Energie

Kommentar zu K+S Ramelows populistischer Reflex

Bodo Ramelow will eine Übernahme von K+S durch den kanadischen Konzern Potash mit bürokratischen Tricks verhindern. Die Sachlage hat der Linken-Politiker dabei aber nicht richtig analysiert. Ein Kommentar.
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Der Ministerpräsident von Thüringen will eine Übernahme von K+S verhindern. Quelle: dpa
Bodo Ramelow

Der Ministerpräsident von Thüringen will eine Übernahme von K+S verhindern.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs ist noch gar nicht so lange Herr, da war der Kasseler Düngemittelkonzern K+S der Buhmann für Bodo Ramelow, Politiker der Linkspartei und seit ein paar Monaten Ministerpräsident des Freistaats Thüringen. Der Konzern hatte dafür gesorgt, dass in Nordthüringen sechs Gruben geschlossen wurden, was in der Region Wunden gerissen hat, die bis heute – 22 Jahre später – noch nicht verheilt seien.

So hatte es Ramelow jedenfalls vor zwei Jahren formuliert, als sich der 20. Jahrestag des Hungerstreiks von Bischofferode jährte. 80 Tage lang hatten sich die Kumpel 1993 die Nahrungsaufnahme verweigert, um gegen den Vertrag zu protestieren, der die ehemaligen Kali- und Salzunternehmen der DDR mit denen in Westdeutschland unter dem Dach der neuen Kali und Salz GmbH fusionierte und die Werkschließungen in Nordthüringen einschloss.

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen und Märkte. Quelle: Pablo Castagnola
Maike Telgheder

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen und Märkte.

(Foto: Pablo Castagnola)

Nun springt Ramelow K+S zur Seite. Denn er hat einen neuen Feind ausgemacht: den kanadischen Konzern Potash, der K+S gerne übernehmen würde. Wobei sich die Kasseler eigentlich gar nicht übernehmen lassen wollen. Auch hier will der Ministerpräsident wieder kämpfen für die Arbeitsplätze in der Region. Und droht in Richtung Kanada schon mal, dass geklärt werden müsse, ob sich durch Umweltauflagen und bergrechtliche Vorgaben Einfluss nehmen lasse.

Dass Politiker reflexartig reagieren, wenn es um Arbeitsplätze und Wählerstimmen geht, ist wohlbekannt. Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier zeigt sich in großer Sorge und telefoniert schon mal mit Finanzminister Schäuble zum Thema.

Bei Ramelow muss man allerdings fragen, ob er vor lauter populistischem Reflex die Sachlage richtig analysiert hat. Will er mit neuen Umweltauflagen die Kaliproduktion in Deutschland so unattraktiv machen, dass Potash im Falle einer Übernahme erst recht die deutschen Standorte schließt? Oder sollen neue Umweltauflagen die Kali- und Salzproduktion von K+S teurer machen, damit die Kasseler unattraktiver werden für eine Übernahme? Das würde dann vermutlich K+S zum Abbau von Jobs in der ohnehin strukturschwachen Region zwingen.

Bei allen Bekundungen der Politiker, K+S zur Seite zu stehen: Eine etwaige Übernahme verhindern können sie nicht. Die Entscheidung, ob das Unternehmen verkauft wird oder nicht, treffen bei K+S die Aktionäre. Und in deren Reihen findet sich anders als beim VW-Konzern keine Landesregierung. Die Kasseler sind im Streubesitz. Diese Anteilseigner werden also letztlich das Sagen haben – wenn denn ein offizielles Übernahmeangebot kommt.

Feindliche Übernahmen – Tops und Flops
Potash und K+S
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Der kanadische Düngemittelhersteller Potash hat ein Übernahmeangebot in Höhe von rund acht Milliarden Euro für den Kasseler Konkurrenten K+S auf den Tisch gelegt. So wollen die Kanadier wieder zum Weltmarktführer für Kalisalze aufsteigen. Dafür sind sie bereit, einen Aufschlag von 40 Prozent auf den derzeitigen Aktienkurs zu bezahlen. K+S will das Angebot prüfen, hieß es zuletzt. Solche feindlichen – oder neutraler: unkoordinierten – Übernahmen gibt es immer wieder. So versuchte etwa...

