Energie

K+S im Übernahmekampf K+S zeigt sich gegen Potash hart

Der Übernahmekampf zwischen Potash und K+S geht in die nächste Runde. Der Konzern aus Kassel hat das erste Angebot abgelehnt – die Kanadier geben indes noch lange nicht auf. Doch die Fronten verhärten sich eher.
Update: 03.07.2015 - 15:51 Uhr Kommentieren
Der Kasseler Konzern fürchtet um Arbeitsplätze im Falle einer Übernahme. Quelle: dpa
K+S

Der Kasseler Konzern fürchtet um Arbeitsplätze im Falle einer Übernahme.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Kasseler Salz- und Düngemittelhersteller K+S zeigt dem Rivalen Potash auch nach einem erneuten Angebot zu Übernahmeverhandlungen die kalte Schulter. Die Kanadier wollen im persönlichen Gespräch die Bedenken der Nordhessen ausräumen. Potash beabsichtige nicht, Minen zu schließen, die Produktion zu drosseln, das Salz-Geschäft von K+S zu verkaufen oder Personal abzubauen. „Wir sind daher bestrebt, uns baldmöglichst mit dem Management von K+S zu treffen, um unsere Zusagen gemeinsam zu diskutieren und weitere Details zu spezifizieren“, sagte der deutsche Potash-Chef Jochen Tilk am Freitag. K+S wiegelte ab: „Die Potash-Antwort enthält nichts Neues für uns. Daher gibt es keine Grundlage für Gespräche“, sagte ein Unternehmenssprecher. „Grundsätzlich werden wir jeden neuen Vorschlag prüfen, wie es unsere Verpflichtung ist“, ließ er aber eine Hintertür offen.

An der Börse waren K+S-Aktien mit einem Plus von mehr als fünf Prozent auf knapp 39 Euro größter Dax-Gewinner. Analysten und Investoren glauben, dass Potash sein Angebot über 41 Euro noch einmal aufstocken und das Unternehmen am Ende schlucken wird. Letztlich ergebe ein Zusammenschluss für beide Seiten Sinn, weil der neue Konzern mit seiner Marktmacht mehr aus den vorhandenen Bergwerken rausholen könne, sagte ein großer K+S-Aktionär der Nachrichtenagentur Reuters. „Das weiß das K+S-Management auch.“ Im Gegensatz zum Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta, der heftig gegen eine Übernahme durch Monsanto kämpft, habe K+S deutlich gemacht, dass der Konzern grundsätzlich offen für weitere Gespräche ist. „Nach unserer Einschätzung hat sich die Wahrscheinlichkeit eines Deals von 50/50 auf 70/30 erhöht“, sagte Analyst Markus Mayer von der Baader Bank.

Die Kanadier ließen offen, ob sie zu einer Erhöhung ihres Angebots, das K+S mit knapp acht Milliarden Euro bewertet, bereit wären. Die Offerte von 41 Euro je Aktie entspreche einer Prämie von 57 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen zwölf Monate und biete einen sicheren Barwert für die K+S-Anteilseigner, erklärte Potash lediglich. Beim deutschen Konkurrenten warb Potash-Chef Tilk erneut für seine Pläne: „Nach unserer Überzeugung würde der Zusammenschluss unserer beiden Unternehmen ein kapitalstarkes Unternehmen schaffen, das hinsichtlich Produkten, Regionen, Produktion, Vertrieb und Kunden stärker diversifiziert wäre. Wir sind davon überzeugt, dass dies bessere Entwicklungsmöglichkeiten und mehr Arbeitsplatzsicherheit für alle Mitarbeiter bietet.“

Viele Bedenken von K+S seien bereits in früherer Korrespondenz angesprochen worden oder könnten adressiert werden, falls K+S zu einem persönlichen Gespräch bereit wäre, erklärte der Chef des kanadischen Konzerns. Potash sehe bei dem Übernahmevorschlag eine „gute Balance“ zwischen den Interessen der Investoren und den Mitarbeitern und Standorten. Dem will K+S-Chef Norbert Steiner offenbar keinen Glauben schenken. „Wir sind nicht überzeugt, angesichts der eigenen Lage von Potash, dass ein Unternehmen soviel Geld ausgibt, um alles beim Alten zu lassen. Das ist unplausibel“, hatte er am Donnerstag vor Journalisten gesagt.

