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Energie

Öl- und Gasbranche Wintershall DEA – Das ist Deutschlands neuer Ölkonzern

Durch die Zusammenlegung von DEA mit der BASF-Tochter Wintershall bekommt Deutschland einen schlagkräftigen Ölkonzern. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
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Wintershall DEA: Das ist Deutschlands neuer Ölkonzern Quelle: dpa
Fusion besiegelt

Seit einem Jahr haben BASF und Letter One die Zusammenlegung ihrer beiden Öl- und Gasunternehmen Wintershall und DEA geplant.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Seit fast einem Jahr haben die beiden Großkonzerne die Konditionen für ihre Zusammenlegung verhandelt. Am Donnerstagabend teilte der Wintershall-Mutterkonzern BASF schließlich mit, dass die Fusion besiegelt sei.

Wer bekommt was?

Der Chemieriese BASF wird zunächst 67 Prozent der Stammaktien an dem gemeinsamen Konzern Wintershall DEA halten. Der DEA-Eigentümer, die Investmentgesellschaft Letter One des russischen Milliardärs Mikhail Fridman, soll die restlichen 33 Prozent der Anteile an dem Unternehmen halten.

Weil Wintershall ein umfangreiches Gastransportgeschäft einbringt, unter anderem die Beteiligung an Nord Stream, wird BASF zusätzliche Vorzugsanteile erhalten. Spätestens 36 Monate nach dem Zusammenschluss und in jedem Fall vor einem Börsengang sollen diese Vorzugsanteile in Stammanteile von Wintershall DEA umgewandelt werden. Damit wird sich der Anteil von BASF an Wintershall DEA auf 72,7 Prozent erhöhen.

Wie groß wird der neue Ölkonzern?

Analysten schätzen den Marktwert des Gemeinschaftsunternehmens, das unter dem Namen Wintershall Dea firmiert, auf etwa 14 Milliarden Euro. Im Jahr 2017 hatte das kombinierte Geschäft von Wintershall und DEA einen Pro-forma-Umsatz in Höhe von 4,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Abschreibungen (Ebitda) hätte bei 2,8 Milliarden Euro gelegen und der Jahresüberschuss nach Anteilen anderer Gesellschafter bei 740 Millionen Euro.

Damit ist der neue deutsche Öl- und Gaskonzern zwar noch lange nicht in einer Liga mit Ölmultis wie Shell, BP oder Exxon Mobil, hat dafür aber eine starke Präsenz in wichtigen Märkten, zum Beispiel bei der Gasproduktion in Russland. Bei Dea entfallen 44 Prozent der Gesamtproduktion auf Gas, bei Wintershall sogar rund 70 Prozent.

Geht man von Zahlen vom vergangenen Jahr aus, kommt das neue Unternehmen auf eine Öl- und Gasproduktion von insgesamt 210 Millionen Barrel Öläquivalent (BOE). Für den Zeitraum von 2021 und 2023 – strebt das neue Unternehmen eine Tagesproduktion von 750.000 bis 800.000 BOE an. Gemeinsam beschäftigen Wintershall und Dea rund 3200 Mitarbeiter weltweit. Die Firmensitze sollen weiterhin Kassel und Hamburg sein.

Was bringt die Fusion von Dea und Wintershall?

Wintershall Dea erhofft sich ab dem dritten Jahr nach dem Abschluss der Transaktion Synergien von mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr. Damit rechnet auch Barclays-Analyst Sebastian Schulz: „Durch die Zusammenlegung von Projekten, Personal und Förderung kommen wir mit unserer Rechnung auf einen ähnlichen Betrag“. Das Ziel der Fusion sei die „Schaffung eines der größten unabhängigen europäischen Explorations- und Produktionsunternehmen“.

Wie kam es zu dem Zusammenschluss?

Wintershall und Dea fördern seit Jahrzehnten gemeinsam auf der Plattform Mittelplate im Wattenmeer Öl. Schon als der Energieversorger RWE seine damalige Tochter Dea im Jahr 2015 verkaufte, zeigte Wintershall Interesse. Damals bekam aber noch Letter One für rund 5,1 Milliarden Euro den Zuschlag. Nun werden die beiden Konzerne zusammengeführt – ihr Portfolio ergänzt sich dabei gut.

Wer wird den neuen Konzern führen?

Vorstandsvorsitzender und Chief Executive Officer (CEO) von Wintershall DEA wird der bisherige Wintershall-Chef Mario Mehren. Die bisherige Dea-Chefin Maria Moraeus Hanssen wird im neuen Unternehmen stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Chief Operating Officer.

Darüber hinaus sollen dem fünfköpfigen Vorstand von Wintershall DEA Thilo Wieland, Vorstandsmitglied von Wintershall, und Hugo Dijkgraaf, Managing Director Wintershall Norge, angehören. Ein Finanzvorstand soll später bestimmt werden.

Was bedeutet die Fusion für BASF?

BASF musste durch die Trennung zwar seine Prognose für 2016 senken, externe Experten spekulieren aber schon seit Jahren darüber, dass sich der Ludwigshafener Chemieriese aus dem Öl- und Gasgeschäft zurückziehen könnte und sollte. „BASF wird oft als zu komplex wahrgenommen. Die Abspaltung des Öl- und Gasgeschäfts ist da der richtige Schritt“, erklärt Analyst Satz. Schließlich ist das Geschäft mit der Exploration fossiler Rohstoffe längst nicht mehr so zukunftsträchtig wie noch vor einigen Jahren.

Was ist für die Zukunft geplant?

Im ersten Halbjahr 2019 soll die Transaktion abgeschlossen werden, wenn die Fusionskontroll-, Auslandsinvestitions- und Bergbaubehörden in diversen Ländern sowie die Bundesnetzagentur den Deal billigen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen Wintershall und DEA als voneinander unabhängige Unternehmen weitergeführt werden.

Mittelfristig streben BASF und Letter One einen Börsengang von Wintershall Dea an. Investoren und Analysten interpretierten die Pläne bei BASF als Einstieg in den Ausstieg aus dem Ölgeschäft.

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