Energie

Ökostromanbieter Naturstrom setzt jetzt auch auf Photovoltaik

Weil die Kosten für Solarstrom so stark gesunken sind, lohnt es sich nun für den Düsseldorfer Ökostrompionier erstmals, die Energieform zuzukaufen. Bisher hatte das Unternehmen nur auf Wind- und Wasserkraft gesetzt.
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Große Technologie-Sprünge: Die Kosten für Photovoltaikanlagen sind in den vergangenen Jahren stark gesunken. Quelle: dpa

Große Technologie-Sprünge: Die Kosten für Photovoltaikanlagen sind in den vergangenen Jahren stark gesunken.

(Foto: dpa)

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel will den Ausbau von Solarstrom per Gesetz bremsen, doch für den Ökostromanbieter Naturstrom hat die Blütezeit der Sonnenenergie gerade erst begonnen. Das Unternehmen nimmt erstmals Sonnenenergie in sein Ökostrom-Portfolio mit auf.

Bisher war dem Düsseldorfer Anbieter der Strom aus Solaranlagen zu teuer, das Unternehmen kaufte ausschließlich Strom aus Wind- und Wasserkraftanlagen. Doch die Kosten für die Energie aus Photovoltaikanlagen sind in den vergangenen Jahren drastisch gesunken und mit ihnen die EEG-Vergütung für die Anlagen.

Die Naturstrom-Vorstände Thomas Banning (links) und Oliver Hummel im Windkanal.

Die Naturstrom-Vorstände Thomas Banning (links) und Oliver Hummel im Windkanal.

„Heute können wir Photovoltaikstrom für unter zehn Cent die Kilowattstunde produzieren“, sagt Naturstrom-Vorstand Thomas Banning im Gespräch mit Handelsblatt Online. Nun lohne es sich erstmals für den Ökostromanbieter, auch diese Energieform in sein Portfolio aufzunehmen – wenn auch zunächst nur zu einem Prozent. Das Unternehmen kauft den Strom direkt vom Produzenten. Damit der mitmacht, bekommt er von Naturstrom etwas mehr Geld für sein Produkt, als er durch die EEG-Vergütung, also die Abwicklung des Stromverkaufs über den Staat, bekommen würde.

Naturstrom ist Ökostromanbieter der ersten Stunde und mit 240.000 Kunden inzwischen auch einer der größten. Das Unternehmen kauft nicht nur Ökostrom ein, sondern betreibt auch selbst eigene Anlagen. Naturstrom bezieht seinen Strom von mehr als 200 dezentralen Öko-Kraftwerken. Weil deren Betreiber direkt von dem Düsseldorfer Unternehmen bezahlt werden, verzichten sie auf die Ökostromsubvention, was wiederum den Stromverbraucher entlastet. 

Die Pläne von Bundeswirtschaftsminister Gabriel für eine starre Begrenzung des Ausbaus von Solarkraft und Co. kritisiert Naturstrom-Vorstand Oliver Hummel scharf: „Es ist doch paradox: In dem Moment, in dem wir bei der Photovoltaik den Punkt überschaubarer Kosten erreicht haben, tritt die Bundesregierung auf die Bremse“, sagte er im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Handelsblatt Energie Briefing
Subventionen seien weiterhin nötig
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6 Kommentare zu "Ökostromanbieter: Naturstrom setzt jetzt auch auf Photovoltaik"

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  • Kommentar zu R. Pietzsch: NATURSTROM bezieht keinen Strom aus Norwegen. Zwischen Deutschland und Norwegen gibt es auch gar keine Übertragungsleitungen. Der Anteil an Strom aus Wasserkraft stammt bei NATURSTROMM hauptsächlich aus Österreich vom Anbieter VERBUND.

