Energie

Lafarge-Holcim bis Hochtief Konzerne buhlen um Trumps Mauer-Auftrag

Der Bau einer Grenzmauer zu Mexiko, den Donald Trump versprochen hat, wäre ein Milliardengeschäft. Viele Konzerne weltweit hoffen bereits auf Aufträge. Jetzt meldet auch der Zementriese Lafarge-Holcim Interesse an.
Update: 02.03.2017 - 13:51 Uhr 8 Kommentare
Viele internationale Konzerne hoffen auf lukrative Aufträge aus den USA. Quelle: Imago
Mauerbau

Viele internationale Konzerne hoffen auf lukrative Aufträge aus den USA.

(Foto: Imago)

ZürichDer Zementriese Lafarge-Holcim will am geplanten Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko mitarbeiten. „Wir sind der größte Zementproduzent in den USA“, sagte Konzernchef Eric Olsen am Donnerstag zur Nachrichtenagentur Reuters. „Wir werden bei allen entscheidenden Infrastrukturprojekten in den USA mitmachen.“

Das schweizerisch-französische Unternehmen will aber auch am Bau von Brücken oder Flughäfen mitverdienen. „Alle diese Projekte werden zu einem starken Wachstum in den USA beitragen“, sagte Olsen. „Gemessen am Gewinnbeitrag dürften die USA zu unserem Markt Nummer eins werden." Gegenwärtig liegt noch das Schwellenland Indien auf dem Spitzenplatz, wo die Geschäfte zuletzt allerdings unter einem starken Monsun und der Bargeldknappheit litten.

Der neue US-Präsident Donald Trump hat versprochen, die teilweise marode Infrastruktur des Landes mit Investitionen von einer Billion Dollar auf Vordermann zu bringen. Die Finanzierung solle durch den öffentlichen und privaten Sektor sichergestellt werden. Der Bausektor frohlockt. „Wir sehen die eine Billion Investition als echte Gelegenheit für die Zukunft“, sagte Olsen.

Der deutsche Baukonzern Hochtief könnte seinen Hut ebenfalls in den Ring werfen. „Wir sind offen für alles“, hatte Konzernchef Marcelino Fernandez Verdes am Dienstag erklärt. Nordamerika sei ein wichtiger Markt für das Unternehmen. Die beiden US-Töchter Flatiron und Turner setzten 2017 darauf, sich dort an Ausschreibungen mit einem Volumen von rund 65 Milliarden US-Dollar zu beteiligen.

Auch die mexikanische Cemex und die deutsche Heidelberg Cement haben bereits Interesse an Baustofflieferungen signalisiert. „Wenn [die Mauer realisiert wird], wären wir mit Zementwerken in Texas und Arizona gut vorbereitet“, sagte Heidelberg-Cement-Chef Bernd Scheifele bereits am Tag nach Trumps Wahl.

Konkrete Pläne für seine Infrastruktur-Offensive hat Trump allerdings nicht vorgelegt. Für die Grenzmauer gibt es ebenfalls bislang vor allem nur Ankündigungen aus dem Wahlkampf. Mit der mehr als 3000 Kilometer langen Mauer an der Grenze zu Mexiko will Trump illegale Einwanderer aus dem Nachbarland fernhalten. Das Projekt dürfte etliche Milliarden Dollar verschlingen, auch wenn das US-Heimatschutzministerium in seinem Etat bisher nur 20 Millionen Dollar ausgemacht hat, die es für das umstrittene Projekt abziehen kann. Noch gebe es keine Ausschreibungen, betonte Hochtief-Chef Fernandez Verdes.

Wichtige Mauern – und warum sie gebaut wurden
Die Grenze zwischen Mexiko und den USA
1 von 9

Im Wahlkampf hat Donald Trump keinen Zweifel daran gelassen, dass er – sobald er die Möglichkeit dazu hat – eine Mauer zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko bauen wird. Nun hat der US-Präsident seinen Worten Taten folgen lassen. Am Mittwoch unterzeichnete er ein Dokument, das die Voraussetzungen für den Mauerbau schafft. Ein historischer Schritt. Doch rund um den Globus gibt es noch mehr berühmte Mauern. Ein Überblick.

