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Energie

Ölbranche OMV richtet Konzern auf mehr Klimaschutz aus

CEO Rainer Seele will den CO2-Ausstoß des Ölkonzerns deutlich senken. Dazu setzt der Manager auf eine umstrittene Speicher-Methode unter der Erde.
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Der Ölkonzern aus Österreich will die eigene Klimabilanz aufpolieren. Quelle: Reuters
OMV-Chef Rainer Seele

Der Ölkonzern aus Österreich will die eigene Klimabilanz aufpolieren.

(Foto: Reuters)

Wien Protestbilder von Klimaschützern gegen die eigene Firma schätzt Rainer Seele, CEO des Öl- und Gaskonzerns OMV, nicht gerade. Zuletzt initiierte die Grünalternative Jugend eine Sitzblockade vor dem Tanklager des Energiekonzerns am Stadtrand von Wien. Die Polizei trug schließlich die Demonstranten der Nachwuchsorganisation der Grünen weg. Die Öko-Aktivisten protestierten mit dieser Aktion gegen die aus ihrer Sicht klimafeindliche Politik des Konzerns.

„OMV bohrt nach Öl und Gas, als ob es die Klimakrise nicht gäbe. Der Konzern weigert sich bis heute, aus fossilen Energieträgern auszusteigen“, sagte Naomi Sametinger, Chefin der Grünalternativen Jugend. Seele nimmt derartige Proteste wie die gesamte Ölbranche nicht mehr auf die leichte Schulter. „Es ist ein klarer Weckruf, dass wir unsere Anstrengungen für den Umweltschutz verstärken müssen. Das ist für mich Anlass, unsere Nachhaltigkeitsstrategie zu prüfen“, sagte Seele dem Handelsblatt. „Mein Ziel ist es dabei, einen Konzern mit den geringsten CO2-Belastungen in der Branche zu schaffen.“

Für den Kurswechsel der OMV im Klimaschutz gibt es handfeste Gründe. Der politische Druck auf das teilstaatliche Unternehmen wächst kontinuierlich. In Österreich sondiert Altkanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz mit den Grünen die Bildung einer Regierungskoalition. Der österreichische Staat ist mit 31,5 Prozent der größte Aktionär der OMV. Zudem hat der österreichische Bundespräsident und ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen den Klimaschutz ohnehin zur größten Herausforderung erklärt.

Seele, der bislang keine ausgewiesene Affinität zu Umweltschutzthemen besaß, reagiert und lenkt den Konzern in Richtung mehr Ökologie. „Wir müssen uns im Umweltbereich höhere und ehrgeizigere Ziele setzen“, sagte Seele, dessen Vertrag vor Kurzem bis Mitte 2022 verlängert wurde. „Wir werden uns bei der Neuausrichtung des Konzerns in Zukunft stärker an der Symbiose zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Zielen orientieren. Das heißt, wir werden uns als OMV anstrengen, die CO2-Emissionen zu senken.“

Dieses Ziel will Seele vor allem über neue Techniken erreichen. „Die OMV wird in einigen Jahren technologische Konzepte in Sachen Nachhaltigkeit haben. Wir werden unsere CO2-Emissionen sehr deutlich senken“, verspricht der 59-Jährige.

Um ihre Klimabilanz zu verbessern, beschäftigt sich die OMV neben der Verbesserung von Prozessen und Verfahren mit der unterirdischen Speicherung von CO2, die allerdings hochumstritten ist. „Wir sehen Vorteile, wenn wir CO2 in ausgelagerten, unterirdischen Lagerstätten sammeln“, sagte Seele. Der OMV-Chef will CO2 als Ausgangsstoff für neue Produkte einsetzen und künftig nutzen, um synthetische Kraftstoffe herzustellen.

CCS-Verfahren ist umstritten

Das Verpressen von Kohlendioxid in alte Öl- und Gasfelder gilt als wenig erforschte Technologie. Norwegen ist in der Ölbranche der Pionier bei der in der Branche unter CCS (carbon capture and storage) bekannten Technologie. Das umstrittene CCS-Verfahren hat sich aber bisher nur in einigen Testanlagen in und außerhalb Norwegens bewährt.

In Deutschland stieß CCS bei geplanten Testversuchen bereits vor Jahren auf entschiedenen Widerstand. Umweltschützer fürchten, das gespeicherte CO2 könnte irgendwann wieder entweichen und dann die Umwelt massiv schädigen. Kritiker der Technologie sprechen daher auch von einer „Zeitbombe im Boden“. Bislang gibt es in Deutschland auch nur eine einzige Testanlage zur CO2-Speicherung im Havelland.

In Österreich ist das unterirdische Speichern von Kohlendioxid genauso wenig erlaubt wie in Deutschland. Die OMV setzt unterdessen auf eine Liberalisierung durch die künftige Regierung in Wien. „Wir können über Innovationen auch relativ kurzfristig einen nachhaltigen Beitrag leisten. Dafür brauchen wir einen entsprechenden Rechtsrahmen“, sagt Seele in Anspielung auf eine erhoffte Gesetzesänderung.

Unterstützung kommt vom Umweltbundesamt, das im vergangenen Jahr erklärte, es sei strittig, „ob globale Klimaschutzziele international langfristig ohne CCS erreicht werden können“. Auch der Klimarat der Vereinten Nationen geht davon aus, dass die Pariser Klimaziele ohne Kohlendioxid-Speicherung nicht mehr zu erreichen sind.

