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Energie

Ölindustrie 50 Gigawatt Erneuerbare Energien – So will BP sein Geschäft umbauen

Der Ölkonzern verkündet Milliardenverluste im zweiten Quartal. BP muss sich nun umstrukturieren: Grüne Energie statt Big Oil lautet die Strategie.
04.08.2020 - 14:55 Uhr Kommentieren
Der neue BP-Chef will das Unternehmen von Grund auf umbauen.  Quelle: REUTERS
Bernard Looney

Der neue BP-Chef will das Unternehmen von Grund auf umbauen. 

(Foto: REUTERS)

Düsseldorf Mitten in der Krise stellt der britische Ölkonzern BP eine radikale Strategie für den Konzernumbau vor – weg von fossiler Energie. Kurz nachdem Bernard Looney einen Milliardenverlust und Dividendenkürzungen für das zweite Quartal bekanntgegeben hat, erklärte der neue BP-Chef in einer digitalen Pressekonferenz über zweieinhalb Stunden, wie einer der größten Ölkonzerne der Welt zum grünen Energieunternehmen werden soll. Das mitgelieferte 65-seitige Positionspapier hat es in sich. 

Bis 2030 sollen die Investitionen in erneuerbare Energien schrittweise auf fünf Milliarden Dollar pro Jahr anwachsen. So will BP innerhalb der nächsten zehn Jahre 50 Gigawatt grünen Strom produzieren und gleichzeitig seine Öl- und Gasproduktion um 40 Prozent senken. 

Das dürfte den meistens Klimaschützern zwar zu wenig sein, immerhin sind fünf Milliarden Dollar für Erneuerbare nur 40 Prozent dessen, was BP allein in diesem Jahr für fossile Öl- und Gasprojekte ausgibt. Gleichzeitig sollen aber bis 2030 25 Milliarden Dollar an fossilen Projekten abgeschrieben werden. Für die Ölbranche ist das ein radikaler Schritt. Und der war auch bitter nötig.

Der Druck von Politik, Umweltaktivisten und klimabewussten Investoren auf fossile Energiekonzerne ist in den vergangenen zwei Jahren immer weiter gestiegen. Die Gruppe „ClimateAction 100+“, deren Mitglieder ein Vermögen von 33 Billionen Dollar in Fonds verwalten, setzen sich auf den Hauptversammlungen der Ölkonzerne immer öfter für eine klimafreundlichere Strategie ein. 

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    Und dass die Nachfrage nach Öl nicht immer weiter steigen wird, weiß BP selbst am besten. Im eigenen jährlich erscheinenden Energy Outlook, gehen die Experten davon aus, dass es spätestens ab 2035 bis 2040 zu einer Stagnation in der Nachfrage kommen wird, während die erneuerbaren Energien weiterwachsen. Ein Wandel, der die Ölbranche vor eine große Herausforderung stellt, und gerade zu einer Zeit kommt, in der das Geschäft mit den fossilen Rohstoffen alles andere als gut läuft. 

    Einziger Weg in die Zukunft

    Schon vor der Coronakrise waren die Gewinne der großen Multis unter Druck. Der Markt für Gas und Öl ist überversorgt, die Preise niedriger als erwartet. Und der Ausblick auf schärfere Klimagesetze dämpft die Erwartungen der bisher erfolgsverwöhnten Branche. 

    Machen Exxon Mobil, ShellChevron und die anderen Konzerne weiter wie bisher, drohen Verluste in Milliardenhöhe. Der Wert neu geplanter Ölprojekte könnte sich in den nächsten fünf Jahren halbieren, warnte das Analysehaus Carbon Tracker erst vor Kurzem in einer aktuellen Studie. Grundlage der Berechnungen ist ein Szenario, in dem die Weltgemeinschaft eine härtere Gesetzgebung in Sachen Klimaschutz vorgibt. 

    Eine Möglichkeit, die auch durch den europäischen Green Deal immer realistischer wird. In Erneuerbare zu investieren ist deswegen keine ideologische Entscheidung des Milliardenkonzerns, sondern die einzige Möglichkeit, sich auch in der Zukunft seinen Platz in der Energiebranche zu sichern. 

    Im Februar kündigte BP nach Shell als zweiter Ölkonzern an, bis 2050 klimaneutral zu werden. Total, Equinor und Eni folgten. Bislang BP jedoch das einzige Unternehmen, das schon erste Informationen dazu veröffentlicht hat, wie es die neuen Ziele erreichen will. 

    Dafür wollen die Briten vor allem in den Bereichen Bioenergie, Wasserstoff und in die Speicherung von CO2 investieren. Außerdem sollen in den kommenden zehn Jahren weltweit 70.000 Ladestationen für Elektroautos aufgebaut werden. Die komplette Strategie will BP dann im September vorlegen. 

    Mehr: Ölkonzerne schreiben Milliardenverluste im zweiten Quartal.

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