Zuvor hatte Steiner die Offerte des des um einiges größeren Rivalen mit deutlichen Worten zurückgewiesen: „K+S braucht Potash nicht.“ Das Angebot reflektiere den Wert des Unternehmens nicht angemessen. Steiner befürchtet zudem, dass die Nordamerikaner nach einer Übernahme die Produktion in den deutschen Minen von K+S herunterfahren könnten, um das Angebot am Markt für Kali-Düngemittel zu verknappen. Damit würde ein Teil der weltweit rund 14.000 Arbeitsplätze bei K+S auf der Kippe stehen. Potash hat nach Steiners Worten bei diesen Punkten bisher keine konkreten Zusagen gemacht.

Feindliche Übernahmen – Tops und Flops
Potash und K+S
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Der kanadische Düngemittelhersteller Potash hat ein Übernahmeangebot in Höhe von rund acht Milliarden Euro für den Kasseler Konkurrenten K+S auf den Tisch gelegt. So wollen die Kanadier wieder zum Weltmarktführer für Kalisalze aufsteigen. Dafür sind sie bereit, einen Aufschlag von 40 Prozent auf den derzeitigen Aktienkurs zu bezahlen. K+S will das Angebot prüfen, hieß es zuletzt. Solche feindlichen – oder neutraler: unkoordinierten – Übernahmen gibt es immer wieder. So versuchte etwa...

Pirelli und Continental
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...der ehemalige Reifen- und Kabelhersteller Pirelli 1990, den Automobilzulieferer Continental zu übernehmen. Aufgefallen war der Versuch durch hohe Kurssprünge der Continental-Aktie. Doch die Übernahme konnte verhindert werden: Eine Abwehrfront deutscher Großunternehmen erwarb auf Bitten des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder unter Federführung der Deutschen Bank eine Sperrminorität an Continental. Nach langem Kampf ging Pirelli die Liquidität aus, und Continental blieb vorerst eigenständig.

Krupp und Thyssen
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Erfolgreicher verlief die Übernahme des Dortmunder Anlagenbau- und Stahlkonzerns Hoesch durch Thyssen 1992. Auf diesem Plakat vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude von Hoesch in Duisburg wird jedoch bereits für eine spätere Fusion geworben: die zwischen Krupp und Thyssen. Ursprünglich hatte Krupp eine feindliche Übernahme des ungleich größeren Konkurrenten Thyssen geplant. Als die Pläne der Öffentlichkeit bekannt wurden, fusionierten die beiden Unternehmen stattdessen – nach Protesten von rund 30.000 Stahlarbeitern.

Vodafone und Mannesmann
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Das erste Übernahmeangebot durch Vodafone lehnte der Mannesmann-Konzern 1999 ab. Nach geheimen Verhandlungen beschlossen die beiden Mobilfunk-Konzerne ein Jahr später dann doch eine „einvernehmliche“ Fusion – mit gerichtlichem Nachspiel. Denn die Abfindung für den Mannesmann-Vorstand um Klaus Esser gingen in die Millionen. Allein Esser soll an der Fusion 60 Millionen Mark verdient haben. Die gerichtliche Klärung zog sich bis 2006 – und endete mit einer Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage von 1,5 Millionen Euro.

WCM und Klöckner
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Nur die wenigsten Übernahmen versetzen Arbeitnehmer in Euphorie, doch das Übernahmeangebot der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft WCM wurde von der Belegschaft des Stahlhändlers Klöckner einhellig begrüßt. Allein, der Vorstand wehrte sich mit Kräften – vergeblich. WCM stockte seinen Anteil von 40 auf 70 Prozent auf und versprach, keine Arbeitsplätze abzubauen. Rund drei Jahre später ging WCM insolvent und trat seine Klöckner-Anteile an Salzgitter ab.

Robert Bosch und Buderus
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Zwei Anläufe brauchte der Autozulieferer Robert Bosch, bis die Übernahme des Heiztechnik-Spezialisten Buderus im Jahr 2003 gelang. Von Bilfinger Berger übernahm Bosch ein 30-Prozent-Paket an Buderus – für 551 Millionen Euro. Der damalige Chef von Buderus, Uwe Lüders, galt als einer der schärfsten Kritiker des Deals – und gab nur kurze Zeit nach der Einigung seinen Chefposten auf.

INA/Schaeffler und FAG Kugelfischer
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670 Millionen Euro: So viel ließ sich der Wälzlagerhersteller INA/Schaeffler die Übernahme des Maschinenbauers FAG Kugelfischer kosten. Zuvor hatte FAG sich fünf Wochen lang heftig gegen die Pläne des Familienunternehmens gewehrt, bis der Deal im Oktober 2001 unter Dach und Fach war.

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