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Energie

Klimapolitik Australien wird zur „Emissions-Supermacht“

Als führender Kohle-Exporteur ist das Land für mehr CO2-Emissionen verantwortlich als bisher gedacht. Doch Australien hält am Ausbau der Industrie fest.
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Der Ausbau der Kohle- und Gasindustrie steht im Widerspruch zum Bekenntnis Australiens zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens von 2015. Quelle: Reuters
Kohleverladung im Hafen von Newcastle in Australien

Der Ausbau der Kohle- und Gasindustrie steht im Widerspruch zum Bekenntnis Australiens zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens von 2015.

(Foto: Reuters)

Canberra Australien trägt schon heute weitaus mehr zum globalen Klimaproblem bei, als die konservative Regierung in Canberra glauben machen will. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung. Wenn die Verschmutzung durch die Exporte seiner fossilen Brennstoffe berücksichtigt würde, sei Australien mit seinen nur 25 Millionen Einwohnern für fünf Prozent der globalen Emissionen verantwortlich, so die von der Australian Conservation Foundation (ACF) in Auftrag gegebene Studie.

Diese Zahl könnte wegen des geplanten Ausbaus der Kohle- und Gasindustrie bis 2030 auf bis zu 17 Prozent steigen, so das Papier. „Wir werden zu einer Emissions-Supermacht“, so ACF-Sprecher Gavan McFadzean. Nach den Regeln der Klimabuchhaltung, die den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) in einem Land erfasst, ist Australien für etwa 1,6 Prozent der Emissionen weltweit verantwortlich.

Diese Zahl wird von der australischen Regierung gerne als Beleg dafür präsentiert, dass das Land bereits „mehr als genug“ tue im Kampf gegen die globale Erwärmung, wie Premierminister Scott Morrison sagt. Die vom Wissenschafts- und Politikinstitut Climate Analytics aufgestellte Analyse ergab jedoch, dass mehr als doppelt so viele Emissionen – nämlich weitere 3,6 Prozent – dazukommen, wenn Kohle-, Öl- und Gasexporte mitberücksichtigt werden.

Australien fördert fast 30 Prozent der Kohle und mehr als 20 Prozent des auf den Weltmärkten gehandelten Erdgases. Die Exporteinnahmen aus diesen Branchen stiegen im vergangenen Geschäftsjahr auf über 117 Milliarden australische Dollar, rund 73,5 Milliarden Euro.

Laut ACF ist Australien auf dem besten Weg dazu, einer der größten Verursacher der globalen Klimakrise zu werden. Das Land habe vorerst noch „Glück, dass viele unserer Emissionen anderswo gezählt werden“, nämlich in den Exportländern, so Sprecher McFadzean. Das bedeute aber nicht, „dass wir nicht für sie verantwortlich sind“.

Neues Leben für die Kohle

Die überraschende Wiederwahl der konservativen Regierung im Mai hat der mächtigen und politisch einflussreichen Kohleindustrie neues Leben eingehaucht. Mindestens sechs große Bergwerke könnten in den kommenden Jahren realisiert werden, allen voran eine vom indischen Rohstoffgiganten Adani geplante „Super-Mine“ nahe des Great Barrier Reef.

Auch Projekte für verflüssigtes Erdgas (LNG) könnten deutlich zum Anstieg der globalen Emissionen beitragen. Australien konkurriert mit Katar als führendem Anbieter von LNG.

Der Ausbau der Kohle- und Gasindustrie steht im Widerspruch zum Bekenntnis Australiens zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens von 2015. Dieses sieht vor, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten und die Bemühungen fortzusetzen, sie auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Um die Pariser Ziele erreichen zu können, müssten die Emissionen durch fossile Brennstoffe rasch ihren Höhepunkt erreichen und danach schnell sinken, sagen Wissenschaftler. Die globalen Durchschnittstemperaturen sind bereits um etwa ein Grad höher als bei Beginn der Industrialisierung.

Die Regierung in Canberra fürchtet seit Längerem, dass in anderen Ländern das Bewusstsein dafür wachsen könnte, welche Rolle die Rohstoffexportindustrie bei der Bilanzierung von Treibhausgasen spielt. Die Europäische Union kritisierte im Rahmen der jüngsten Verhandlungen um das Pariser Abkommen die australische Klimapolitik.

Klimaziele sind bescheiden

Brüssel wies darauf hin, dass das Land seine Nettoemissionen zwischen 2013 und 2030 erhöhen werde: „Australien steigert auch seine Kohleproduktion, allem voran für den Export“, notiert die EU.

Schon ohne Berücksichtigung der Exporte sind die Klimaziele Australiens bescheiden: Es will die Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2005 nur um 26 Prozent reduzieren – zu wenig, um die Pariser Klimaziele einhalten zu können, warnen Wissenschaftler.

In Australien verhallt bisher jegliche Kritik aus dem Ausland wirkungslos. Im Gegenteil: Angus Taylor, der für Emissionsreduzierung zuständige Minister, meinte jüngst sogar, Australien trage zum globalen Klimaschutz bei, weil es Flüssiggas exportiere, das einen Beitrag zur Senkung der Emissionen leiste. Denn LNG verdränge in den Exportmärkten den noch klimaschädlicheren Energieträger Kohle.

Energieanalysten dagegen sagen, es gebe wenig Beweise dafür, dass australisches LNG Kohle ersetze. Zudem sei Gas nur unwesentlich klimafreundlicher als Kohle.

Mehr: Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutieren, wie Deutschland klimaneutral werden kann. Konsens lässt sich allerdings nicht überall erzielen.

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