Seele gibt den Optimisten. „Die Technologie um die Speicherung, Verwendung und Abscheidung von Kohlendioxid besitzt großes Potenzial. Die Bereitschaft der Politik, mit uns neue Wege zu gehen, sollte vorhanden sein“, sagt der ehemalige Wintershall-Chef. „Mit der CO2-Speicherung können wir kurzfristige Klimaziele erreichen“, ist sich der Konzernchef sicher. OMV überprüfe geeignete Lagerstätten für CO2.

Zum grünen Anstrich, welche sich OMV geben will, gehört auch, die Wiederverwertung von Plastik auszubauen. „Im Recycling werden wir uns stärker engagieren. OMV hat das Potenzial, mit Kunststoffabfällen eine komplexe Chemie- und Energieproduktpalette anzubieten“, sagte Seele. „An der Wiederverwertung forschen wir intensiv.“

Mit dieser Ökostrategie ist OMV in der Ölbranche nicht allein. Auch der ungarische Konkurrent MOL hat dieses Geschäftsfeld für sich entdeckt. In Deutschland hat MOL zuletzt die Recyclingfirma Aurora Kunststoffe in Neuenstein bei Heilbronn übernommen. Die Firma kann den Müll durch chemische Prozesse trennen. Der Konzern hat bereits eine Pilotanlage in Merseburg in Kooperation mit dem ebenfalls zu MOL gehörenden Recyclingtechnologie-Unternehmen APK gestartet.

„Wir wollen unsere Wertschöpfungskette über das industrielle Recycling verlängern. Wir werden nach Deutschland kommen. Unsere beiden ersten Investitionen sind nur der Auftakt für weitere Zukäufe“, sagte MOL-CEO Zsolt Hernadi dem Handelsblatt zuletzt.

Seele dämpft zu hohe Erwartungen an Wasserstoff

Beim Wasserstoff geht OMV unterdessen auf Distanz zur Euphorie in der Politik. „Wasserstoff hat ein riesiges Potenzial. Doch wir dürfen kurzfristig keine großen Erwartungen erwecken. Machen wir uns nichts vor“, sagte Seele dem Handelsblatt. Die Automobilindustrie setze vorerst auf Elektromobilität. Die Bereitschaft, in Richtung Wasserstoffmobilität zu gehen, sei „sehr gering“ ausgeprägt.

Zuletzt hat ÖVP-Chef Kurz im Wahlkampf angekündigt, Österreich zum Wasserstoff-Pionier in Europa machen zu wollen: „Wasserstoff ist eine große Chance für Österreich.“

Seele dämpft hingegen die hohen Erwartungen. „Wasserstoff nur aus erneuerbaren Energien herzustellen ist schwierig. Denn aufgrund der hohen Energiekosten macht das wirtschaftlich keinen Sinn. Grüner Wasserstoff ist heute noch keine wettbewerbsfähige Energie“, sagte Seele. Grüner Wasserstoff wird mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen.

Die nachlassende Konjunktur in Europa macht dem Energiekonzern unterdessen immer größere Sorgen. Laut Seele sei vom Abschwung insbesondere die Petrochemie betroffen. Immer mehr Kunden würden „zunehmend verhalten“ bestellen. Aufgrund der trüben Konjunkturaussichten in Europa will sich OMV weiter internationalisieren. „Wir haben Asien als Wachstumsmarkt ins Visier genommen“, sagte Seele. Der Konzern werde sich sehr viel stärker in Richtung Chemie bewegen. „In Abu Dhabi und Indonesien prüfen wir derzeit Einstiegsmöglichkeiten im Bereich der Petrochemie“, kündigt Seele an.

Mit dem milliardenschweren Raffinerie-Einstieg in Abu Dhabi und dem Kauf eines 50-prozentigen Anteils am Öl- und Gaskonzern Sapura Energy in Malaysia hat OMV bereits einen Anfang gemacht.

Mehr: Österreich will seinen Strom schon 2030 komplett aus erneuerbaren Quellen beziehen. Damit das gelingt, setzt die Industrie auf Wasserstoff.

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Mehr zu: Ölbranche - OMV richtet Konzern auf mehr Klimaschutz aus

1 Kommentar zu "Ölbranche: OMV richtet Konzern auf mehr Klimaschutz aus"

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  • Neben Wasserstoff und anderen Grünen Fuels ist es wichtig, dass die Öl-Industrie JETZT in neueste Technologien mit investiert. Denn es kommen ganz andere Energienutzungs Technologien in der Elektromobilität. Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch - das ist auch für die Neutrino Energy Group vollkommen klar. Allerdings werden Zwischenstopps an den Ladesäulen demnächst der Vergangenheit angehören. Die Autos der Marke Pi beziehen ihre Energie aus Energiewandlern, die diese aus Strahlung gewinnen. Dabei geht es um sehr leichte Elektrofahrzeuge, deren Karosserie nicht aus Aluminium besteht, sondern aus Karbon. Dieses Kohlenstoffverbundmaterial ist nicht nur extrem leicht, sondern ermöglicht auch die problemlose Integration der Energiewandler. Somit kann der gesamte Fahrzeugkörper für die Energiegewinnung genutzt werden. Der griechische Buchstabe Pi wurde als Markenname gewählt, weil er für Unendlichkeit steht. So wie Fotovoltaikanlagen Strom aus dem sichtbaren Licht gewinnen, wandelt die Neutrino-Voltaik nicht-sichtbare Strahlung in Energie um. Damit ergibt sich ein bedeutender Vorteil: diese Energiegewinnung ist nicht vom Tageslicht abhängig. Die extrem kleinen, hochenergetischen Teilchen stehen rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, an jedem beliebigen Ort zur Verfügung. Das wird eine günstige und saubere Alternative. Diese Zukunft wünsche ich mir.