Energie

Kraftwerksbranche in Aufruhr In der Strombranche ist nichts mehr unmöglich

Ein Jahrhundertprojekt wie einen Tagebau vorzeitig aufgeben? Der Energieriese RWE dementiert solche Gerüchte. Doch der Druck auf die Branche ist enorm: Für viele große Kraftwerke fehlt eine Zukunftsperspektive.
Update: 08.10.2013 - 13:33 Uhr 26 Kommentare
Im Hintergrund das RWE-Kraftwerke Niederaußem, im Vordergrund der Tagebau Garzweiler im Westen Kölns. Quelle: dpa

Im Hintergrund das RWE-Kraftwerke Niederaußem, im Vordergrund der Tagebau Garzweiler im Westen Kölns.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs gibt in der Energiebranche keine heiligen Kühe mehr. Zwar dementierte RWE-Chef Peter Terium heute einen Zeitungsbericht, wonach der gigantische Braunkohletagebau Garzweiler nicht bereits 2017 oder 2018 außer Betrieb gestellt werden könnte – eigentlich ist der Betrieb bis 2040 geplant. Doch der Aufschwung der erneuerbaren Energien rüttelt an der Rentabilität von Kraftwerken, die eigentlich auf unabsehbare Zeit als lukrativ galten.

„Zurzeit besteht ein Überangebot an unflexibler Leistung durch Atom- und Braunkohlekraftwerke“, heißt es in einem am Dienstag in Berlin vorgelegten Eckpunktepapier des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU), der die Regierung seit 1972 berät. Die Folge seien niedrige Börsenstrompreise, ein hoher Stromüberschuss-Export ins Ausland sowie Rentabilitätsprobleme von Gaskraftwerken. Dabei seien letztere flexibler und aus Klimaschutzgründen eigentlich die beste Ergänzung zur schwankenden Ökostromproduktion.

„Es ist kein Geheimnis, dass die Braunkohle unter Druck steht“, so ein Sprecher des Umweltschutzverbands BUND in Nordrhein-Westfalen zu Handelsblatt Online. „Ein geordneter Ausstieg aus der Braunkohle ist nötig und RWE steht in der Pflicht, ein Ausstiegsszenario zu definieren.“ Die Meldung über das mögliche frühzeitige Aus des Braunkohletagebaus könnte ein Zeichen sein, dass RWE eine Drohkulisse aufbaue, um politische Zugeständnisse auf anderem Gebiet zu erreichen.

Im Dementi spricht der Essener Stromkonzern davon, dass „sich der regulatorische Rahmen auf den Energiemärkten schon aus Gründen der Versorgungssicherheit so verändern wird, dass auch die konventionelle Stromerzeugung eine Perspektive hat“. Der zuletzt deutlich verschlechterten Lage der Braunkohle-Kraftwerke werde durch ein Sparprogramm begegnet. Der Tagebau bleibe ein „fester Bestandteil der Zukunftsplanung des Unternehmens“.

Einen Tagebau vorzeitig außer Dienst zu stellen, wäre eine gewaltige Entscheidung. Denn in die Vorbereitung fließen Jahrzehnte an immenser Arbeit. Ein Autobahnteilstück der A44 westlich von Köln ist den Baggern des Garzweiler II genannten Tagebaus bereits vor Jahren zum Opfer gefallen. Ein Neubau auf bereits genutztem Gebiet läuft an.

Ein zweiter Autobahnabschnitt der A61 wäre 2017 oder 2018 fällig und würde 2035 wieder aufgebaut werden, wenn die Bagger vorbeigezogen sind. Deutlich mehr als 10.000 Menschen müssen umziehen, schon vor vielen Jahren sind neue Orte geschaffen worden, in die die Betroffenen umsiedeln können.

Handelsblatt Energie Briefing
26 große Kraftwerke zur Stilllegung angemeldet
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Kraftwerksbranche in Aufruhr - In der Strombranche ist nichts mehr unmöglich

26 Kommentare zu "Kraftwerksbranche in Aufruhr: In der Strombranche ist nichts mehr unmöglich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was mich immer wieder wundert, hier im Handelsblatt das bei Energiefragen meist sogenannte Experten der NGO-Fraktion zu wort kommen.Das heißt für mich, HB ist ein Sprachrohr der Grünen.Daher lese ich die Frankfurter Allgemenie Zeitung wo halt auch echte Experten wie z.B Bundernetz Agentur gefragt wird.

  • @Fredi Die angestrebte "Dezentralisierung" der Stromerzeugung wird von ganz alleine stattfinden. Indem der Strom immer teurer gemacht wird, und vielleicht bald noch Stromausfälle dazukommen, werden viele Leute einfach einen Dieselgenerator betreiben um sich vom staatlich verkorksten Netz unabhängig zu machen. Ab c.a. 30 Cent/kWh kann ein Dieselgenerator sogar billiger sein, wenn man ihn mit Heizöl(=staatlich eingefärbter Diesel mit niedrigeren Steuern) betreibt.

  • Erst mal lesen, was ich geschrieben habe:
    7 - 8 Cent/kWh - das sind die Kosten für den PV-Strom, in Süddeutschland vom Hausbesitzer produziert. Er braucht also gar keine Subvention mehr. Natürlich muss er teuer eon-Strom für 26 Cent/kWh zukaufen, weil es auch mal Nacht wird und Winter.
    Gleiches gilt für Gewerbebetriebe, die zwar günstigere Anlagenpreise bekommen, aber auch niedrigere Strompreise bei eon bezahlen müssen.
    Ohne PV liegt die Effizienz bei Null - mit PV bei 10 - 15&, was erheblich mehr ist. Na, klingelts?

