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Energie

Nord Stream 2 OMV-Chef Seele kritisiert US-Botschafter: „Der Brief ist eine vollkommen inakzeptable Bedrohung“

US-Botschafter Grenell will Unternehmen sanktionieren, die sich am Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 beteiligen. OMV-Chef Seele reagiert auf ungewöhnliche Weise.
Update: 15.01.2019 - 16:36 Uhr 3 Kommentare
Der OMV-Chef reagiert in ungewohnt scharfen Worten auf den Brief von US-Botschafter Richard Grenell. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Rainer Seele

Der OMV-Chef reagiert in ungewohnt scharfen Worten auf den Brief von US-Botschafter Richard Grenell.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

WienDer an der umstrittenen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 beteiligte Öl- und Gaskonzern OMV kritisiert die Drohung des deutschen US-Boschafters Richard Grenell in ungewöhnlich scharfen Worten. „Der Brief ist eine vollkommen inakzeptable Bedrohung von deutschen Unternehmen.

Es ist Ausdruck der veränderten Außenpolitik der Vereinigten Staaten. Washington setzt auf Konfrontation statt Kooperation mit den Verbündeten. „Das bedauere ich zutiefst“, sagte Vorstandschef Rainer Seele dem Handelsblatt in Wien (Lesen Sie hier das gesamte Interview im Wortlaut).

Der frühere Chef der BASF-Tochter Wintershall leitet seit 2015 den österreichischen Energiekonzern. „Europa darf sich bei energiepolitischen Fragen nicht von den USA bevormunden lassen. Es ist das Hoheitsrecht von Deutschland und Europa, dass wir uns um unsere Energiepolitik selbst kümmern, damit die Versorgungssicherheit und Wettbewerbssicherheit zu unserer Zufriedenheit geregelt wird“, sagte der 58-jährige CEO.

Er glaubt allerdings nicht an eine große Wirkungen von möglichen Sanktionen gegen die an Nord Stream 2 beteiligten Unternehmen. „Einseitige Sanktionen sind in der Wirkung sehr eingeschränkt“, sagte Seele.

Grenell hatte in einem am Wochenende bekannt gewordenen Brief an die Energiekonzerne Uniper und Wintershall mit Sanktionen gedroht, wenn sie weiter an ihrem Engagement an der im Bau befindlichen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 festhalten.

„Wir betonen weiterhin, dass Firmen, die Exportpipelines für russische Energie betreiben, sich an Aktivitäten beteiligen, die einem erheblichen Sanktionsrisiko unterliegen“, heißt es in dem ursprünglichen Schreiben an die beiden deutschen Konzerne.

Seine Drohung hatte der umstrittene Diplomat nun wiederholt. „Firmen die im Bereich des russischen Energie-Exportsektors arbeiten, riskieren eventuelle Sanktionen“, sagte Grenell der „Rheinischen Post“ am Dienstag. Die Bundesregierung in Berlin hat bislang darauf verzichtet, den Brief des US-Botschafters öffentlich zu kommentieren.

Der Bau der 9,5 Milliarden teuren Pipeline von Russland durch die Ostsee nach Deutschland läuft unterdessen auf vollen Touren. Bereits Ende 2019 soll durch die 1 230 Kilometer lange Pipeline Nord Stream 2 russisches Gas nach Deutschland fließen.

Die Gasleitung unter der Führung des russischen Energiekonzerns Gazprom wird von Wintershall, Uniper sowie dem österreichischen Ölkonzern OMV, der britisch-niederländischen Shell und dem französischen Energieunternehmen Engie mitfinanziert. Die Konzerne übernehmen die Hälfte der Kosten.

Die teilstaatliche OMV setzt trotz der massiven Kritik der USA weiter auf die starke politische Unterstützung durch die Regierung in Berlin und Wien. „Bei Nord Stream 2 gibt es eine enge politische Kooperation zwischen Deutschland und Österreich. Das ist sehr hilfreich für die im Bau befindliche Ostsee-Pipeline“, sagte Seele dem Handelsblatt.

„Wir investieren nicht in die Abhängigkeit von Russland“

Der österreichische Staat hält 31,5 Prozent der Aktien an dem Konzern mit mehr als 20.000 Mitarbeitern, der zuletzt mehr als 20 Milliarden Euro an Umsatz erzielte. Die OMV pflegt seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu Gazprom. Das neutrale Österreich unter seiner rechtskonservativen Regierung von Kanzler Sebastian Kurz nimmt traditionell eine russlandfreundliche Stellung ein.

