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Energie

Ölkonzerne in der Krise Shell, BP, Total: Das Ende des Ölzeitalters naht

Die Ölindustrie steht vor einer historischen Zäsur. Shell-Vorstand Huibert Vigeveno erklärt, wie sich sein Konzern darauf einstellen will.
06.10.2020 - 18:01 Uhr 1 Kommentar
Die einst mächtigste Branche der Welt steht massiv unter Druck. Quelle: dpa
Ölplattform

Die einst mächtigste Branche der Welt steht massiv unter Druck.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Für Shell-Vorstand Huibert Vigeveno steht das Ölzeitalter kurz vor seinem Ende. „Wir haben bereits vor drei Jahren gesagt, dass die Nachfrage nach Öl in diesem Jahrzehnt ihren Höhepunkt erreichen könnte“, sagt Vigeveno im Interview mit dem Handelsblatt. Öl und Gas werden in Zukunft durch Wind, Solar und Wasserstoff ersetzt. Zwar seien unterschiedliche Länder an unterschiedlichen Punkten dieses Prozesses. Aber „die Bedeutung des Öl- und Gassektors wird weltweit abnehmen, und andere Energieformen werden sie ersetzen“.

Die Entwicklung ist eine historische Zäsur. Denn die sinkende Nachfrage, die ohnehin niedrigen Preise und der Aufstieg erneuerbarer Energien verändern die gesamte Branche. Shell-Konkurrent BP sieht das Ende des Ölbooms sogar schon erreicht. In seinem aktuellen Energy Outlook warnt der britische Konzern, dass die Nachfrage absolut gesehen sogar sinken könnte. Deshalb bauen die Ölmultis ihr Geschäftsmodell um: Sie streichen Tausende Stellen und investieren Milliarden in erneuerbare Energien.

Für die neue Zeit stellt auch Shell sein Geschäft neu auf. Erst vor wenigen Tagen kündigte der britisch-niederländische Konzern den Abbau von bis zu 9000 Jobs an. Gleichzeitig sollen bei der Förderung und Produktion von Öl und Gas die Kosten gesenkt werden. Das Geld soll stattdessen in den Ausbau des Geschäfts mit erneuerbaren Energien und Strom investiert werden. „Wir müssen sukzessive neue Geschäftsmodelle entwickeln und kosteneffizienter werden“, erklärt Vigeveno die Neuausrichtung des Milliardenkonzerns.

Es scheint, als wollten sich die Ölkonzerne in Sachen Nachhaltigkeit gegenseitig übertrumpfen. Erst verkündete der britische BP-Konzern das Ende des Ölbooms. Dann legte Konkurrent Shell nach und beschloss, deutlich weniger Geld in die Förderung und Produktion von Öl und Gas zu stecken und stattdessen mehr in erneuerbare Energien zu investieren.

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    Tatsächlich steht die Branche, die seit Jahrzehnten zu den mächtigsten und reichsten der Welt gehört, vor ihrer größten Herausforderung: Die fossilen Energieriesen müssen die Wende hin zu den Erneuerbaren schaffen, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken wollen.

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    „In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass das alte Geschäftsmodell der Ölkonzerne nicht mehr funktioniert. Jetzt versuchen sie, sich breiter aufzustellen“, erklärt Ölexperte Paul Stevens vom Oxford Institute for Energy Studies in England im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dabei sieht der Ökonom nur ein Problem: „Die Rendite, die die Unternehmen mit dem Geschäft mit Öl und Gas gemacht haben, werden sie mit den Erneuerbaren nicht erreichen.“ Dass die Ölkonzerne den Wandel in alter Größe überstehen, hält Stevens deswegen für ausgeschlossen.

    Die Coronakrise verschärft die hausgemachten Probleme

    Niedrige Rohstoffpreise und der Druck, stärker auf erneuerbare Energien zu setzen, belasteten die Branche schon lange vor der Coronakrise. Unternehmen wie Saudi Aramco, Exxon Mobil, Chevron, Shell oder BP fördern mehr Öl und Gas, als auf der Welt verbraucht wird.

    Hinzu kam ein Streit zwischen den beiden Ölfördergiganten Nordamerika und Saudi-Arabien. In der Folge brachen die Ölpreise ein. Im April rutschte der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI sogar kurzzeitig ins Minus. Zwar haben sich die Preise mittlerweile bei knapp 40 Dollar je Barrel eingependelt. Die Zeiten der großen Gewinne sind aber erst einmal vorbei.

    Durch die Coronakrise verschärfen sich die hausgemachten Probleme und stellen „Big Oil“ auf den Prüfstand. Das Geschäftsmodell der Ölkonzerne fiel mit dem Einbruch der Nachfrage über Nacht in sich zusammen. Im zweiten Quartal verbuchten die fünf größten börsennotierten Ölkonzerne teilweise Verluste im zweistelligen Milliardenbereich.

