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Energie

Ostsee-Pipeline Deutsche Projektpartner verteidigen Nord Stream 2 gegen neue Sanktionsdrohungen

Für Uniper und Wintershall Dea stehen bei der Pipeline hohe Summen auf dem Spiel. Ein Baustopp könne zudem die Gasversorgung in Europa gefährden.
03.09.2020 Update: 03.09.2020 - 14:17 Uhr 2 Kommentare
Nord Stream 2 soll weitere 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr anliefern Quelle: REUTERS
Arbeiten auf einem Verlegeschiff

Nord Stream 2 soll weitere 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr anliefern

(Foto: REUTERS)

Düsseldorf Die neue Ostseepipeline Nord Stream 2 ist mit zwei Strängen von jeweils 1200 Kilometern geplant. 2300 Kilometer sind schon verlegt. Nord Stream 2 ist also zu 94 Prozent fertig. Keine Frage: Sollte das Projekt noch scheitern, wäre das für die beteiligten Unternehmen eine Katastrophe – und neben dem russischen Gasriesen Gazprom wären mit Uniper und Wintershall auch zwei deutsche Konzerne betroffen.

Mit dem Fall des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny ist das Szenario in den Zentralen der beteiligten Unternehmen aber einmal mehr in den Vordergrund gerückt. Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch bestätigt hat, dass auf Nawalny ein Giftanschlag verübt wurde, haben Politiker in Deutschland und auf EU-Ebene Forderungen nach Sanktionen erhoben – und fordern unter anderem einen Stopp von Nord Stream 2.

„Als Projektentwickler kommentiert die Nord Stream 2 AG politische Debatten nicht“, erklärte die Projektgesellschaft am Donnerstag auf Anfrage. Das Unternehmen fügte aber auch unmissverständlich hinzu: „Das Projekt basiert nicht auf politischen Vereinbarungen zwischen Ländern, sondern auf Milliardeninvestitionen von sechs Unternehmen, darunter fünf aus Westeuropa. Der Bau erfolgt strikt nach nationalem und internationalem Recht und ist komplett durch Behörden aus fünf Ländern genehmigt.“

Die Nord Stream 2 AG mit Sitz in der Schweiz hat die Pipeline geplant, baut sie jetzt und soll sie künftig betreiben. Das Unternehmen ist komplett in Besitz des russischen Gazprom-Konzerns, der mit einem Anteil von 15 Prozent der mächtigste Gasproduzent der Welt ist.

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    An der Finanzierung des Projekts sind aber auch westeuropäische Unternehmen beteiligt: Neben dem Ölkonzern Royal Dutch Shell, dem französischen Energiekonzern Engie und dem österreichischen Ölkonzern OMV sind das auch der Stromproduzent Uniper und die Öl- und Gasgesellschaft Wintershall Dea aus Deutschland.

    Investitionen von 9,5 Milliarden Euro

    Eigentlich sollten die Partner direkt bei der Nord Stream AG einsteigen. Nachdem sich Widerstände in Polen bei der Genehmigung abzeichneten, band Gazprom die Unternehmen nur als Finanzpartner ein. Für Wintershall Dea und Uniper stehen dabei sehr hohe Summen auf dem Spiel. Insgesamt wurden die Investitionen in das Projekt mit 9,5 Milliarden Euro veranschlagt. Die westlichen Partner sind mit jeweils zehn Prozent beteiligt, also mit 950 Millionen Euro.

    Und im Fall Uniper ist das Geld bereits geflossen, wie der Energiekonzern vor Kurzem bei der Vorlage des Zwischenberichts bestätigte. Für den Fall, dass das Projekt letztlich nicht fertiggestellt werden könne, müsse Uniper „gegebenenfalls den für Nord Stream 2 bereitgestellten Kredit wertberichtigen“ und könne „die geplanten Zinserträge nicht realisieren“, hatte der Stromproduzent im Risikobericht gewarnt. Wintershall Dea hat nach eigenen Angaben bis April 730 Millionen Euro ausbezahlt.

    Die Warnung von Uniper bezog sich damals auf die stetigen Drohungen aus den USA gegen das Projekt. Jetzt werden wieder Drohungen aus Europa laut. Uniper verweist auf Anfrage zwar auf die Aussagen von Bundeskanzlerin Merkel, die erst am Wochenende betont hatte, dass Nord Stream 2 vollendet werde. Die Entwicklungen werden von den beteiligten Unternehmen aber aufmerksam verfolgt.