Seele sieht den Bau von Nord Stream 2 als notwendig an. „Wir investieren nicht in die Abhängigkeit von Russland, sondern wir investieren in die Diversifizierung der Gastransportwege nach Europa“, sagte der OMV-Chef. Nord Stream 2 sei eine Infrastrukturinvestition, die die Versorgungssicherheit in Europa noch weiter erhöhen werde.

Bislang gibt es Seele zufolge eine starke Abhängigkeit durch den „monopolartigen Transit“ des russischen Gases durch die Ukraine. „Europa braucht die zusätzlichen Kapazitäten durch die neue Ostsee-Pipeline mehr denn je. Denn der Produktionsrückgang von Gas, beispielsweise in Großbritannien oder den Niederlanden, ist schneller gegangen, als wir alle in der Branche erwartet haben“, sagte Seele.

Durch Nord Stream 2 wird die bisherige Route durch die politisch instabile Ukraine an Bedeutung verlieren. Das osteuropäische Land verliert dadurch Transitgebühren in Milliardenhöhe. Gegen die neue Ostsee-Pipeline wehren sich neben der Ukraine auch Polen und die baltischen Länder aus sicherheitspolitischen Gründen.

Hintergrund des enormen Drucks der USA auf die neue Ostsee-Pipeline sind vor allem wirtschaftliche Interessen. Sie wollen mehr Flüssiggas, in der Branche LNG genannt, nach Europa verkaufen. Bislang ist das russische Gas aber preiswerter.

Druck auf Dänemark wächst

„Es kann nicht sein, dass wir hierzulande amerikanisches Flüssiggas zu überteuerten Preisen einkaufen und damit unsere energieintensiven Industrien gegenüber der amerikanischen Konkurrenz benachteiligen“, sagte Seele dem Handelsblatt. Der OMV-Chef versucht, die Amerikaner zu beruhigen: „Der Markt braucht so viele zusätzliche Importmengen, dass es noch genügend Platz für amerikanisches Flüssiggas geben wird.“

Ob Nord Stream 2 so schnell fertig gebaut werden kann wie ursprünglich geplant, ist noch nicht endgültig geklärt. Denn während andere skandinavische Länder wie Finnland und Schweden die Gasleitung längst genehmigt haben, hat Dänemark das Projekt noch nicht genehmigt. Der politische Druck auf das kleine EU-Land insbesondere vonseiten der USA sei gewaltig, berichteten zuletzt Insider.

Deshalb wurde über den im April 2017 gestellten Antrag noch nicht endgültig entschieden. Die OMV gibt sich optimistisch, dass Kopenhagen nach der derzeit laufenden Anhörung am Ende grünes Licht geben wird. „Wenn auf der Grundlage von Fakten entschieden wird, erwarte ich die Zustimmung der dänischen Regierung“, sagte Seele.

Nach den ursprünglichen Planungen sollten 87 Kilometer durch die Territorialgewässer vor der dänischen Insel Bornholm verlaufen. Das Nord-Stream-2-Konsortium unter Federführung des teilstaatlichen Gasriesen Gazprom verfolgt mittlerweile eine Alternativroute von 174 Kilometern nördlich der dänischen Ostsee-Insel.

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3 Kommentare zu "Nord Stream 2: OMV-Chef Seele kritisiert US-Botschafter: „Der Brief ist eine vollkommen inakzeptable Bedrohung“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Welche durchschaubare Heuchelei: In Russlands Fernost bauen und betreiben US Firmen wir Exxon Erdgas-Verflüssigungsanlagen, als JV Partner von Gazprom.
    Mit Donald Trump hat der "Ugly American", eine Metapher in Deutschland für die US Besatzung nach dem 2. Weltkrieg, wieder seine Fratze erhoben.

  • US-Botschafter Grenell..............
    Zitat:
    Viele betreten die Bretter, die die Welt bedeuten
    und merken nicht,
    dass sie auf dem Holzweg sind.
    Heinz Erhardt

  • Ich halte es auch für eine Unverschähmtheit, wie der amerikanische Botschafter sich in europäische Angelegenheiten einmischt und Drohungen gegen den Pipelinebau sogar schriftlich an beteiligte Unternehmen richtet. Es sind doch wieder nur einseitige USA-Interessen (TRUMP) uns sein Fraking-Gas zu verkaufen. Von der deutschen Regierung wieder mal keine klare Antwort!!!