Energie

Nach Rekordjahr Windbranche bangt um Tausende Jobs

Noch nie wurden so viele Windräder in Deutschland errichtet wie 2017. Doch die Hersteller von Turbinen und Rotorblättern sowie ihre Zulieferer fürchten einen Kahlschlag. Mehr als 10.000 Jobs gingen wohl bereits verloren.
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Die Branche bangt um Tausende Jobs. Quelle: dpa
Arbeiten an Windkraftanlage

Die Branche bangt um Tausende Jobs.

(Foto: dpa)

BerlinDer Rückblick auf die vergangenen Jahre stimmt Hermann Albers hochzufrieden: „Es gibt zunächst keinen Grund zur Klage“, sagte der Präsident des Bundesverbands Windenergie bei der jährlichen Bilanzpräsentation seiner Industrie in Berlin. Kein Wunder: Die Zahlen der Branche sind imposant. Allein im vergangenen Jahr wurden hierzulande rund 1800 Windräder mit einer Leistung von 5330 Megawatt neu hinzugebaut und ans Stromnetz angeschlossen. Das ist ein Plus von gut 15 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. 2017 war damit das beste aller Zeiten Jahr für die deutsche Windkraftindustrie. Zwischen Passau und Cuxhaven drehen sich mittlerweile rund 28.700 Mühlen.

Doch für die nächsten Jahre ist Albers weniger optimistisch: „Wir sind in großer Sorge“, erklärte der Verbandsboss. Denn schon 2018 droht der Markt um ein Drittel einzubrechen, 2019 könnte noch schlimmer werden. Gekappte Förderungen, massiver Preisdruck und politische Unsicherheit setzen der Branche zu. Die Folge: Bei den Herstellern von Turbinen und Rotorblättern, den wichtigsten Komponenten bei Windrädern, sowie der mittelständischen Zuliefererindustrie, sind tausende Stellen in Gefahr.

„Ich glaube, wir sind mittlerweile fünfstellig, was den Arbeitsplatzabbau in 2017 angeht“, sagte Albers am Rande der Bilanzpräsentation seines Verbandes. „Wir bekommen viele Rückmeldungen, dass Firmen ein Drittel, die Hälfte oder gar 80 Prozent des Personals abgebaut haben.“ Diese Entwicklung gelte es nach seinen Worten „dringend zu stoppen“. Ob wirklich Zehntausend oder noch mehr Jobs im vergangen Jahr in der Branche verloren gegangen sind, kann jedoch auch der Verband nicht genau ermitteln: Denn nur wenige Unternehmen in der Branche sind börsennotiert und müssen regelmäßig aktuelle Mitarbeiterzahlen veröffentlichen.

Das sind die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)
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Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. XEMC profitiert zwar von diesem Boom, hat aber durch einen etwas schwächeren Windmarkt an Bedeutung verloren. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2017 auf fast tausend verkaufte Turbinen und einen Marktanteil von 1,8 Prozent.

Marktanteil 1,8 Prozent.  

Platz 13: Sewind (China)
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Im vergangenen Jahr fand sich auf diesem Platz noch der chinesische Staatskonzern Dongfang, im Ranking 2017 wird er von seinem ebenfalls chinesischen Konkurrenten Sewind zwei Plätze nach hinten verwiesen. Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 2,1 Prozent.  

Platz 12: CSIC Haizhuang (China)
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Unter den 15 führenden Windkraftkonzernen der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2017 mehr als 45 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 2,3 Prozent.

Platz 11: United Power (China)
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Der chinesische Windkraft-Konzern, United Power, bekommt die gedämpfte Entwicklung auf dem Heimatmarkt stark zu spüren. Vom siebten geht es auf den elften Platz und der Marktanteil schrumpft um ganze 1,2 Prozent. Die Tochtergesellschaft des staatlichen Stromversorgers China Guodian produziert Turbinen für Windräder an Land und auf hoher See in beinahe allen Leistungsklassen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 10: Suzion (Indien)
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Dank eines Boom-Jahres auf dem heimischen Markt, hat der indische Windturbinenhersteller Suzion es in die Top 15 geschafft. Das ist allerdings auch der Markt, auf den fast 40 Prozent des Geschäfts von Suzion entfallen. Im laufenden Jahr wird aufgrund von der Umstellung auf offene Ausschreibungen erst einmal mit einem Einbruch des indischen Marktes gerechnet, dann muss auch der Windradbauer zunächst mit einem Auftragseinbruch rechnen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 9: Senvion (Deutschland)
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Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion hat es auch global wieder unter die Top 10 geschafft. Ganze drei Plätze brachte ihn ein Rekordjahr auf dem deutschen Markt nach vorne. In der Bundesrepublik wurde noch nie soviel Windkraftleistung installiert wie im vergangenen Jahr: Ganze 6,5 Megawatt. Im nächsten Jahr könnte das aber wieder ganz anders aussehen. Die Hamburger kämpfen mit schwindenden Subventionen, massiven Preiskampf und sinkenden Umsätzen.

Marktanteil: 3,7 Prozent.

Platz 8: Mingyang (China)
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Chinas drittgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen. Im Gegensatz zu den meisten anderen chinesischen Windkonzernen, konnte Mingyang seinen Marktanteil 2017 sogar vergrößern.

Marktanteil: 4,7 Prozent.

