Energie
Innogy-Hauptquartier

Der Deal ist perfekt: Eon wird die RWE-Tochter Innogy übernehmen.

(Foto: AFP)

Neuordnung der Energiewirtschaft Eon und RWE besiegeln Mega-Deal – 5.000 Stellen fallen weg

Die Aufsichtsräte der beiden Konzerne haben die Zerschlagung von Innogy gebilligt. Dadurch entstehen zwei neue Champions auf dem europäischen Energiemarkt.
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Mehrere Hundert Seiten ist der Vertrag stark, mit dem Eon und RWE den deutschen Energiemarkt aufmischen wollen. Und jetzt ist er unterzeichnet. Eon wird die RWE-Tochter Innogy übernehmen.

Das teilten die Vertragsparteien am Montagabend mit. Die Aufsichtsräte beider Unternehmen hatten zuvor das Geschäft im Volumen von mehr als 20 Milliarden Euro gebilligt. Jetzt stehen zwar noch die Genehmigungen durch die Kartellbehörden aus. Wettbewerbsexperten sehen aber – zumindest auf dem deutschen Markt – keine großen Bedenken.

Eon übernimmt die 76,8 Prozent, die RWE noch an Innogy hält. Der Konkurrent erhält im Gegenzug einen Anteil von 16,7 Prozent an Eon und zahlreiche Aktivitäten. Nach jahrzehntelanger Rivalität werden die beiden Konzerne also erstmals direkt verbunden sein.

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Vor allem bekommt RWE die erneuerbaren Energien von Innogy und sogar die, die Eon bislang selbst betrieben hat. Damit wird Innogy zerschlagen, und Eon konzentriert sich auf die Sparten Netz und Vertrieb. Der Konzern wird damit zu einem der größten Energieversorger Europas und versorgt rund 50 Millionen Kunden in Europa. Der RWE-Konzern, der nach der Abspaltung nur noch Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke betrieben hat, wird wieder selbst grünen Strom produzieren.

RWE wird dann über acht Gigawatt an Wind- und Wasserkraft und Photovoltaik verfügen. Auf einen Schlag wird der Konzern zur Nummer drei bei der regenerativen Stromerzeugung in Europa.

Eon und RWE hatten in der Nacht zu Sonntag zwar über die grundlegende Einigung berichtet. Da standen aber noch die Zustimmung der Aufsichtsräte und die Vertragsunterzeichnung aus.

„Durch den strategischen Tausch von Geschäftsbereichen schaffen wir zwei hochgradig fokussierte Unternehmen, die eine bessere Zukunft für die europäische Energielandschaft gestalten werden“, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen. „Indem wir die Geschäfte von Eon und Innogy in den Bereichen Energienetze und Kundenlösungen zusammenführen, kann Eon ihr Angebot entlang der Wertschöpfungskette dort stärken, wo wir unseren Kunden am nächsten sind.“

Eon erwartet durch die Verbindung Synergien von 600 bis 800 Millionen Euro jährlich, die ab 2022 realisiert werden sollen. Eon geht davon aus, dass im Zuge der Integration „maximal 5000“ der dann insgesamt 70.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Das entspreche weniger als sieben Prozent der Belegschaft

„In der Transformation der Energiewelt sind erneuerbare Energien und konventionelle Kraftwerke zwei Seiten einer Medaille“, sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz: „Das Kerngeschäft des Unternehmens, in Verbindung mit einer soliden Finanzbeteiligung an Eon, schafft attraktive und nachhaltige Zukunftsperspektiven für das Unternehmen, die Mitarbeiter und unsere Aktionäre.“

Den restlichen Aktionären von Innogy will Eon ein Angebot über 40 Euro unterbreiten. Darin sind die Dividenden für 2017 und 2018 enthalten. Die Aussicht auf den Deal hatte die Aktien am Montag schon kräftig nach oben getrieben. Eon legte gut fünf Prozent zu, RWE neun Prozent und Innogy sogar zwölf Prozent.

