Energie

Nordex-Chef in der Kritik Desaster, Pannen und viele offene Fragen

Erst die drastische Gewinnwarnung, dann der Kurssturz: Analysten üben heftige Kritik am Windradbauer Nordex. Vorstandschef Krogsgaard steht unter Druck. Die neuen Geschäftszahlen dürften ihm kaum Luft verschaffen.
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Das Unternehmen dürfte 2018 wohl maximal 3,6 Milliarden Euro erwirtschaften. Quelle: dpa
Turbinenfertigung bei Nordex

Das Unternehmen dürfte 2018 wohl maximal 3,6 Milliarden Euro erwirtschaften.

(Foto: dpa)

BerlinEs wirkte, als könnte in Hamburg eine neue Liebesbeziehung entstehen. Kaum hatte Lars Bondo Krogsgaard im Sommer 2015 den Vorstandsvorsitz beim Windanlagenhersteller Nordex übernommen, machte er sich daran, die anfängliche Skepsis gegen seine Person zu zerstreuen. Mit Erfolg. Der gebürtige Däne mit der schmalen Brille überzeugte am Kapitalmarkt mit akzentfreiem Deutsch und stetig emporwachsenden Gewinnen. Als Krogsgaard dann auch noch die Übernahme der Windsparte des spanischen Mischkonzerns Acciona ankündigte, überschlugen sich die Analysten endgültig in ihren Lobeshymen.

„Smarter Move“, „exzellenter Schachzug“ oder „perfekte Ergänzung“, kommentierten die Finanzmarktbeobachter damals die Fusionspläne. Der Aktienkurs von Nordex schoss in die Höhe – von anfänglich 15 Euro auf mehr 32 Euro zum Jahresende 2015. Doch nachdem der Deal mit Acciona für 785 Millionen Euro im vergangenen Frühjahr vollzogen war, drehte sich der Wind. Jetzt herrscht bei den Analysten blankes Entsetzen. Statt Lob hagelt es Kritik. Die Aktie dümpelt unter 15 Euro.

Der Grund: Zuerst passte Krogsgaard die Prognose für das Geschäftsjahr 2016 ans untere Ende der Bandbreite an, dann wurde der angepeilte Auftragseingang verfehlt. Und in der vergangenen Woche schockte der Nordex-Chef seine Aktionäre auch noch mit einer drastischen Umsatz- und Gewinnwarnung für die kommenden beiden Jahre. Statt bis zu 4,5 Milliarden Euro dürfte das Unternehmen, das Windturbinen und Rotorblätter fertigt, 2018 wohl maximal 3,6 Milliarden Euro erwirtschaften. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte zudem um 160 Millionen Euro geringer ausfallen als ursprünglich geplant.

„Das ist ein kommunikatives Desaster“, sagte Sven Diermeier dem Handelsblatt. Der Analyst von Independent Research sieht das Vertrauen in das Management als „schwer beschädigt“ an. Arash Roshan Zamir von Warburg Research erklärte, der Eindruck einer „Pannenserie“ lasse sich nicht vollständig ausräumen. Und Holger Fechner von der Nord LB fürchtet sogar, „dass da vielleicht noch mehr kommt“. Die Analysten senkten jedenfalls ihre Daumen. In der Folge sackte die Aktie von Nordex binnen einer Woche um teils gut 30 Prozent ab.

Krogsgaard müht sich nun, die Investoren zu besänftigen. Der erste Schritt dabei: Der Nordex-Chef präsentierte am Mittwoch etwas bessere Geschäftszahlen für das Jahr 2016 als erwartet. Konkret stieg der Umsatz des im TecDax notierten Unternehmens nach vorläufigen Zahlen auf rund 3,4 Milliarden Euro an. Das ist ein Plus von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gewinn schoss um mehr als 82 Prozent in die Höhe – auf 95,4 Millionen Euro.

Das sind die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)
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Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. XEMC profitiert zwar von diesem Boom, hat aber durch einen etwas schwächeren Windmarkt an Bedeutung verloren. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2017 auf fast tausend verkaufte Turbinen und einen Marktanteil von 1,8 Prozent.

Marktanteil 1,8 Prozent.  