Chinesische Mauer
2 von 9

6000, 9000 oder 21.000 Kilometer – die Länge der Chinesischen Mauer ist aufgrund ihres Alters und der unzähligen, nicht miteinander verbundenen Abschnitte sehr schwer zu bestimmen. So oder so ist sie hinsichtlich des Volumens und der Masse allerdings das größte Bauwerk der Erde. Mit dem Bau der Mauer wurde bereits vereinzelt im siebten Jahrhundert vor Christus begonnen. Ihre heute bekannte Form erhielt sie zur Zeit der Ming-Dynastie (1368 bis 1644). Die sogenannte Ming-Mauer diente zum Schutz des chinesischen Kaiserreichs vor den Mongolen.

Berliner Mauer
3 von 9

Im Jahr 1961 wurde die 1378 Kilometer umfassende innerdeutsche Grenze um weitere 167,8 Kilometer ergänzt – die Berliner Mauer. Sie galt als eines der markantesten Symbole des Konflikts im Kalten Krieg zwischen den Westmächten und dem Ostblock. Im Falle eines „ungesetzlichen Grenzübertritts“ galt der Schießbefehl. Wie viele Menschen an der Berliner Mauer getötet wurden, ist nicht genau belegt. Aktuellen Forschungen zufolge zwischen 136 und 245 Menschen. Am 9. November 1989 wurde die Grenze geöffnet und sorgte innerhalb eines weiteren Jahres für den kompletten Zusammenbruch der DDR und der staatlichen Einheit Deutschlands.

Israelische Sperranlagen
4 von 9

Entlang der Grenzlinie zwischen Israel und dem Westjordanland verläuft eine 759 Kilometer lange Absperrung. Sie verläuft nur zu circa zwanzig Prozent der sogenannten „Grünen Linie“, der vereinbarten Waffenstillstandslinie von 1949. Der restliche Verlauf befindet sich fast ausschließlich innerhalb des Westjordanlands, was zu heftigen Kritiken führte. Mit der Mauer wird einer künftigen Grenze eines souveränen Staates Palästina quasi vorgegriffen. Der Internationale Gerichtshof erklärte 2004, dass Israel mit dem Bau der Anlagen gegen Völkerrecht verstoße.

Marokkanischer Wall
5 von 9

Zum Schutz vor den Polisario-Rebellen errichtete Marokko in der Westsahara einen rund 2700 Kilometer umfassenden Wall, der hauptsächlich aus Sand, stellenweise aber auch aus Mauern und Geröll besteht. Zur Sicherung wird ein Sandwall zumeist durch Landminen und Stacheldraht ergänzt. Sie kommt der militärisch-politischen Funktion der Morice-Linie des französischen Algerienkrieges gleich. Von der Frente Polisario wird der Wall als „Mauer der Schande“, auf der anderen Seite von den Marokkanern umgangssprachlich als „Hassans Wall“ (benannt nach dem früheren König Hassan II.) genannt.

Friedenslinien
6 von 9

Die Friedenslinien (oder auch Friedensmauern) finden sich vorrangig in nordirischen Städten, allen voran in der Hauptstadt Belfast, und dienten dazu die Wohngebiete von pro-irischen Republikanern und pro-britischen Unionisten zu trennen. Sie sind das Ergebnis des Nordirlandkonflikts, der im Jahr 1969 ausbrach. Im Mai 2013 erklärte die Regierung, die Mauern in den nächsten zehn Jahren beseitigen zu wollen. Heute könnten die Mauern als Sehenswürdigkeiten im Rahmen von Stadtführungen besichtigt werden. Diese Art von Tourismus wird auch als „Konflikttourismus“ bezeichnet.

Hadrianswall
7 von 9

Der Hadrianswall war ein römisches Grenzbefestigungssystem, dass auf Anordnung des Kaisers Hadrian zwischen Newcastle und Solway Firth ab 122 n. Chr. erbaut wurde und rund 117,5 Kilometer umfasste. Er diente nicht etwa der Abwehr von Angreifern, sondern vielmehr der Überwachung des Handels- und Personenverkehrs. Seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe gekürt, zählt der Wall heute zu einem beliebten Touristenziel.