Pirelli und Continental
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...der ehemalige Reifen- und Kabelhersteller Pirelli 1990, den Automobilzulieferer Continental zu übernehmen. Aufgefallen war der Versuch durch hohe Kurssprünge der Continental-Aktie. Doch die Übernahme konnte verhindert werden: Eine Abwehrfront deutscher Großunternehmen erwarb auf Bitten des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder unter Federführung der Deutschen Bank eine Sperrminorität an Continental. Nach langem Kampf ging Pirelli die Liquidität aus, und Continental blieb vorerst eigenständig.

Krupp und Thyssen
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Erfolgreicher verlief die Übernahme des Dortmunder Anlagenbau- und Stahlkonzerns Hoesch durch Thyssen 1992. Auf diesem Plakat vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude von Hoesch in Duisburg wird jedoch bereits für eine spätere Fusion geworben: die zwischen Krupp und Thyssen. Ursprünglich hatte Krupp eine feindliche Übernahme des ungleich größeren Konkurrenten Thyssen geplant. Als die Pläne der Öffentlichkeit bekannt wurden, fusionierten die beiden Unternehmen stattdessen – nach Protesten von rund 30.000 Stahlarbeitern.

Vodafone und Mannesmann
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Das erste Übernahmeangebot durch Vodafone lehnte der Mannesmann-Konzern 1999 ab. Nach geheimen Verhandlungen beschlossen die beiden Mobilfunk-Konzerne ein Jahr später dann doch eine „einvernehmliche“ Fusion – mit gerichtlichem Nachspiel. Denn die Abfindung für den Mannesmann-Vorstand um Klaus Esser gingen in die Millionen. Allein Esser soll an der Fusion 60 Millionen Mark verdient haben. Die gerichtliche Klärung zog sich bis 2006 – und endete mit einer Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage von 1,5 Millionen Euro.

WCM und Klöckner
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Nur die wenigsten Übernahmen versetzen Arbeitnehmer in Euphorie, doch das Übernahmeangebot der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft WCM wurde von der Belegschaft des Stahlhändlers Klöckner einhellig begrüßt. Allein, der Vorstand wehrte sich mit Kräften – vergeblich. WCM stockte seinen Anteil von 40 auf 70 Prozent auf und versprach, keine Arbeitsplätze abzubauen. Rund drei Jahre später ging WCM insolvent und trat seine Klöckner-Anteile an Salzgitter ab.

Robert Bosch und Buderus
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Zwei Anläufe brauchte der Autozulieferer Robert Bosch, bis die Übernahme des Heiztechnik-Spezialisten Buderus im Jahr 2003 gelang. Von Bilfinger Berger übernahm Bosch ein 30-Prozent-Paket an Buderus – für 551 Millionen Euro. Der damalige Chef von Buderus, Uwe Lüders, galt als einer der schärfsten Kritiker des Deals – und gab nur kurze Zeit nach der Einigung seinen Chefposten auf.

INA/Schaeffler und FAG Kugelfischer
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670 Millionen Euro: So viel ließ sich der Wälzlagerhersteller INA/Schaeffler die Übernahme des Maschinenbauers FAG Kugelfischer kosten. Zuvor hatte FAG sich fünf Wochen lang heftig gegen die Pläne des Familienunternehmens gewehrt, bis der Deal im Oktober 2001 unter Dach und Fach war.

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1 Kommentar zu "Kommentar zu K+S: Ramelows populistischer Reflex"

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  • Naja, im Prinzip alles richtig. Aber als K&S vor nicht allzu langer Zeit Potash übernehmen wollte, waren die Kanadier gar nicht mehr so marktwirtschaftlich. Standortschutz und vor allem das Halten von Unternehmens- bzw. Konzernzentralen im Land hat schon strategische Bedeutung. Nur man sollte es geschickt tun ... und nicht so plump wie "unsere" Politiker.

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