Als sicher gilt laut IG Metall aber, dass bei den Großen der Branche mehr als 2.000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verloren haben. Standorte wie Carbon Rotec in Lemwerder oder Powerblades in Bremerhaven wurden geschlossen. Beim Hamburger Windradbauer Senvion mussten 660 Vollzeitkräfte gehen. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Nordex, der zweite große Windkraftkonzern mit Sitz in der Hansestadt, will wegen erodierender Gewinne bis zu 500 Stellen abbauen. Und Enercon, der deutsche Marktführer mit mehr als 20.000 Mitarbeitern weltweit, kündigte zuletzt „unpopuläre Maßnahmen“ an, um die Kosten zu drücken.

Einerseits setzt der Branche der Preisverfall durch die Umstellung auf Ausschreibungen enorm zu. Statt staatlich garantierte Vergütungen pro erzeugte Kilowattstunde Strom zu erhalten, müssen sich die Betreiber von Windparks mittlerweile im Wettbewerb um die Höhe der Zuschüsse streiten. Nur noch derjenige, der den geringsten Preis bietet, bekommt den Zuschlag. Die Vergütungen für Windstrom am Festland haben sich so binnen eines Jahres mehr als halbiert – auf zuletzt nur noch 3,8 Cent pro Kilowattstunde.

Andererseits brechen bei den Turbinenbauern die Aufträge im wichtigen deutschen Heimatmarkt ein. Matthias Zelinger vom Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) spricht von einem Rückgang in den Auftragsbüchern von teils 70 Prozent. „Die Ebbe wird bis Mitte des Jahres im gesamten Markt angekommen sein“, so Zelinger. Um einen weiteren Kahlschlag in der heimischen Windkraftindustrie zu verhindern, in der mehr als 140.000 Menschen arbeiten, fordert er die Politik zum Handeln auf.

„Der Gesetzgeber muss das EEG dringend reparieren“, so Zelinger. Konkret müsste künftig für die Teilnahme an Ausschreibungen verpflichtend eine Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) vorhanden sein. Andernfalls könnten sich die Unternehmen viel zu lange – bis zu viereinhalb Jahre – Zeit lassen, um die Windparks tatsächlich zu bauen. Das würde zu einer Delle beim Ausbau führen und Unternehmen die Planungssicherheit nehmen. Aktuell bestehe ein regulatorisches Risiko, das „fatal“ sei, so Zelinger.

Windverbandschef Alber hält es für „sehr wichtig“, dass jetzt ein Signal von der Politik kommt, um die Arbeitsplätze in dem Ökosektor zu sichern. Die Hilferufe der Branche sind in Berlin angekommen. Im Ergebnispapier zu den Sondierungsgesprächen zwischen Union und SPD haben die Parteien beispielsweise bereits eine Sonderausschreibung mit einem zusätzlichen Volumen von 4000 Megawatt für Windräder an Land vorgesehen.

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5 Kommentare zu "Nach Rekordjahr: Windbranche bangt um Tausende Jobs "

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  • Ich vermute mal, die bangen sehr viel mehr um ihren Profit als um Arbeitsplätze.

    Außerdem - wozu brauchen wir noch mehr Windräder, wo doch schon rd. 13 % ohnehin "am Rad frehen"?

  • Rainer von Horn
    25.01.2018, 16:31 Uhr
    @ Herr Wolfgang Bürger
    25.01.2018, 16:03 Uhr

    "Es wird sowieso nicht mehr viele Rekordjahre geben, da niemals "an jeder Straßenecke" ein Windrad stehen wird."

    ....................

    So sind eben die Europäer mit Ihre Falsche Mentalität !

    Während die CHINESEN sich WELTWEIT EXPORTIEREN UND EINBRINGEN.
    Und dann wundern sich die Europäer etwa in Afrika daß es zu oft heißt :
    " TUT MIR LEID ABER IHR KOLLEGE AUS CHINA WAR SCHON DA ! "

    EUROPA MUSS CHINA DEN STIRN BIETEN und das nicht nur innerhalb Deutschlands oder Europas !

    Wer sich von CHINA verdrängen läßt hat verloren !!!

    So steht in Marokko eines der einzigster Zementwerke daß völlig mit erneubare Energien funktioniert ! EUROPA HAT SO ETWAS NICHT aber ist kein Drittland ?

    Und AFRIKA BRAUCHT ENERGIEN, aber anstatt dass Europa sich dort einbringt, da will Europa Strom aus Afrika nach Europa importieren !

    Dabei hat AFRIKA längst erklärt sein dort produzierten Strom in der Zukunft selber für den Fortschritt Afrikas zu benötigen !

  • @ Herr Wolfgang Bürger
    25.01.2018, 16:03 Uhr

    "Es wird sowieso nicht mehr viele Rekordjahre geben, da niemals "an jeder Straßenecke" ein Windrad stehen wird."

    Das ist bei mir in der Gegend schon so, wird immer weiter lustig weiter betrieben und bei der Gleichgültigkeit der Menschen hierzulande, muss ich an Ihre Aussage ein Fragezeichen machen, denn schliesslich will sich dieses Land ja "klimaneutral" aufstellen - egaql was es kostet. Selbst wenn wir die einzigenin der Welt sind, die das machen.....

  • Es wird sowieso nicht mehr viele Rekordjahre geben, da niemals "an jeder Straßenecke" ein Windrad stehen wird.

  • NACH REKORDJAHR
    Windbranche bangt um Tausende Jobs
    Noch nie wurden so viele Windräder in Deutschland errichtet wie 2017. Doch die Hersteller von Turbinen und Rotorblättern sowie ihre Zulieferer fürchten einen Kahlschlag. Mehr als 10.000 Jobs gingen wohl bereits verloren.

    .......................

    Die Politik der Europäischer Union sei Dank dafür und dazu den falschen Entscheidungen der EZB dazu !

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