    Mittlerweile sind sich die Ölmultis einig, dass die Pandemie das schleichende Ende der eigenen Ära deutlich schneller bringen könnte als gedacht. Experten gingen bislang von einer stetig steigenden Nachfrage nach dem schwarzen Rohstoff bis mindestens zum Jahr 2035 aus, manche sogar bis 2040. Die globale Pandemie und ihre Folgen könnten den Öl-Boom laut der französischen Total nun aber um mehr als zehn Jahre früher beenden.

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    Der Londoner Ölriese BP geht in seinem neuesten Energy Outlook sogar davon aus, dass die Hochphase des Ölbooms schon längst überschritten sein könnte. „In der modernen Energiegeschichte gab es noch nie einen absoluten Nachfragerückgang der fossilen Rohstoffe. Das ändert sich jetzt“, verkündete BP-Chefökonom Spencer Dale mit achtungsheischender Miene bei der Vorstellung der Studie. Jetzt beginne das Zeitalter der Erneuerbaren.

    Und zumindest die europäischen Granden der fossilen Industrie sehen sich gezwungen, die Flucht nach vorn anzutreten. Während US-Rivalen wie Exxon Mobil und Chevron weiter auf fossile Energien wetten, geben sich Shell, BP, Total, Equinor und Eni geläutert, stellen Klimaziele auf und wollen mehr Geld in den Ausbau von Erneuerbaren stecken. Der Ernst der Lage scheint den meisten klar. „Das ist kein Greenwashing mehr. Die Konzerne richten ihr Kerngeschäft neu aus“, sieht auch Experte Stevens.

    BP und Total haben ambitionierte Ziele

    Die radikalsten Ziele hat sich überraschenderweise der ewige Nachzügler BP gesteckt. Bis 2030 sollen die Investitionen in erneuerbare Energien schrittweise auf fünf Milliarden Dollar pro Jahr wachsen. So will BP innerhalb der nächsten zehn Jahre 50 Gigawatt grünen Strom produzieren und gleichzeitig seine Öl- und Gasproduktion um 40 Prozent senken.

    Bis 2030 sollen 25 Milliarden Dollar an fossilen Projekten abgeschrieben werden. Und auch Shell zieht das Tempo an und macht Deutschland zu einer Art Testobjekt für den Umbau des globalen Milliardenkonzerns. Mehr Wasserstoff, mehr Windenergie und mehr Ladesäulen. „2050 werden wir hier in Deutschland keine fossilen flüssigen Brennstoffe mehr verkaufen“, kündigte Shell-Deutschlandchef Fabian Ziegler an.

    Vorreiter unter den Ölkonzernen dürfte allerdings die französische Total sein. Der Pariser Ölmulti investiert schon länger kräftig in wichtige Zukunftsmärkte wie Solar, Wind, E-Mobilität oder Wasserstoff und plant, bis 2025 mehr als 25 Gigawatt Bruttoerzeugungskapazität für erneuerbare Energien zu haben. Außerdem kamen Zukäufe im Stromsektor in Spanien, Indien und Katar hinzu sowie ein erstes Investment im Bereich Offshore-Wind in der Nordsee.

    Vielen Klimaschützern und aktivistischen Investoren reichen die Ankündigungen der Ölmultis jedoch nicht. Denn die Öl- und Gasförderung soll trotzdem weiterlaufen. Und ob sich so das Erbe von Big Oil retten lässt, ist ebenfalls nicht gesagt. „Wir werden auch weiterhin Öl brauchen“, stellt Stevens zwar klar. Aber eine Rückkehr zu den goldenen Zeiten werde es für die Ölindustrie nicht geben.

    Mehr: Shell-Vorstand: „Die Bedeutung des Öl- und Gassektors wird weltweit abnehmen“

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    1 Kommentar zu "Ölkonzerne in der Krise: Shell, BP, Total: Das Ende des Ölzeitalters naht"

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    • "In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass das alte Geschäftsmodell der Ölkonzerne nicht mehr funktioniert. Jetzt versuchen sie, sich breiter aufzustellen“. UMRÜSTEN DRINGEND NOTWENDIG! Die Menschheit entdeckte vor über 100 Jahren das Ölgeschäft mit ersten Bohrungen und seither wird unermüdlich gebohrt, gebuddelt und ausgerottet. Unser Planet kann für unser Überleben nicht weiter zerstört werden. Ölindustrie investiere in saubere Zukunft und Erneuere Dich! Es gibt innovativste Neutrino Technologie
      Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlicht dazu aktuell: "Das ewige Licht - Der Beginn eines neuen Zeitalters" Weltbuch Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-906212-56-2. Die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos ist jetzt machbar. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Sie sind in der Lage, sowohl Geräte als auch einzelne Haushalte und Elektroautos ohne Anschluss an eine zentrale Stromversorgung mit Strom zu speisen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie sowie unendliche Reichweiten für die Elektromobilität werden unser Leben weltweit positiv wandeln. Die Deutsche Politik und Medien sollten sich dafür endlich öffnen, um Wirtschaft anzukurbeln. ,Denn russische Medien berichten bereits in Schlagzeilen und die Russen werden gehen zuerst auf den Markt.

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