  • Als Steuerzahler freue ich mich natürlich über das Ende der Kohlesubvention. Auch in diesem Jahr übersteigt die Subvention für Kohle und Atom die EEG-Umlage um etwa das doppelte.
    Dabei ist es mir egal ob die Belastung als Steuer oder Strompreiserhöhung daherkommt. Dass die fossilen endlich gestoppt werden ist auch aus einem anderen Grund wichtig: Wir werden noch für Kohle in Form von Ewigkeitsschäden und Grundwasserproblemen zahlen, wenn die EEG-Umlage längst wieder bei 0 ist.

  • @Goalharry
    Luegen wie gedruckt... Frechheit so etwas.

    Die Sonneneinstrahlung in Deutschland liegt im Sommer ohne Bewoelkung (!) bei max 1000W/qm. Der Mittelwert (Tag/Nacht/Bewoelkung/Winter) liegt dann bei 100W/qm.

    Solarzellen brauchen 2-4 Jahre, bis die (Atom-)Energie, die man in ihre Herstellung gesteckt hat, wieder zurueck gewonnen wurde. Bei ihrer Herstellung werden hochgiftige Schwermetalle verwendet - man sollte Trittin zwingen das Abwasser aus Solarfabriken zu trinken... da haette er sich den Ruecktritt sparen koennen.

    Ausserdem interessant:
    "Die Energieerzeugung durch Photovoltaikzellen ist nach einer kompletten ökologischen Bilanz betrachtet nicht emissionsfrei, da zur Herstellung der kompletten Photovoltaikanlage Energie, Frischwasser und Chemikalien benötigt werden"

    PV-Solarzellen sind ein riesiges Verbrechen der Menschheit. Wenn schon, dann Wind o.ae. mit gleichzeitigem Ausbau der Energiespeicherung und -netze.

  • Einfach mal den Taschenrechner benutzen, wenn sie schon kein Gefühl für Zahlen haben , dann sehen sie das ich das mit eingerechnet habe.

    Wenn eben Gas 3 und mehr mal so viel kostet und ebenfals CO2 emittiert, dan müsste ein Gaskraftwerk im Vergleich zu einem modernen Kohlekraftwerk eben 130% und mehr Wirkungsgrad haben damit das Preisgünstiger wird
    .
    Sowas gibts nur bei den grünen Ideologie-Phantasten und den nachgeschalteten Praktikanten-Journalisten.

  • Was bitte soll dabei rumkommen, wenn eine planwirtschatlich angelegte Energieerzeugung, bei der ohne Rücksicht auf den Bedarf "auf Tonne" produziert wird und die Allgemeinheit für die Schäden haftet, auf eine marktwirtschaftlich ausgerichtete Industrie losgelassen wird. Das Chaos war vorprogrammiert, die Politik kümmert sich bis heute nicht darum,dieses Projekt in geordnete marktwirtschaftliche Bahnen zu lenken. Billiger wirds nimmer!

  • @kWhzaehler: Schauen Sie sich mal die preisgekrönte Dokumentation "Otzenrath 3 grad kälter" an, dann überlegen Sie sich es nochmal mit Ihrem kalten Bürokratendeutsch und der "vertretbarer Umweltbelastung". Und fakt ist,beim mittleren Niederrhein handelt es sich definitiv um eine der am dichtest besiedelten regionen Europas, einfach mal googeln.

  • @HofmannM
    ...blöd dabei ist, das Kohle, Gas und erst recht Uran nicht unerschöpflich sind. Bei letzteren wissen wir noch immer nicht wohin mit den Abfällen und sämtliche Lösungsansätze dazu sind zudem noch falsch!!!
    Gas und Uran beziehen wir ohnehin "aus dem Ausland" und noch viel abhängiger sind wir beim Öl. Deshalb haben die Nachfahren unserer Vorfahren darüber nachgedacht, ob es eventuell Alternativen gibt- zum Glück rechtzeitig. Wenn die Entwicklung in Asien- insbesondere China und Indien so weiter geht, werden die Preise für Öl Kohle Gas und Uran schon sehr bald noch viel schneller steigen als in der Vergangenheit, denn die Vorkommen sind immer aufwendiger zu erschließen. Wie verzweifelt man an sich schon ist, zeigt das Fraking. Mit welchem gewaltigen Aufwand man hier versucht an ein "bisschen Gas" zu gelangen, das sich innerhalb von Schiefergestein befindet sagt an sich genug aus. Russland versucht schon sich die Arktis unter den Nagel zu reissen- vielleicht sollte man sich das mal wirklich auf der Zunge zergehen lassen??? Mal wirklich drüber nachdenken, was das zu bedeuten hat? ES WIRD ENG ! Und wehe "die Chinesen" oder auch "die Inder" fangen an, über einen dringend notwendigen Zweitwagen nachzudenken...und was ist mit "den Afrikanern"...???

  • @ Wickrather
    Ich habe es Ihnen doch erläutert:
    RWE-Power betreibt sehr hohe Aufwendungen um die Feuchtgebiete SO WEIT WIE MÖGLICH zu erhalten. Wenn wirtschaftlich vertretbar wird RWE-Power Abhilfe schaffen.
    Wie bereits gesagt: Es sind keine “Wahnsinnsprojekte“. Es sind – im Gegensatz zur Durchführungsart der sogenannten Energiewende – äußerst sachgemäß durchdachte und durchgeführte Projekte.

    Übrigens: „einem dichtesten besiedelten Ballungsräume Europas“? Sie machen sich doch lächerlich. Ich kenne die Gegend, da ist plattes Land. Die Fläche wird auch „nicht einfach abgebaggert“, sondern äußerst umsichtig nach einem genehmigten Plan mit vertretbarer Umweltbelastung.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%