  • Wie hoch der Anteil von Wind- und Sonnenstrom aktuell ist, kann man auch leicht auf transparency.eex.com finden. Und wieviel verkauft Naturstrom grade? Mich würde auch interessieren über welche Leitung das Unternehmen Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken bezieht. Grade jetzt im Winter, wenn das blöde Wasser gefriert, die Norweger viel (mit Strom) heizen und deshalb Strom aus schwedischen Kernkraftwerken zukaufen.

  • Noch ein Nachtrag:
    Das Handelsblatt hat am 08.01.14 eine Aufstellung veröffentlicht unter dem Titel "Wo der Strom herkommt". Danach kommen aus der Windkraft 49,8 Mrd KWh, aus Biomasse 42 MRD KWh, aus der Photovoltaik 28,3 MRD KWh, insgesamt also 120,1 MRD KWh.
    In der Printausgabe des Handelsblatt von gestern auf Seite 6 und 7 ist der "Stromaustausch mit den Nachbarstaaten 2013" dargestellt. Summiert man die Exportüberschüsse Deutschlands in europäische Nachbarstaaten, kommt man auf 50,5 MRD KWh, ausgerechnet aus den "Atomstaaten" Frankreich und Tschechien wurden 17,5 MRD KWh eingeführt. Es ergab sich hiernach ein Exportsaldo von 33 MRD KWh.
    Natürlich bin ich nicht in der Lage es nachzuweisen, der Verdacht liegt aber nahe, dass bis zu 42% des sogenannten "Ökostroms" ins Ausland entsorgt werden musste, weil Deutschland zu Spitzenzeiten den Strom jetzt schon nicht mehr sinnvoll unterbringen kann und man dann zu wind- und sonnenarmen Zeiten Atomstrom (!!!) aus Frankreich und Tschechien beziehen MUSSTE. Das nennt sich dann Wertschöpfung und alle Beteiligten klopfen sich auf die Schulter. Hinweis an die Redaktion. es wäre mal interessant, die Geldströme zu veröffentlichen: was hat Deutschland für den hochsubventionierten Ökostrom erhalten und was musste man für die Importe bezahlen? Aber diese Zahlen liegen wohl unter Verschluß.
    Legt man das Geschäftsmodell von Naturstrom über ganz Deutschland müsste dann bei Wind-und Sonnenflaute aus dem Ausland eine Kraftwerksleitung von bis zu 80 GW zugekauft werden, denn Speicher gibt es nicht und Atom und Kohlekraftwerke sind irgendwann abgeschaltet. Frage: aus welchen Ländern können wir bitte sehr eine solche Menge Strom beziehen?

  • Guten Morgen Herr Dr. Banning,
    da scheint Ihr Unternehmen ja die grosse Ausnahme zu bilden. Wenn ich mir Ihre Homepage anschaue, fällt mir auf, dass Ihre Kraftwerke wohl überwiegend aus PV, Wind und Biomasse-Krafwerken bestehen. Ausser Biomasse ist keine der Erzeugungsformen grundlastfähig. Wie also stellen Sie die Grundlastfähigkeit her? Durch den Zukauf von Wasserkraft-Strom? Kohle und Atom sollten doch wohl ein "no go" sein. Die Wasserkraft macht mehr als 50% des EE-Stroms aus und Wasserkraft hatten wir schon vor dieser komischen "Energiewende". Und wie hoch sind Ihre Erzeugungskapazitäten im Vergleich zur gesamten bundesdeutschen Stromerzeugung? Sind es Prozent oder Promille. Vergessen Sie nicht: wir wollen ja nichts mehr und nichts weniger als die gesamte Stromerzeugung eines großen Industrielandes umstellen! Und das mnit volatilen Anlagen ohne nennenswerte Speicherkapazitäten.
    Ich bin nicht gegen Fortschritt und sauberen Strom. Wenn ich mir allerdings diese "Wende" so ansehe (und durch den Vortrag von Sinn und Alts Brief zu dem Thema fühle ich mich darin bestätigt, dass die Politik das Thema nur benutzt), denke ich, dass hier eine riesige Fehlentwicklung (Fehlallokation von Kapital, finanzielle Belastung von Bürgern mit Niedrigeinkommen, Landschaftsvernichtung usw.) losgetreten wurde. Und alles nur wegen Wählerstimmenfang und Steuereinnahmen.
    Gruß aus dem verspargelten Hunsrück!