Für Hochtief ist Nordamerika ein wichtiger Markt. 2016 hatten die Essener dort rund elf Milliarden Euro umgesetzt – rund 55 Prozent der gesamten Erlöse. Der Auftragseingang in der Region lag bei 13,7 Milliarden Euro, im Gesamtkonzern waren es 24,8 Milliarden Euro. Rund 9500 Menschen arbeiten in Nordamerika für Hochtief-Gesellschaften.

Die 1947 in Colorado gegründete US-Tochter Flatiron ist unter anderem auf den Bau von Brücken, Autobahnen und Flughäfen spezialisiert. Die Tochter Turner errichtet Stadien, Hotels und Krankenhäuser in den USA. Hochtief sei „strategisch gut positioniert“, bilanzierte Fernandez Verdes.

Handelsblatt Energie Briefing
Lafarge-Anleger zeigen sich zufrieden
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

8 Kommentare zu "Lafarge-Holcim bis Hochtief: Konzerne buhlen um Trumps Mauer-Auftrag"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was heißt hier Ausschreibung?
    Es kann doch sein, dass es einen hohen Metallzaun gibt, vielleicht wird der elektrifiziert?

    Dann wären die Zement-Baulöwen weg vom Fenster und die Stahlhersteller und die E-Gesellschaften würden sich freuen können. U.U. Strom durch Sonnenenergie, da es dort sehr sonnig sein soll. Grüne Schützer könnten sich zufrieden zurücklehnen. Wäre auch billiger.
    Wer weiß was noch passiert?

  • Gestern hat Herr Trump in einer Rede gesagt, dass seine Regierung eine Billion
    Dollar bewegen will. Nun schreiben hier einige über die paar Dollar für die Grenzsicherung zu Mexiko, das ist doch pure Zeitverschwendung für Peanuts.

  • Trumps Gehabe ist unseriös. Noch immer hat er keine Hinweise gegeben, wie er die Sache finanzieren will. Es ist alles nur heiße Luft. Mit so einem würde ich niemals ein Geschäft abschließen. Er hat massenweise seine Geschäftspartner beschissen. Zuletzt hatte er eine Klage am Hals, wegen Betruges mit einer Gefakten "Universität". Mit so jemandem kann man doch nicht ersthaft über ein öffentliches Bauprojekt verhandeln. Der kann brüllen, wie Adolf, das ist alles.

  • @Tomas Maidan
    Seine Grenzen zu schützen und zu sichern ist bei Ihnen also unseriös. Dann lassen Sie am besten gleich ihre Haustür und Fenster offen, wenn Sie meinen, die Welt sei eine Nächstenliebe und friedvolle Welt. Danke!

  • Buhlen ist ein etwas altmodisches deutsches Wort, wie man es aus der Buhlschaft oder dem Nebenbuhler kennt. Es bedeutet soviel wie Bewerbung. Was Sie Toni Ebert da von "niederen Existenzen" faseln, verstehe ich nicht. Sie finden, die Journalisten, die das Wort "buhlen" benutzten, sind niedere Existenzen? Darf ich mal fragen: Befinden Sie sich auch im Krieg mit den Medien?
    (Oder ist Deutsch Ihre Muttersprache? Arbeiten sie von St. Petersburg aus?)

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Das haben sie sehr schön erklärt Herr Hoffmann. Allerdings versteht man das Wort "buhlen" auch sehr gut, und darauf kommt es beim Journalismus ja an. Ausserdem ist "Aussschreibung" kein Verb, so dass man keine aktive Handlung damit beschreiben kann. Ob die Firmen tatsächlich bereits "Angebote" abgegeben haben, wie sie behaupten, würde ich in Frage stellen. Wie fast alles bei Trump ist das ganze Projekt doch völlig unseriös, so dass niemand ernsthaft ein konkretes Angebot beziffern kann.

  • Das nennt man nicht "buhlen" sondern "Ausschreibungen". Die öffentliche Hand schreibt ihre Investitionen in die Infrastruktur eines Landes aus. Die Unternehmen buhlen also nicht, sondern geben daraufhin ihr Angebote ab...in der Hoffnung einer Auftragserlangung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%