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Energie

Ölkonzern BP kündigt Abbau von fast 10.000 Stellen an

Der Ölriese wird von Coronakrise und Ölpreisverfall getroffen. Vorstandschef Bernard Looney kündigt nun an, rund jeden siebten Job abzubauen.
08.06.2020 Update: 08.06.2020 - 15:55 Uhr Kommentieren
Der Nettogewinn des Konzerns fiel zu Jahresbeginn um zwei Drittel auf 800 Millionen Dollar. Quelle: Reuters
BP-Tankstelle

Der Nettogewinn des Konzerns fiel zu Jahresbeginn um zwei Drittel auf 800 Millionen Dollar.

(Foto: Reuters)

London Im März noch hatte BP-Chef Bernard Looney die Mitarbeiter des Energiekonzerns beruhigt: Ihre Jobs seien für die kommenden drei Monate erst einmal sicher, erklärte er, trotz der Ungewissheit durch die Coronakrise, welche die Energienachfrage weltweit beeinträchtigte und den Ölpreis drückte. Doch nun sieht sich der BP-Manager gezwungen, zu reagieren.

In einer Videoübertragung und einer Mail an die Mitarbeiter kündigte Looney einen massiven Stellenabbau an. „Wir beginnen jetzt einen Prozess, in dessen Verlauf fast 10.000 Menschen BP verlassen werden“, verkündete der Firmenchef in der Mail, die dem Handelsblatt vorliegt. Weltweit beschäftigt der Konzern derzeit 70.000 Mitarbeiter.

An welchen Standorten die Stellen abgebaut werden, wurde noch nicht entschieden, aber ausschließlich Jobs in der Verwaltung sollen wegfallen. Überproportional betroffen sei dabei die Führungsebene. Bis zum Ende des Jahres soll der Stellenabbau vollzogen werden. Zudem müssen leitende Mitarbeiter auf Gehaltserhöhungen 2020 verzichten.

„Geben sehr viel mehr Geld aus als wir verdienen“

Der Konzern mit Sitz in London ist nicht das einzige Unternehmen, das von der Coronakrise hart getroffen wurde und nun Konsequenzen zieht. Der Stellenabbau sei „symptomatisch für die umfassenden Herausforderungen, vor der die Branche steht“, sagt Energieexperte Professor David Elmes von der Universität Warwick. Schon vor der Coronakrise sei schließlich eine langfristig geringere Nachfrage nach Öl vorhergesagt worden.

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    „Das sind harte Entscheidungen, die wir treffen mussten“, erklärte BP-Chef Looney der Belegschaft. Er verstehe, welche Auswirkungen das vor allem auf diejenigen habe, die ihren Job verlieren und es tue ihm leid. „Aber wir müssen die richtigen Entscheidungen für BP treffen und das ist das Richtige.“

    Der Ölpreis sei „deutlich unter das Niveau gefallen, das wir brauchen, um Gewinn zu machen. Wir geben sehr viel mehr aus als wir verdienen, und ich rede hier von Millionen Dollar, jeden Tag. Unsere Nettoverschuldung ist deswegen im ersten Quartal um sechs Milliarden Dollar gestiegen.“

    Erst Anfang Februar hatte der 50-Jährige den Chefposten bei BP übernommen. Wenige Wochen später stürzte der Preis für US-Öl zum ersten Mal in der Geschichte ins Minus, und für das erste Quartal musste BP einen Milliardenverlust von 4,37 Milliarden Dollar ausweisen.

    Es seien wohl die brutalsten Zeiten gewesen, die man sich nur vorstellen kann, kommentierte Looney im April seine ersten Wochen an der Firmenspitze. Dabei waren schon vor dem Ausbruch der weltweiten Pandemie die Preise für Öl und Gas extrem niedrig gewesen, weil die Unternehmen schon vor der Krise mehr Öl und Gas produzierten, als weltweit verbraucht wurde. Als dann aufgrund von Corona erst die Nachfrage in China einbrach und dann im Rest der Welt, traf das auch die Ölpreise massiv.

    Bereits im April hatte BP angekündigt, die organischen Investitionsausgaben im laufenden Jahr auf insgesamt zwölf Milliarden Dollar zu begrenzen. Das sind circa 25 Prozent weniger als ursprünglich geplant. An diesem Plan hält Looney fest. Derzeit koste der Betrieb des Unternehmens etwa 22 Milliarden Dollar pro Jahr, schlüsselte er nun auf, „davon sind rund acht Milliarden Dollar Personalkosten“.

    Keine Veränderung an Klimazielen

    An seinem – aus Sicht vieler Branchenexperten äußerst ambitionierten – Ziel, den Konzern bis spätestens 2050 klimaneutral zu machen, rüttelt Looney nicht. „Das wirtschaftliche Umfeld und unsere eigenen Finanzen bestätigen mich in der Meinung, dass wir BP neu erfinden müssen“, sagte er den Mitarbeitern. „Auch wenn uns die Umstände dazu zwingen, schneller zu agieren – und vielleicht dazu, zum jetzigen Zeitpunkt tiefere Einschnitte vorzunehmen als gedacht – bleibt doch die Richtung unserer Reise gleich.“

    BP will bis spätestens 2050 die Treibhausgasemissionen sämtlicher BP-Aktivitäten weltweit sowie den Treibhausgasausstoß aus der Öl- und Gasförderung auf null senken. Außerdem soll die Treibhausgasintensität aller von BP vertriebenen Produkte bis spätestens 2050 um 50 Prozent reduziert werden.

    Mehr: Ölmultis verlieren Milliarden – und das Schlimmste steht den Konzernen noch bevor

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