  • Sehr geehrter Herr Feiden,
    Lesen bildet, das stimmt. Deshalb 2 schnelle Vorschläge zum Nachlesen:
    1. Die EEG-Vorlage heute im Bundeskabinett stellt fest,dass neue Kohle- und Gaskraftwerke 7 bis 11 Cent je kWh benötigen. Wind und Solarstrom produzieren wir in Deutschland aktuell für 6 bis 9,5 Cent je kWh, was nun weiter reduziert wird. Gerne stellen sich die Erneuerbaren Energien dem Wettbewerb zwischen den neuen Kraftwerken - mit 50 Jahre alten und abgeschriebenen Kohlekraftwerken, die in den kommenden Jahren ersetzt werden müssen, kann man aber weder Windanlagen noch moderne Gaskraftwerke vergleichen. Die vielgescholtenen Kosten des EEG haben mit den notwendigen Ersatzinvestitionen bei Kraftwerken und Netzen wohl mehr zu tun als mit den umweltverträglichen und ressourcenschonenden Erneuerbaren.
    2. Ein Blick auf die Homepage www.naturstrom.de: Bei der NATURSTROM AG "vermarkten" wir unseren Ökostrom seit über 6 Jahren genau in dem Sinne, wie Sie und andere immer fordern. Wir beliefern unsere Kunden - im Gegensatz zu mehr als 90 % des verkauften Ökostrom in Deutschland, der spottbillig und im Tausch für "dreckigen" Strom aus Deutschland aus norwegischer und österreichischer Wasserkraft beschafft wird, aus deutschen EE-Kraftwerken direkt. Der produzierte Strom erhält KEINE Förderung aus dem EEG, wir setzen Strom aus Wind, Sonne und Wasser ein wie andere Versorger Strom aus Kohle und Uran: in zeitgleicher Belieferung. Denn wir nehmen den notwendigen Umbau der Energiewirtschaft ernst und sorgen für eine echte Integration der Erneuerbaren. Entsprechend dem bekannten Ziel aller Beteiligten: Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Bezahlbarkeit. Doch genau diesen Weg schafft die Weisheit der Politik nun gerade ab. Über Wettbewerb reden gerne Viele, aber keiner der verantwortlichen Politiker erkundigt sich mal, wie Wettbewerb bei Ökostrom schon realisiert wird.
    Gerne informiere ich Sie weiter - sprechen Sie mich einfach an.
    Dr. Thomas E. Banning
    NATURSTROM AG

  • Zitat:
    „Die Erneuerbaren Energien sind jetzt schon wettbewerbsfähig“, schlussfolgert Banning.

    Nein, das sind sie eben nicht. Denn ein Wettbewerb setzt einen Markt voraus und den gibt es im Planwirtschafts-EEG nicht. Und die Erzeuger mussten sich bisher nicht um ihren weitgehend zufällig erzeugten Strom kümmern. Erst wenn sie ihren Strom selbstständig vermarkten müssen, dürfen wir von einem Markt reden. Solange das Prinzip "produce and forget" gilt, hängt die gesamte Branche am vom Bürger gefüllten Subventionstrog.

    In der beigefügten Abhandlung, ist auch mal der "Wert" des EE-Stroms ermittelt worden:

    http://www.eike-klima-energie.eu/uploads/media/Alt_Brief_Vortrag_Sinn_Energiewende_ins_Nichts_31.12.2013_01.pdf

    Lesen bildet....

    Empfehlung: streicht wenigstens die Vorrang-Einspeisung. Den Rest regelt dann tatsächlich "der Markt".

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