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Energie

OMV-Chef im Interview „Ein durchschnittlicher Ölpreis von 55 Dollar pro Barrel“

Rainer Seele ist Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV. Das nächste Treffen der Opec-Mitglieder und Russland beobachtet er genau. Im Interview erklärt er, warum er weitere Förderkürzungen erwartet.
24.05.2017 - 11:16 Uhr Kommentieren
Wladimir Putin (l.) empfängt Rainer Seele, Chef des österreichischen Energiekonzerns in Moskau. Quelle: AFP
OMV-Chef im Kreml

Wladimir Putin (l.) empfängt Rainer Seele, Chef des österreichischen Energiekonzerns in Moskau.

(Foto: AFP)

Wien Von seinem Büro hat der Vorstandschef des Öl- und Gaskonzerns OMV, Rainer Seele, einen spektakulären Blick über Wien. In der österreichischen Hauptstadt ist das Ölkartell Opec seit Jahrzehnten zuhause. Am Donnerstag treffen sich die Ölminister aus 13 Mitgliedsländern mit Russland, um über eine neunmonatige Verlängerung der Förderbegrenzung zu diskutieren. Österreichs größter Konzern beobachtet die Entwicklung genau. Die OMV erzielte zuletzt einen Konzernumsatz von 19 Milliarden Euro mit knapp 23.000 Mitarbeitern.

Herr Seele, welchen Ölpreis erwarten Sie im Jahresdurchschnitt?
Bei der OMV gehen wir von einem Durchschnittspreis von 55 Dollar pro Barrel aus. Bereits im ersten Quartal haben wir 54 Dollar gesehen. Es gibt eine gewisse Volatilität im Ölpreis.

Was erwarten Sie sich von der Opec-Konferenz am Donnerstag?
Die Signale, die von den Beteiligten ausgesandt werden, deuten auf eine Verlängerung der Ende vergangenen Jahres beschlossenen Förderkürzung bis mindestens Ende des Jahres hin. Von diesem Szenario gehen wir auch im Konzern aus. Wir haben bislang eine hohe Disziplin der Opec-Mitglieder bei der Umsetzung der Produktionskürzungen gesehen. Das ist für eine heterogene Organisation wie der Opec schon überraschend.

Wird der Preis nicht längst in den USA gemacht?
Tatsächlich beobachten die Händler mit Argusaugen, ob und in weit die Schieferölproduktion ausgeweitet wird, und welche Vorräte auf Lager liegen. Die Frage ist, ob die Kürzung der Produktion durch die Opec auch wirklich zu einem Rückgang des Überangebots führt. Zuletzt hat die Internationale Energieagentur erwartet, dass die Verbrauchsmengen angesichts des niedrigen Ölpreises nach oben gehen. Wir gehen davon aus, dass 1 bis 1,3 Millionen Barrel pro Tag zusätzlich in diesem Jahr verbraucht werden. Das ist ein gesundes Marktwachstum.

Die zehn ölhungrigsten Länder der Welt
Platz 10: Kanada
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Auf dem letzten Platz der weltweit zehn größten Ölnachfrager liegt Kanada mit 2,4 Millionen Barrel Öl pro Tag in 2016. In den folgenden Jahren wird mit einer sinkenden Nachfrage gerechnet. Für 2022 liegt diese nur noch bei 2,3 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Quelle: „Oil 2017“-Bericht der Internationalen Energie-Agentur.

(Foto: dpa)
Platz 9: Südkorea
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Südkorea fragte im Jahr 2016 2,6 Millionen Barrel Öl pro Tag nach. Damit landet das Land auf Platz 9 der weltweit größten Ölnachfrager. In den Folgejahren steigt die Nachfrage laut der Voraussage der Internationalen Energie-Agentur auf 2,7 Millionen Barrel Öl.

(Foto: dpa)
Platz 8: Saudi-Arabien
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Saudi-Arabien, das selbst große Mengen des Schwarzen Goldes fördert, liegt mit 3,2 Millionen Barrel Öl pro Tag auf dem achten Platz der weltweiten Ölnachfrager. Das könnte sich in Zukunft ändern, denn bis 2022 wird die Nachfrage auf 3,4 Millionen Barrel geschätzt.

(Foto: dpa)
Platz 7: Brasilien
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Brasilien liegt mit einer Erdölnachfrage von 3,1 Millionen Barrel pro Tag auf dem siebten Platz. Doch auch hier ist mit einer höheren Nachfrage in den Folgejahren zu rechnen: 2022 liegt die geschätzte Nachfrage schon bei 3,3 Millionen Barrel Öl.

(Foto: dpa)
Platz 6: Russland
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Russland liegt im Jahr 2016 noch auf Platz 6 der größten Erdölnachfrager mit durchschnittlich 3,6 Millionen Barrel Öl pro Tag. 2017 erhöht sich die Nachfrage, sodass Russland mit durchschnittlich 3,7 Millionen Barrel Erdöl pro Tag den sechsten Platz verteidigt.

(Foto: dpa)
Platz 5: Indien
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Indien fragt in den nächsten Jahren immer mehr Öl nach. 2016 liegt die Nachfrage noch bei 4,3 Millionen Barrel Öl pro Tag, 2017 werden schon 4,5 Millionen Barrel nachgefragt und 2022 noch mal mehr – 5,9 Millionen Barrel.

