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Energie
Ölfeld von Saudi Aramco

Der Staatskonzern fördert etwa zehn Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl täglich – so viel wie global sonst niemand.

(Foto: Reuters)

Luftbuchung mit Risiken Was Ölriese Saudi Aramco mit dem BASF-Konkurrenten Sabic vorhat

Der weltgrößte Ölförderer schiebt den Börsengang auf die lange Bank. Ein Milliardendeal mit dem Chemieriesen Sabic soll Saudi Aramco Zeit verschaffen.
25.07.2018 Update: 25.07.2018 - 17:21 Uhr Kommentieren

Berlin Ginge es nicht „um so richtig viel Geld, wäre ich inzwischen nur noch genervt“, stöhnt der Manager eines Staatsfonds in einem der Golfstaaten. Lange habe geprüft, ob sich sein Fonds bei einem Börsengang des saudischen Ölriesen Saudi Aramco mit Aktien eindecken sollte. Aber der IPO des weltgrößten Ölförderers wurde immer wieder verschoben.

Seit Anfang dieser Woche gibt es nun Berichte, dass Aramco Milliardenkredite auslotet, um Anteile des mehrheitlich staatlichen Petrochemieriesen Sabic zu kaufen. Aramco räumte auf Anfrage ein, „in einem frühen Stadium“ der Übernahme von Sabic-Anteilen zu sein.

Damit entstünde der Chemiekonzern mit der weltweit größten Rohstoffbasis. Denn Saudi Aramco fördert als Staatskonzern des Königreichs etwa zehn Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl täglich – so viel wie global sonst niemand. Bisher sind 30 Prozent der Aktien des Chemiekonzerns Sabic an der Börse in Riad gelistet, 70 Prozent befinden sich im Besitz des saudischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF).

Mit dem Einstieg bei Sabic will der Ölgigant den Experten zufolge viele Ziele gleichzeitig erreichen. Einerseits wäre Aramco damit nicht mehr ein reiner Verkäufer von Rohöl, sondern würde dieses gleichzeitig weiter zu Chemieprodukten verarbeiten. Andererseits würde das Manöver Aramco Zeit für den Börsengang verschaffen.

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    Fünf Prozent von Aramco sollen an die Börse satte 100 Milliarden Dollar einspielen. Allerdings hatten sich zuletzt Zweifel an einer Bewertung Aramcos mit dann zwei Billionen Dollar gemehrt. Saudi-Arabiens Ölminister Khalid Al-Falih, zugleich Aramco-Aufsichtsratschef, kündigte daraufhin an, der Mega-Börsengang werde „am wahrscheinlichsten“ 2019 stattfinden, anstatt wie ursprünglich geplant noch 2018.

    Die Übernahme von Anteilen – laut der Agentur Bloomberg sogar 50 bis 70 Prozent – an dem Chemiekonzern, würde den Wert von Saudi Aramco deutlich aufwerten. Sabic, kurz für Saudi Arabia Basic Industries Corporation, ist ein global operierender Petrochemiekonzern und mit etwa 103 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung ein Branchenriese.

    Zum Vergleich: BASF ist aktuell 90,4 Milliarden Dollar wert. Seit Jahresbeginn sind die Aktien des saudischen Konzerns bereits um fast ein Drittel gestiegen. Fünf Prozent der Aramco-Anteile würden dann auch mindestens so viel einspielen wie die vom Kronprinzen Mohammed bin Salman erhofften 100 Milliarden Dollar.

    „Cashcows des Königsreichs“

    Allerdings sei das ein „riskantes Verschiebemanöver“, sagte ein Fondsmanager in Dubai dem Handelsblatt. Denn die 100 Milliarden Dollar Privatisierungserlöse durch den Aramco-Börsengang sollen dem Staatsfonds PIF zufließen. Der aber hält 70 Prozent an Sabic, einem der größten Konkurrenten von BASF. Einziger Vorteil: Aramco würde leicht Kredite bei Wall-Street-Banken bekommen, die Regierung – die momentan dem Internationalen Währungsfonds zufolge 4,6 Prozent und 2019 noch 1,9 Prozent Haushaltsdefizit zu schultern hat, bliebe außen vor.

    Kronprinz Mohammed will den PIF mit Beteiligungen und Kapital von insgesamt zwei Billionen zum größten Staatsfonds der Welt machen. Der Fonds soll Megaprojekte wie die neue Zukunftsstadt Neom am Roten Meer, eine Entertainment-Stadt bei Riad und ein völlig neues Touristengebiet in Saudi-Arabien mitfinanzieren. Er ist die wichtigste finanzielle Triebkraft der „Vision 2030“, mit der König Salman sein Land für die Zeit nach dem Öl fit machen will.

    Dabei spielen die beiden Topkonzerne Aramco und Sabic eine Schlüsselrolle. Sie sind die „Cashcows des Königsreichs“, sagt Jaap Meijer, Managing Director bei der Investmentbank Arqaam Capital in Dubai. „Ein Sabic-Deal könnte dem Aramco-IPO nützen, denn es würde das Downstream-Produktionsportfolio des Ölkonzerns deutlich ausweiten.“

    Im Downstream-Geschäft – also der Ölverarbeitung – verfolgt Saudi Aramco enorme Pläne: Schon jetzt baut der Konzern mit Sabic für 20 Milliarden Dollar gemeinsame Produktionsstätten zur Petrochemieproduktion auf. Hinzu kommen Pläne zu deutlich mehr petrochemischer Produktion – zusammen mit Sabic und dem chinesischen Ölkonzern Sinopec.

    So soll China enger an das Königreich gebunden und vom Erzrivalen Iran ferngehalten werden. Die Iraner bieten wegen der aufziehenden massiven US-Sanktionen chinesischen Firmen immer engere Kooperationen an. Saudi-Arabien soll zusammen mit den USA China vom Kauf iranischen Rohöls und von Beteiligungen an iranischen Energieprojekten abhalten, heißt es in europäischen Regierungskreisen.

    Am Ende könnte Aramco den Gang an die Börse sogar komplett auslassen und stattdessen „einen Anteil an die Chinesen direkt verkaufen“, sagt der Staatsfonds-Manager. Das sei „sicheres Geld und mehr, als über einen IPO zu erlösen ist. Außerdem wäre China damit eng an die Saudis gebunden“.

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