Kartellbehörden müssen noch zustimmen

Die Unternehmen müssen sich jetzt noch den Deal von den Kartellbehörden genehmigen lassen. Ob das deutsche Bundeskartellamt oder die Wettbewerbsbehörde in Brüssel für den Fall zuständig ist, muss nun in Gesprächen mit den Unternehmen geklärt werden. Von der Höhe des Umsatzes her ist zwar die EU-Kommission zuständig, jedoch kann die Entscheidung auch an das Bundeskartellamt gegeben werden.

Monopolkommissionschef Achim Wambach glaubt in jedem Fall nicht daran, dass der Deal zwischen den Energieversorgern Eon und RWE an den Kartellbehörden scheitern wird. „Nach den Informationen, die uns bisher vorliegen, gehe ich grundsätzlich davon aus, dass die Wettbewerbsbehörden keine Bedenken gegen das Geschäft haben werden“, sagte Wambach im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Auch Wambachs Vorgänger im Amt, Wettbewerbsexperte Daniel Zimmer, sieht den Deal unkritisch: „Bei einer ersten groben Betrachtung rechne ich durch die Neuaufstellung von Eon und RWE nicht mit großen Problemen für den Wettbewerb.“ Die Größe eines Anbieters sei aus wettbewerblicher Sicht nicht entscheidend. Es komme auf die Konkurrenzsituation an, und die sei sowohl in der Energieerzeugung als auch beim Vertrieb auch nach der Neuaufstellung gegeben. Die Verteilnetze seien sowieso so reguliert, dass auch ein starker Marktteilnehmer seine Dominanz nicht ausnutzen könne.

Nach Abschluss der Transaktion, die erst Ende 2019 erwartet wird, wird der deutsche Energiemarkt damit schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit komplett neu geordnet. 2016 hatten sich Eon und RWE erst aufgespalten. Eon gliederte das Geschäft mit Kohle- und Gaskraftwerke in die neue Uniper SE aus. RWE behielt das alte Geschäft selbst und brachte das Geschäft mit der Energiewende in Innogy an die Börse.

Innogy verschwindet jetzt schon wieder vom Markt. Und auch Uniper muss um die Eigenständigkeit bangen. Eon hat sein restliches Paket von knapp 47 Prozent dem finnischen Energiekonzern Fortum angedient.

Beim Kaufobjekt Innogy sind der Ärger über RWE und die Unruhe groß. „Uns ist völlig klar, dass Sie diese Nachrichten verunsichern“, schrieb der Innogy-Vorstand am Sonntag an die Belegschaft: „Wir versichern Ihnen, dass die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Unternehmens ebenso wie die unserer Aktionäre weiterhin an vorderster Stelle von uns verfolgt werden.“ Der Vorstand hatte selbst erst am Wochenende von den Plänen erfahren.

Kritisch galt im Vorfeld die Zustimmung der kommunalen Aktionäre von RWE zu dem Deal. Sie hatten sich zuletzt immer gegen eine Zerschlagung von Innogy ausgesprochen. Am Montag stellten sie sich aber hinter das Geschäft: „Die geplante Transaktion zwischen der RWE AG und der Eon SE ist aus kommunaler Sicht sowohl strategisch wie auch finanzwirtschaftlich grundsätzlich positiv zu werten“, teilte der Verband der kommunalen RWE-Aktionäre (VKA) mit.

Die Unterstützung war für RWE wichtig. Die Kommunen halten noch gut 20 Prozent der Anteile und stellen vier Vertreter im Aufsichtsrat. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern hätten sie den Deal blockieren können.

Auch die Gewerkschaften Verdi und IG BCE begrüßten in einer gemeinsamen Erklärung das Geschäft. „Die Chance für alle Beteiligten liegt darin, starke und investitionsfähige Unternehmen aufzubauen und Perspektiven für Wachstum und Arbeitsplätze zu erschließen“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske.

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