(Foto: dpa)
Platz 4: Japan
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Bei einer Nachfrage von 4,0 Millionen Barrel Öl pro Tag liegt Japan auf dem vierten Platz. Die Nachfrage sinkt im Jahr 2017 voraussichtlich auf 3,9 Millionen Barrel und bis 2022 auf 3,6 Millionen Barrrel Öl pro Tag.

(Foto: dpa)

Welche Rolle spielt den Russland derzeit für den Ölmarkt? Russland ist an einer Fortsetzung der Kooperation mit der Opec interessiert. Das kann man am Verhalten der russischen Ölkonzerne sehen. Die OMV ist stark in Libyen engagiert. Wie wird es im dortigen Opec-Land angesichts des Bürgerkrieges weitergehen?
Wir haben in diesem Jahr schon eine Reihe von Lieferunterbrechungen gesehen. Die Schwierigkeit in Libyen beschränkt sich auf die Sicherheit des Transports durch Ölpipelines und die Verladehäfen. Derzeit produzieren wir auf einem guten Niveau in Libyen. Im ersten Quartal haben wir 16.000 Barrel pro Tag in der Sahara gefördert. Das sind bereits 40 Prozent unserer Kapazitäten. Ich gehe davon, dass wir zwischen 10.000 bis 15.000 Barrel bis Jahresende produzieren werden. Wir haben ein Potenzial von bis zu 50.000 Barrel pro Tag.

Wie nervös sind die Ölkonzerne in Libyen?
Ich sehe nicht nur von uns, sondern auch von den OMV-Partnern Total oder Repsol ein starkes Bekenntnis zur dortigen Ölförderung. Alle Beteiligten sind der Meinung, dass es mit Libyen bergauf geht. Schließlich beträgt die tägliche Produktion rund 800.000 Barrel. Die libysche staatliche Ölgesellschaft und wir als Ölkonzern haben ein gemeinsames Interesse, möglichst viel Öl zu fördern. Für Libyen ist das existenziell. Denn der Staat dort kann praktisch auf keine anderen Einnahmen zurückgreifen.

In Jemen produzieren sie angesichts des Krieges kein Öl. Wird sich das ändern?
Es gibt derzeit keine Hoffnung, dass wir die Produktion dort wieder aufnehmen werden. Das lässt die Sicherheitslage nicht zu.

Wenn der Ölpreis explodiert
1973
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Weil Israel im Jom-Kippur-Krieg arabische Gebiete besetzt, dreht die Opec den Ölhahn zu – der Ölpreis zieht an und stürzt die Welt in eine Energiekrise und in die Rezession. In Deutschland ist Autofahren sonntags zeitweise verboten. Der bis dahin jahrelang konstant gehaltene Ölpreis klettert in wenigen Jahren und in großen Sprüngen von etwa 3 auf mehr als 10 Dollar pro Barrel.

(Foto: dpa)
1979/80
2 von 10

Im Iran ergreifen die Mullahs um Revolutionsführer Khomeini die Macht; die Ölproduktion des Landes bricht ein. Der Ölpreis marschiert in Richtung 20 Dollar.

(Foto: Reuters)
1990/91
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Der Irak überfällt Kuwait, kurz darauf marschieren die USA im Irak ein. Kuwait besitzt nach Saudi-Arabien, Irak und Iran die größten Reserven. Der Ölpreis überspringt die Marke von 40 Dollar.

(Foto: ap)
2003
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Diktator Saddam Hussein wird gestürzt. Die irakische Ölindustrie ist weitgehend zerstört. Der Ölpreis liegt im Bereich von 35 Dollar.

(Foto: dpa)
2008
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Gute Weltkonjunktur und Spekulation treiben den Ölpreis vor dem Lehman-Crash auf ein Hoch bis in den Bereich von 150 Dollar.

(Foto: ap)
2011
6 von 10

Fast in der gesamten arabischen Welt brechen Unruhen aus. In den Industrieländern wächst die Angst vor einem Versorgungsengpass. Von Januar 2011 bis zum 11. März 2011 steigt der Ölpreis von 92 auf zeitweise 116 Dollar.

(Foto: Reuters)
2012
7 von 10

Ende Juni 2012 sinkt der Brent Rohölpreis unter 90 Dollar pro Barrel und der WTI Ölpreis unter 80 Dollar. Im Juli erholen sich die Preise schließlich wieder, angesichts der Erwartung, dass die politischen Entscheidungsträger in den USA, Europa und China, Maßnahmen ergreifen, um das Wirtschaftswachstum zu stimulieren.

(Foto: dapd)

Wie steht es um die Förderkosten überhaupt?
Unsere Förderkosten haben wir von Quartal zu Quartal gesenkt. Wir kommen von 16 Dollar pro Barrel und sind nun bei neun Dollar gelandet. Nun geht uns aber ein wenig die Luft aus. Wenn wir noch weiter herunterkommen wollen, müssen wir kostengünstige Felder erschließen. Wenn wir in diesem Jahr die Ölfelder von Uniper in Westsibirien übernehmen, werden wir unter die Schwelle von neun Dollar kommen.

Richtung acht Dollar?
Wahrscheinlich sogar unter acht Dollar.

Herr Seele, vielen Dank für das Interview.

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