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Energie
Nach Cyberattacke:

In vielen Orten an der US-Ostküste kam es in dieser Woche zu Engpässen.

(Foto: AFP)

Medienbericht Cyberangriff auf Benzin-Pipeline: Colonial zahlte wohl fünf Millionen Dollar Lösegeld

Eine Cyberattacke hatte die größte Benzin-Pipeline der USA vom Netz genommen. An vielen Tankstellen an der Ostküste kam es zu chaotischen Szenen.
13.05.2021 Update: 13.05.2021 - 18:00 Uhr Kommentieren

New York Die größte Benzin-Pipeline in den USA hat den Betrieb nach einem Hackerangriff schrittweise wieder aufgenommen. Das teilte die Betreibergesellschaft Colonial am Mittwoch (Ortszeit) mit. Sie warnte jedoch, dass es mehrere Tage dauern dürfte, bis die Anlage wieder normal läuft.

Die Firma hatte Ende vergangener Woche bestimmte Systeme nach einer Cyberattacke vom Netz genommen, um die Bedrohung einzudämmen. Der Betrieb der Pipeline kam dadurch komplett zum Erliegen, was in Teilen des Landes Benzin-Engpässe verursachte.

Am Donnerstagnachmittag sickerten Informationen über eine millionenschwere Lösegeldzahlung durch. Einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge zahlte die Betreibergesellschaft Colonial osteuropäischen Erpressern fast fünf Millionen Dollar.

Das Unternehmen habe den Betrag nur Stunden nach der Attacke in Form einer nicht zurückverfolgbaren Kryptowährung übermittelt, hieß es unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Danach hätten die Hacker Colonial ein Hilfsmittel zur Entschlüsselung zur Verfügung gestellt, um das außer Betrieb gesetzte Computersystem wiederherstellen zu können. Doch dieses habe nur langsam funktioniert, daher habe der Pipeline-Betreiber schließlich auf eigene Datensicherungsinstrumente zurückgegriffen.

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    Von Colonial war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Die US-Bundespolizei FBI macht für den Angriff eine Hackergruppe namens „Dark Side“ verantwortlich, die in Russland oder Osteuropa vermutet wird.

    Verwundbarkeit der Infrastruktur offengelegt

    Als Reaktion auf die Engpässe gaben die Ölpreise am Donnerstag im frühen Handel deutlich nach. Am Morgen kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent 68,37 US-Dollar. Das waren 95 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI sank mit 94 Cent auf 65,14 Dollar ähnlich stark.

    Mit der erneuten Inbetriebnahme der Pipeline kann die amerikanische Ostküste zwar aufatmen, weil sie nicht mehr akut von der Benzinknappheit bedroht ist. Aber der Pipeline-Angriff hat gezeigt, wie verwundbar die Infrastruktur der US-Unternehmen ist.

    Die Colonial Pipeline ist für die Versorgung des Landes von großer Bedeutung. Quelle: AP
    Benzin

    Die Colonial Pipeline ist für die Versorgung des Landes von großer Bedeutung.

    (Foto: AP)

    US-Präsident Joe Biden hatte noch am frühen Mittwochabend in Washington ein Regierungsdekret erlassen, das die digitale Sicherheit der US-Behörden verbessern soll, die ebenfalls schon Opfer von Cyberattacken geworden sind.

    Versorgungslage mit Benzin schwierig

    Das Dekret erwähnt nicht explizit Öl- und Gas-Pipelines. Aber sie fordert vom Handelsministerium, Standards für die Cybersicherheit für Software-Firmen festzulegen, die die Regierung beliefern. Die Hoffnung ist, dass sich diese Standards dann auch in der Privatwirtschaft und international durchsetzen.

    Die Versorgungslage mit Benzin hatte sich zuletzt verschärft. Im Bundesstaat North Carolina etwa war nach Angaben der Marktanalysefirma Gasbuddy zur Wochenmitte an 70 Prozent der Tankstellen kein Benzin mehr erhältlich. In Virginia seien 53 Prozent der Tankstellen betroffen, in South Carolina und in Georgia seien es jeweils 43 Prozent.

    Auch in anderen Bundesstaaten im Südosten der USA kam es demnach zu Engpässen. Die Knappheit hat die Benzinpreise auf den höchsten Stand seit 2014 getrieben und teilweise zu turbulenten Szenen an Tankstellen geführt.

    An den Zapfsäulen, an denen Autofahrer Sprit horteten, kam es teils zu chaotischen Szenen. US-Medien verbreiteten ein Instagram-Video von einer Schlägerei an einer Tankstelle in North Carolina, wo sich eine Fahrerin offenbar in der Schlange an einer Zapfsäule vordrängeln wollte.

    Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC sah sich am Mittwoch dazu gezwungen, auf Twitter davor zu warnen, Benzin in Plastiktüten zu füllen. Auch in der Region um die Hauptstadt Washington, in der jede fünfte Tankstelle ausfiel, berichteten Autofahrer von langen Schlangen an den Zapfsäulen.

    Die US-Regierung hatte die Bürger bereits am Dienstag aufgefordert, keinen Kraftstoff zu horten. „Die nächsten Tage werden herausfordernd sein“, sagte Energieministerin Jennifer Granholm in Washington. Die Lage werde sich aber bald wieder normalisieren, es gebe keinen Mangel an Kraftstoff.

    Die Regierung bitte darum, von Hamsterkäufen abzusehen. „Wir haben Benzin, wir müssen es nur zu den richtigen Orten bringen“, sagte Granholm weiter. Die Colonial Pipeline ist für die Versorgung des Landes von großer Bedeutung, sie transportiert etwa 45 Prozent aller an der Ostküste verbrauchten Kraftstoffe.

    Viele Hintergründe des Cyberangriffs sind weiterhin unklar. So ist etwa unbekannt, wie viel Geld die Hackergruppe Darkside, die als verantwortlich für die Attacke gilt, von Colonial erpressen wollte. Das Unternehmen hielt sich bislang auch bedeckt dazu, ob überhaupt Lösegeld gezahlt wurde.

    Mehrere spektakuläre Hacker-Vorfälle in jüngster Vergangenheit

    Eine stellvertretende Nationale Sicherheitsberaterin hatte am Montag im Weißen Haus erklärt, die Regierung habe dazu auch keine Informationen. Momentan sei von einem „kriminellen Akt“ auszugehen. Es würden aber alle Hinweise geprüft, auch mit Blick auf eine mögliche Verwicklung staatlicher Akteure.

    In den USA hatte es in der jüngeren Vergangenheit mehrere besorgniserregende Vorfälle mit Hackern gegeben. Erst vor zwei Monaten war bekannt geworden, dass chinesische Hacker das E-Mail-Programm von Microsoft gehackt hatten und in die Posteingänge von Tausenden Nutzern gedrungen sind.

    Zuvor hatten russische Hacker die Konten von 18.000 Kunden des texanischen Software-Unternehmens Solarwinds gehackt, darunter auch wichtige Regierungsbehörden. Nach Angaben des US-Ministeriums für Heimatschutz hatte außerdem im vergangenen Jahr ein Angriff mit der sogenannten Ransomware einen Gaskonzern zwei Tage lang lahmgelegt, der auf Hackerattacken völlig unvorbereitet war.

    Mehr: Joe Biden muss bei der Modernisierung der US-Infrastruktur die Cybersecurity mitdenken

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