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Oleg Deripaska Russischer Oligarch bangt um sein Vermögen – und will es mit Dosenbier retten

Der Alu-Baron leidet unter den US-Sanktionen. Die russische Regierung will ihm mit einer originellen Idee helfen: Sie will das nächtliche Verkaufsverbot für Dosenbier lockern.
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Russland: Ein Dosenbier zum Wohle von Oligarch Oleg Deripaska Quelle: AP
Oleg Deripaska

Der russische Oligarch hofft auf Hilfe vom Kreml.

(Foto: AP)

MoskauRussische Oligarchen haben es derzeit nicht leicht. Sie müssen mitansehen, wie US-Sanktionen ihr Vermögen dahinschmelzen lassen. Der kremlnahe Unternehmer Oleg Deripaska zum Beispiel hat bereits die Hälfte seines Vermögens verloren. Das jedenfalls schätzt das russische Finanzministerium.

Zwar wäre Deripaska selbst bei einer Halbierung seines Vermögens noch gut 3,5 Milliarden Dollar schwer, doch im Kreml hat man die Hilferufe des Oligarchen nicht nur vernommen, sondern versprach auch, ihm sein schweres Schicksal zu erleichtern.

Das russische Industrieministerium hat nun eine Idee entwickelt, wie sie Deripaska helfen könnten: Es schlägt vor, das nächtliche Verkaufsverbot für Alkohol zu lockern – allerdings nur für leicht alkoholische Getränke wie Bier, Apfel- und Birnenschaumweine und Honigwein aus der Dose.

Auch das Verkaufsverbot für Dosenbier an Kiosken soll entfallen. Im Gegensatz zu den vorherigen Ansätzen freut sich über diese Initiative nicht allein Deripaska. Auch die Bierlobby jubelt: Der Vizepräsident der Brauerei „Baltika“ sprach von einem Schritt auf dem Weg zur Beseitigung „ineffizienter und übermäßiger Regulierungsmechanismen der Branche.“

Im April war Deripaska und ein Großteil seines Imperiums auf die Schwarze Liste geraten. Deripaskas Konglomerat besteht unter anderem aus dem Alugiganten Rusal, den Investmentholdings En+ und Basel sowie dem Maschinen- und Autofabrikanten Russian Machines.

Schon mit dem Vorschlag, alle russischen Gemeinden und Regionen beim Ankauf von Fahrzeugtechnik dazu zu verdonnern, nur noch Erzeugnisse aus dem Hause Deripaska zu kaufen, bewies Russlands Wirtschaftsminister Denis Manturow Empathie für die Nöte des Milliardärs. Die Beschwerden anderer Autokonzerne über die Bevorteilung der Gruppe Russian Machines waren allerdings so laut, dass Vizepremier Dmitri Kosak den Plan zuletzt ausbremste. So soll diese Regelung wohl zunächst nur für 2019 gelten.

Dafür soll Deripaska auch bei der Subventionierung von Automobilkonzernen bedacht werden. Eine der Forderungen an die Konzerne, um Steuer- und Zollerleichterungen zu erhalten, besteht darin, Stahl und Aluminium aus russischer Produktion zu kaufen. Deripaskas Konzern Rusal ist der größte Aluminiumproduzent des Landes. „Unsere Hauptaufgabe besteht darin, zusammen mit Rusal starke Zentren zur Weiterverarbeitung von Rohaluminium zu entwickeln“, formulierte Manturow im Sommer sein Ziel.

Aber auch von der geplanten „Bier-Maßnahme“ dürfte der 50-jährige Alu-Baron, so sie denn durchgesetzt wird, profitieren. Denn ein Viertel des russischen Biers wird in Dosen abgefüllt. Sollten die Präferenzen für Dosenbier gelten, haben mehrere Brauereien bereits signalisiert, mehr Bier in Alubüchsen zu pressen.

Die Schaffung einer stärkeren Binnennachfrage für Aluminium war eine der Hauptaufgaben, die sich die russische Regierung nach der Verhängung der Sanktionen gegen Deripaska stellte. Ursprünglich hatte das US-Finanzministerium nämlich auch ein Verkaufsverbot für russisches Aluminium an den Weltmärkten angekündigt. Als daraufhin allerdings nicht nur die Rusal-Aktien in den Keller rauschten, sondern gleichzeitig auch die Alupreise am Weltmarkt spürbar anzogen, machte das Ministerium einen halben Rückzieher und kündigte längere Übergangsfristen an.

Allerdings steht die jüngste Initiative des Industrieministeriums der Regierungsoffensive zur Stärkung der russischen Volksgesundheit entgegen. Denn die Einschränkungen für den Alkoholverkauf wurden bei der Einführung 2013 damit begründet, den Russen einen gesünderen und nüchterneren Lebensstil einzuimpfen.

Es ist also durchaus paradox, wenn nun den Russen wieder angeboten wird, zum Wohle Deripaskas mehr zu trinken – aber nur aus der Dose bitteschön.

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