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Energie

Mol-CEO Zsolt Hernadi im Interview „Opec+ ist eine sehr gewichtige Stimme auf dem globalen Ölmarkt“

Seit fast 20 Jahren ist Hernadi CEO des Ölkonzerns Mol. Im Interview spricht er über Turbulenzen auf dem Ölmarkt und warum er gelassen bleibt.
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Der CEO ist sich sicher: Mol ist von der Volatilität des Ölpreises unabhängig. Quelle: Reuters
Zsolt Hernadi

Der CEO ist sich sicher: Mol ist von der Volatilität des Ölpreises unabhängig.

(Foto: Reuters)

Der 58-jährige Chef des ungarischen Ölkonzern Mol hat in seiner langen Karriere schon viele Aufs und Abs des „schwarzen Goldes“ erlebt. Bereits seit fast 20 Jahren fungiert Zsolt Hernadi als Chairman und CEO des Energiekonzerns. Der frühere Banker, der auch Deutsch spricht, nimmt die derzeitigen politischen Turbulenzen und dessen Einfluss auf den Ölpreis in seiner Budapester Konzernzentrale mit großer Gelassenheit.

Herr Hernadi, wenn Sie auf den Ölpreis der vergangenen Monate blicken, ruft das bei Ihnen ein breites Lächeln oder ein sorgenvolles Stirnrunzeln hervor?

Wenn der Ölpreis zu hoch steigt, ist das gut für unsere Ölförderung. Wenn er allerdings sehr niedrig ist, gut für unser Raffineriegeschäft und unsere petrochemischen Produkte. Vor diesem Hintergrund ist die Performance der Mol fast stabil. Ich lächle daher unabhängig von der aktuellen Preisentwicklung. Denn wir sind ziemlich unabhängig von der Volatilität des Ölpreises.

Ihr Preiserwartung in diesem Jahr bewegt sich zwischen 50 und 70 Dollar pro Barrel. Halten Sie diese Prognose vor den aktuellen Entwicklungen noch aufrecht?

Natürlich kann es vorübergehend zu höheren Preisen kommen, wie zuletzt durch die Sanktion der USA gegenüber dem Iran und Venezuela oder der Politik der Opec. Es kann immer wieder Überraschungen geben, beispielsweise durch eine höhere Nachfrage in China oder Europa oder durch unerwartete Sanktionen gegenüber Russland. Wir glauben, dass langfristig die Preise zwischen 50 und 70 Dollar pro Barrel bewegen werden.

Werden wir uns in der Zukunft auf eine Volatilität beim Ölpreis einstellen müssen? Schließlich hat US-Präsident Donald Trump das Öl als politische Waffe entdeckt.

Die Volatilität des Ölpreises ist keine neue Erfahrung. Große Schwankungen gab es immer. Ich erinnere mich noch an 1999. Damals fiel der Preis für einen Barrel unter zehn Dollar. Damals mussten wir aus finanztechnischen Gründen sogar Ölfelder verkaufen. Zwei Jahre lag der Preis wieder über 20 Dollar pro Fass. So ist das Ölgeschäft nun einmal.

Heißt das dann im Umkehrschluss, dass wir in diesem Jahr angesichts der verschärften Sanktionen gegenüber dem Iran auch wieder Preise über 100 Dollar je Barrel erwarten können?

Das kann kurzfristig schon passieren, wenn es beispielsweise zu militärischen Schritten kommen würde, was ich nicht hoffe. Wenn nur eine Million Barrel weniger Rohöl gefördert wird, bedeutet das einen Preisanstieg um zehn Prozent.

Die Opec und Russland treffen sich wieder im Juni, um über weitere Schritte im Ölmarkt zu sprechen. Wenn Sie einen Wunsch an die Ölminister in Wien frei hätten, wie sähe der aus?

Ich gebe Opec+ keine Ratschläge. Doch aus meiner Sicht gibt es ihrerseits ein realistische Marktpolitik. Ich sehe keine Anzeichen, dass sich dies ändern könnte.

Ist Opec+ ein starker Spieler im globalen Ölmarkt?

Daran habe ich keinen Zweifel, wenn auch die Bedeutung angesichts anderer Energiequelle wie Gas und Erneuerbare Energien zurückgegangen. Doch natürlich besitzt Opec+ eine sehr gewichtige Stimme auf dem globalen Ölmarkt. Doch die Nummer eins sind heute die USA mit ihrer Ölindustrie.

Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien drohte vor kurzem, das Ölgeschäft nicht mehr in Dollar abwickeln zu wollen. Steht der Dollar als Währung für Big Oil zur Disposition?

Viele Länder weltweit beabsichtigen einen Bedeutungsverlust des Dollars. 85 Prozent des Welthandels läuft in US-Dollar ab – einschließlich der Politik der Opec, die seit den Siebziger Jahren den Ölhandel in Dollar abwickelt. Ich sehe nicht wie aus der saudischen Drohungen Wirklichkeit werden sollte.

Hinter dem US-Dollar steht das Währungssystem der USA, das vertrauensvoll, transparent und vorhersehbar ist. Andere Währungen im internationalen Ölgeschäft zu etablieren ist nicht unmöglich. Doch dafür braucht es sehr, sehr viel Zeit und enge Zusammenarbeit aller Ländern, die nicht mit US-Dollar einverstanden sind.

Wir danken für das Gespräch.

Mehr: Der Ölkonzern Mol baut um – und setzt aufs Recyclinggeschäft.

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