    „Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen im Fall Alexej Nawalny und der Beziehung zwischen Deutschland, der Europäischen Union und Russland sehr genau“, erklärte ein Sprecher von Wintershall Dea: „Eine schnelle und gründliche Aufklärung des Falls muss nun im Fokus stehen. Wir hoffen, dass sich der Gesundheitszustand von Alexej Nawalny bald verbessert und wünschen ihm schnelle Genesung.“ Darüber hinaus wolle man die Entwicklungen nicht kommentieren.

    Ein Uniper-Sprecher betonte: „Wir sind von der Notwendigkeit des Projekts Nord Stream 2 sowie des Aufbaus von LNG-Kapazitäten überzeugt.“ Die europäischen Produktionsmengen gingen zurück, die Pipeline und die LNG-Infrastruktur würden dringend benötigt, um eine sichere, flexible und kostengünstige Versorgung Europas mit Erdgas auch in Zukunft zu gewährleisten.

    Tatsächlich hat Europa einen Bedarf an zusätzlichen Gasimporten. Russland deckt aktuell zwar rund 35 Prozent des Gasbedarfs in der Europäischen Union und der Türkei. Derzeit stammt ein Großteil des Gases aber noch aus eigenen Quellen in der Nordsee – jedoch mit sinkender Tendenz. Speziell in den Niederlanden geht die Förderung zur Neige.

    Derzeit ruht die Verlegung

    Gazprom will deshalb über die Ostseepipeline zusätzliches Gas nach Westeuropa liefern. Nord Stream 2 soll weitere 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr anliefern – die gleiche Menge, die schon die erste Pipeline Nordstream seit 2011 transportiert. Das Gas soll in Greifswald ankommen, aber dann auch in andere westeuropäische Staaten transportiert werden. Eigentlich sollte die Pipeline Ende 2019 fertiggestellt sein. Immer wieder wurde der Bau durch Einsprüche in den Genehmigungsverfahren der Anrainerstaaten aber verzögert. Wann die restlichen 160 Kilometer verlegt sind, ist noch offen.

    „Wir sind überzeugt, dass das Projekt trotz der derzeitigen Unterbrechung so bald wie möglich abgeschlossen werden kann“, erklärte der Uniper-Sprecher: „Leider ist das Projekt Gegenstand zunehmend kontroverser politischer Diskussionen zwischen den USA und Europa.“

    Kritiker der Pipeline bemängeln aber, dass sich Europa zu sehr abhängig von russischem Gas macht. Tatsächlich ist der Anteil am europäischen Energieverbrauch schon in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Zudem befürchten die osteuropäischen Staaten, von Gaslieferungen abgeschnitten zu werden. Sie sehen in Nord Stream 2 vor allem den Versuch Russlands, ihre Bedeutung als Transitstaaten zu beschneiden.

    Die westlichen Projektpartner verweisen dagegen darauf, dass Russland mit dem Milliardeninvestment genauso abhängig von Europa sei und selbst in Zeiten des Kalten Krieges russisches Gas stets verlässlich nach Europa geflossen sei. Den osteuropäischen Staaten wird versprochen, im Konfliktfall Gas aus Westeuropa liefern zu können.

    Lange hatte Europa auch keine wirkliche Alternative zu russischem Gas. Inzwischen bietet sich aber auch der Import von verflüssigtem Erdgas (Liquified Natural Gas, LNG) aus Übersee oder Nahost an. Das war lange Zeit nicht wettbewerbsfähig, weil das im Herkunftsland erst aufwendig heruntergekühlt werden muss, um es zu verflüssigen. Dann muss es mit Spezialtankern transportiert werden und in Europa dann in Anlandeterminals wieder zu Erdgas aufbereitet werden.

    Die Kosten sind aber dramatisch gesunken, und LNG wird wettbewerbsfähig. Uniper beispielsweise setzt neben Nord Stream 2 auch auf LNG und ist am Bau eines Terminals in Deutschland interessiert. Als Lieferant bieten sich unter anderem die USA an – weshalb die Befürworter von Nord Stream 2 hinter den Sanktionsdrohungen der USA auch handfeste ökonomische Interessen vermuten.

    Mehr: Bundesregierung bestätigt Nachweis des Giftes Nowitschok bei Nawalny – Merkel: „Er sollte zum Schweigen gebracht werden“

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    2 Kommentare zu "Ostsee-Pipeline: Deutsche Projektpartner verteidigen Nord Stream 2 gegen neue Sanktionsdrohungen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Aktien sind nun ein schöner Zock. Mal die Nerven zucken lassen.

    • Wie lange noch wollen sich die EU- und die BRD solche Einmischungen durch die Amis gefallen lassen?? ZITAT:
      Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen die böse sind,
      sondern von denen, die das Böse zulassen.
      Albert Einstein.

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