Platz 13: Sewind (China)
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Im vergangenen Jahr fand sich auf diesem Platz noch der chinesische Staatskonzern Dongfang, im Ranking 2017 wird er von seinem ebenfalls chinesischen Konkurrenten Sewind zwei Plätze nach hinten verwiesen. Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 2,1 Prozent.  

Platz 12: CSIC Haizhuang (China)
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Unter den 15 führenden Windkraftkonzernen der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2017 mehr als 45 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 2,3 Prozent.

Platz 11: United Power (China)
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Der chinesische Windkraft-Konzern, United Power, bekommt die gedämpfte Entwicklung auf dem Heimatmarkt stark zu spüren. Vom siebten geht es auf den elften Platz und der Marktanteil schrumpft um ganze 1,2 Prozent. Die Tochtergesellschaft des staatlichen Stromversorgers China Guodian produziert Turbinen für Windräder an Land und auf hoher See in beinahe allen Leistungsklassen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 10: Suzion (Indien)
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Dank eines Boom-Jahres auf dem heimischen Markt, hat der indische Windturbinenhersteller Suzion es in die Top 15 geschafft. Das ist allerdings auch der Markt, auf den fast 40 Prozent des Geschäfts von Suzion entfallen. Im laufenden Jahr wird aufgrund von der Umstellung auf offene Ausschreibungen erst einmal mit einem Einbruch des indischen Marktes gerechnet, dann muss auch der Windradbauer zunächst mit einem Auftragseinbruch rechnen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 9: Senvion (Deutschland)
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Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion hat es auch global wieder unter die Top 10 geschafft. Ganze drei Plätze brachte ihn ein Rekordjahr auf dem deutschen Markt nach vorne. In der Bundesrepublik wurde noch nie soviel Windkraftleistung installiert wie im vergangenen Jahr: Ganze 6,5 Megawatt. Im nächsten Jahr könnte das aber wieder ganz anders aussehen. Die Hamburger kämpfen mit schwindenden Subventionen, massiven Preiskampf und sinkenden Umsätzen.

Marktanteil: 3,7 Prozent.

Platz 8: Mingyang (China)
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Chinas drittgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen. Im Gegensatz zu den meisten anderen chinesischen Windkonzernen, konnte Mingyang seinen Marktanteil 2017 sogar vergrößern.

Marktanteil: 4,7 Prozent.

Arash Roshan Zamir findet die Cash-Generierung erfreulich. „Das Unternehmen ist von einer Nettoverschuldung in Höhe von 200 Millionen Euro Ende September auf eine Netto-Liquidität von 6 Millionen Euro umgeschwungen“, erklärt der Analyst. Vollends beruhigen konnte Nordex-Chef Krogsgaard die hitzige Lage am Kapitalmarkt mit den neuen Geschäftszahlen aber dennoch nicht.

Der 51-Jährige will sich in dieser Woche in Frankfurt und am Donnerstag in London persönlich der Kritik der Analysten und Investoren stellen. In einer morgendlichen Telefonkonferenz rechtfertigte Krogsgaard am Mittwoch die revidierte Geschäftsprognose für 2017 und 2018. Es sei notwendig gewesen, die mittelfristigen Ziele neu „zu justieren“, da sich „externe Faktoren“ geändert hätten, sagte Krogsgaard. 2017 erwartet er einen Umsatzrückgang auf 3,1 bis 3,3 Milliarden Euro.

Der Grund: In Brasilien, einem wichtigen Markt für Nordex, wurden die geplanten Ausschreibungen für neue Windenergieanlagen Ende 2016 abgesagt. „Das war eine politische getriebene Entscheidung“, erklärte Krogsgaard. Zudem würden sich Projekte in Sudafrika verzögern und der Preisdruck sei für Windkraftprojekte insbesondere für das Jahr 2018 „signifikant höher als wir es erwartet haben“, sagte Krogsgaard.

Handelsblatt Energie Briefing
„Das Management steht unter Druck“
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3 Kommentare zu "Nordex-Chef in der Kritik: Desaster, Pannen und viele offene Fragen"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die deutsche Energiewende ist eine tolle Sache und die Unternehmen, die sich auf diesem Feld tummeln eine einzige Erfolgsstory. Man darf nur nicht den betriebenen gigantischen monetären Aufwand in Bezug zum politischen Ziel, dem Klimaschutz durch eingespartes CO2, setzen.

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