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Energie

Letzte Hauptversammlung Innogy-Chef will „um Kultur und um Köpfe“ kämpfen

Uwe Tigges stellt sich auf der wohl letzten ordentlichen Innogy-Hauptversammlung den Aktionären. Sein Versprechen: Nach der Übernahme möglichst viel von Innogy zu bewahren.
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Innogy: Uwe Tigges will Projekt „um Kultur und um Köpfe“ kämpfen Quelle: dpa
Uwe Tigges bei der Innogy-Hauptversammlung

„Es ist gut und wichtig, dass Innogy gemeinsam mit Eon und RWE am Verhandlungstisch sitzt.“

(Foto: dpa)

Essen Gerade einmal drei Jahre ist Innogy alt. Erst zum dritten Mal lud der Energieversorger seine Aktionäre am Dienstag zur Hauptversammlung – aber vermutlich wird es auch das letzte ordentliche Treffen gewesen sein. Bis Ende des Jahres will Eon die Übernahme des Konkurrenten besiegelt haben.

Für Innogy-Chef Uwe Tigges geht es nur noch um eines: Er versucht aus der Übernahme seines Unternehmens das Beste zu machen – und kämpft vor allem um die Interessen seiner Mitarbeiter: „Unser Ziel lautet, soviel Innogy wie möglich in die neuen Gesellschaften mit einzubringen“, stellte Tigges vor den Aktionären klar, vor denen nur wenige gekommen waren.

Dabei gehe es um Projekte, aber auch „um Kultur und um Köpfe“. „Denn der größte Schatz in unserem Portfolio sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Innogy und Tigges waren im März 2018 von den Übernahmeplänen überrascht worden. Mehrheitseigner RWE, der Innogy erst 2016 an die Börse gebracht hatte und noch knapp 77 Prozent hält, hatte sich mit Eon auf ein Tauschgeschäft geeinigt, das letztlich die Zerschlagung von Innogy bedeutet. Eon übernimmt dabei Innogy, behält aber nur die Sparten Netz und Vertrieb.

RWE bekommt im Gegenzug unter anderem die erneuerbaren Energien von Innogy, aber auch die, die derzeit Eon betreibt. Eon will so zu einem der größten europäischen Versorger aufsteigen, der sich auf Vertrieb und Netz konzentriert. RWE wird wieder die gesamte Palette der Stromerzeugung abdecken, also neben Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke künftig wieder erneuerbare Energien.

Noch ist die Transaktion nicht perfekt. Während RWE bereits die kartellrechtliche Freigabe vorliegen hat, wird Eons Part weiter in Brüssel geprüft. Eon ist aber zuversichtlich, im zweiten Halbjahr die Genehmigung zu erhalten – wenn auch vermutlich unter Auflagen.

Innogy wird dann auf der Strecke bleiben. Die Pläne waren beim Management des Newcomers, der nach dem Börsengang mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 20 Milliarden Euro zum wertvollsten deutschen Energiekonzern aufgestiegen war, zunächst auf Ablehnung gestoßen.

Nachdem der Vorstand im vergangenen Sommer sich mit Eon und RWE über Rahmenbedingungen für den Integrationsprozess geeinigt hat, arbeitet er inzwischen aber aktiv mit. „Es ist gut und wichtig, dass Innogy gemeinsam mit Eon und RWE am Verhandlungstisch sitzt“, erklärte Tigges den Aktionären.

„Wir werden übernommen, weil wir gut sind“, hielt Tigges aber selbstbewusst fest: „Unsere Mission ist nicht beendet. Unsere Initiativen und Projekte leben fort – unter welchem Unternehmensdach auch immer.“

Geschäfte liefen 2018 mäßig

Viele Aktionäre waren nicht gekommen. In der Grugahalle blieben die meisten Sitze leer. Zu Beginn der Veranstaltung zählte Innogy nur rund 230 Teilnehmer. Thomas Deser, Portfoliomanager bei Union Investment, bedankte sich beim Vorstand für „den konstruktiven Umgang mit der Offerte nach der Phase des pflichtgemäßen Widerstands.“

Seine Wehmut hält sich aber in Grenzen. Schließlich habe Innogy das „dritte enttäuschende Geschäftsjahr in Folge“ hinter sich, sagte Deser: „Wenn wir Aktionäre uns an den Börsengang erinnern mit dem Versprechen steigender Ergebnisse und Dividenden und seither die entgegengesetzte Entwicklung protokollieren müssen, so können wir nur dringend an das Management appellieren, alles Erforderlich für das Gelingen der Übernahme durch Eon zu tun.“

Tatsächlich liefen die Geschäfte 2018 mäßig. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um 5,4 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zurück. Das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis sank um 16 Prozent auf eine Milliarde Euro. Innogy kämpft vor allem bei der britischen Tochter N-Power mit massiven Problemen.

„Bei N-Power lief ziemlich alles schief, was schief gehen konnte“, sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Ja, Innogy sei wie von Tigges behauptet gut, „aber deutlich weniger gut“ als zum Zeitpunkt, als der Deal angekündigt wurde. Inzwischen könne man nur hoffen, „dass der Deal zustande kommt.“

Joachim Kregel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) betonte, dass nicht alle Aktionäre Eons Offerte angenommen haben. Tatsächlich hat sich Eon neben den knapp 77 Prozent von RWE im Rahmen des Übernahmeangebotes nur knapp zehn Prozent gesichert.

Inzwischen hat Eon zwar am Markt mindestens drei Prozent dazu gekauft und dürfte die Schwelle von 90 Prozent überschritten haben. Nach Kregels Worten gebe es aber gute Gründe für Innogy-Aktionäre abzuwarten. „Das geringere Angebot könnte den Kurs nach oben treiben“, sagte Kregel. Letztlich dürfte Eon einen Squeeze-out beabsichtigen – und müsste sich mit den verbliebenen Aktionären auf eine Abfindung einigen.

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