsten Deal der Unternehmensgeschichte. Die Dresdner Firma wird künftig umfassend mit Eon kooperieren.

Solarwatt stellt Deutschlands größtem Energieversorger ab sofort seinen Eigenheimspeicher „MyReserve“ mitsamt Energie-App zur Verfügung. Die Kooperation umfasst Insidern zufolge für dieses Jahr mehrere Hundert Speicher, ab 2017 dann mehrere Tausend Speicher pro Jahr. Das Gesamtvolumen der Partnerschaft dürfte damit im deutlich zweistelligen Millionenbereich liegen. Denn pro Akku veranschlagt Solarwatt rund 5500 Euro. Die Kooperation mit Eon geht aber weit über einen reinen Liefervertrag hinaus. Eon will mit Solarwatt ein eigenes Stromspeichersystem entwickeln – auf den Bedarf der Kunden des Energieversorgers zugeschnitten.

Das Kalkül dahinter ist klar: Solarakkus für jedermann stehen kurz vor dem Durchbruch. Schon ab 2017, so schätzt die Unternehmensberatung PwC, könnten sich Stromspeicher für Eigenheime und Kleingewerbe in Kombination mit einer Photovoltaikanlage wirtschaftlich rechnen. Hauptgrund dafür sind die stetig steigenden Strompreise in Deutschland gepaart mit sinkenden Fördersätzen für Solarenergie.

Experten erwarten Stromspeicher-Boom

„Das Geschäftsmodell der privaten Photovoltaikanlage ändert sich gerade grundlegend“, sagt Norbert Schwieters, Energieexperte bei PwC. Während sich die Subventionen für Grünstrom, der ins Netz eingespeist wird, bis 2020 auf etwa 6,8 Cent pro Kilowattstunde halbieren dürften, klettert der Strompreis laut Schwieters im gleichen Zeitraum auf rund 34 Cent pro Kilowattstunde. Die Folge: Es wird von Jahr zu Jahr rentabler, nicht nur selbst Solarstrom zu erzeugen, sondern die Sonnenenergie vom Tag auch für die Nacht- und Abendstunden zu speichern. Die Alternative dazu, der Bezug von Strom über klassische Energieversorger, ist teils doppelt so teuer.

Von den 1,5 Millionen Hausbesitzern, die in Deutschland eine Solaranlage besitzen, haben sich zwar nach Angaben des Bundesverbands der Solarwirtschaft erst rund 25.000 einen Stromspeicher angeschafft. Doch nahezu alle Experten erwarten einen Boom in den kommenden Jahren. Das weltweite Marktpotenzial für elektrische Akkus für zu Hause wird auf bis zu 1,5 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Seit Tesla-Chef Elon Musk im April 2015 angekündigt hat, die Energiewelt mit einer 3000-Dollar-Batterie revolutionieren zu wollen, kennt der Hype um Lithium-Ionen-Akkus keine Grenzen. Doch während der Gründer des Elektroautoherstellers trotz lautstarker Ankündigungen erst allmählich damit beginnt, seine „Powerwall“ in Deutschland auszuliefern, avanciert Stefan Quandt zur prägenden Figur der Branche. Setzt tatsächlich in den nächsten Jahren ein Boom bei Stromspeichern ein, ist Quandt der unangefochtene Batterie-Baron Deutschlands. Denn der Unternehmer positioniert sich nicht nur mit Solarwatt klar im Markt, sondern drängt auch über BMW immer stärker in das Geschäftsfeld.

„Der Speicher ist der entscheidende Baustein“

Der Münchner Autobauer will noch in diesem Jahr Stromspeicher für zu Hause anbieten. Konkret plant der Premiumwagenhersteller, gebrauchte und neue Batterien des Elektroautomodells BMW i3 im Großhandel zu verkaufen. Die E-Auto-Akkus könnten ohne Umbauten als Batteriespeicher genutzt werden. Dass der Autohersteller für die Batterien der Elektroautos eine Zweitverwertung sucht, liegt nahe. Als Stromspeicher in Haushalten können die hohen Herstellungskosten besser über den Lebenszyklus verteilt werden, wenn die Leistung für den Autoantrieb nicht mehr reicht. Bei dieser Zweitnutzung arbeitet BMW bereits mit Bosch und dem Energiekonzern Vattenfall zusammen.

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„Es liegt auf der Hand, dass sich Unternehmen, die Massen an Batterien brauchen, auch nach anderen Anwendungsfeldern umschauen“, sagt Michael Sterner. Der Professor für Energiespeicher an der Technischen Hochschule Regensburg sieht darin eine Brücke, um verschiedene Sektoren miteinander zu „verheiraten“: Wärme, Strom und Mobilität.

Das Engagement Stefan Quandts im Batteriegeschäft folgt einem gängigen Investitionsmuster der Unternehmerfamilie Quandt, die zu 46 Prozent den Autohersteller BMW kontrolliert. Stefan Quandt und seine Schwester Susanne Klatten treiben im Aufsichtsrat den Ausbau der Elektromobilität seit Jahren voran. Stefan Quandt ist davon überzeugt, dass die Zukunft der Energiewelt dezentral und die Zukunft der Autoindustrie elektrisch sein wird.

„Der Speicher ist der entscheidende Baustein“, sagte der öffentlichkeitsscheue Quandt vor einem halben Jahr dem „Manager-Magazin“. Seine Vorfahren haben nicht zuletzt dank des Batteriegeschäfts von Varta ein gigantisches Vermögen aufgebaut, das zuletzt auf mehr als 30 Milliarden Euro geschätzt wurde.

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